Mit dem Vertrauen der Geldbenutzer ist nicht zu spaßen

Obwohl wir alle keinen unmittelbaren Bedarf an Geld haben, halten und nutzen wir dieses dennoch, weil wir der festen Überzeugung sind, in Zukunft andere Waren und Dienstleistungen mit diesem Geld erwerben zu können. Wer also Geld neu einführen und innerhalb der Bevölkerung kursieren lassen will, sei es als Staat, Staatenbund oder auch als ein Unternehmen, das wie Facebook eigene Kryptocoins ausgeben will, der muss sich zunächst einmal das Vertrauen der Bevölkerung verdienen.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg versprach der globalen Community bei der Vorstellung der eigenen Währung Libra vor einigen Wochen, man wolle Milliarden von Menschen das Leben erleichtern und ihnen neue Chancen bieten. Ein Schelm, der dabei denkt, dass es Facebook um etwas anderes als seine Geschäftsinteressen und um mehr Unabhängigkeit vom digitalen Werbemarkt gehen könnte.      

Man muss Facebook allerdings zugute halten, dass man ungeachtet der eigenen Allmachtsphantasien zumindest aus den Fehlern der bisherigen Kryptowährungen lernen will. Diese kranken nämlich fast alle daran, dass die Coins nicht zirkulieren. Sie werden gehortet wie Gold, weil das Publikum gelernt hat, dass ihr Wert über Nacht in den Himmel steigen kann. Aber sie werden nicht wie Geld einfach abgegeben, um damit Wurst, Brötchen oder Kaugummi zu kaufen. Dafür erscheinen sie viel zu wertvoll und kostbar.

Geld kann nur mit Vertrauen überleben

Das Überleben der heute existierenden digitalen Währungen wird allein von der Bereitschaft des Publikums abhängen, diese Coins auch als Geld anzuerkennen und sie wie eben dieses tagtäglich auch einzusetzen. Facebooks Libra geht an dieser Stelle im Gegensatz zu den meisten anderen Coins, die in den letzten Jahren das Licht dieser Welt erblickten, durch die Rückbindung an einen realen Warenkorb einen anderen Weg, der im Prinzip durchaus die Möglichkeit bietet, am Ende zu funktionieren.

Facebook hat allerdings ein anderes Problem. Der Konzern verfügt zwar über eine enorme Reichweite. Er genießt aber innerhalb der Bevölkerung nur ein rudimentäres Vertrauen. Dieses ist aber allen kalifornischen Tagträumen zum Trotz unerlässlich, soll sich ein dingliches Gut wie eine Münze oder eine Banknote oder auch ein digitaler Coin als Geld durchsetzen und allgemein Verwendung finden.

Dass Gold und Silber zum ältesten Geld der Menschheit wurden, ist allein diesem Vertrauen zu verdanken. Sehr schnell haben die Menschen erkannt, dass die beiden Edelmetalle etwas Besonderes darstellen. Und auch der Dümmste konnte erkennen, dass es eines hohen Aufwand bedarf, dieses Gold zu finden, aus dem Erz zu isolieren und in die Reinheit zu bringen, die nötig ist, um Goldmünzen prägen zu können.

Gold und Silber geben den Vertrauensstandard vor

Dieses Erfahrungswissen hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Gold und Silber als Geld durchgesetzt haben. Beide Edelmetalle hatten und haben durch ihr hohes spezifisches Gewicht selbstverständlich immer auch ihre Nachteile. Aber die Vorteile überwogen und sie haben mit dazu beigetragen, dass aus dem subjektiven Vertrauen eines einzelnen ein kollektives Vertrauen entstanden ist, dass auch heute noch nachwirkt, obwohl Gold und Silber offiziell ihren Geldstatus verloren haben.

Es wird lange dauern, bis private Unternehmen oder staatliche Behörden durch eigene Geldsysteme, die sie neu schaffen, an diesen über Jahrhunderte gewachsenen Status herankommen werden. Ob dies einer Firma wie Facebook jemals möglich sein wird, wenn man schon mit dem Schutz von Passwörtern überfordert ist und private Nutzerdaten ohne Erlaubnis an andere Firmen weiterleitet, sei einmal dahingestellt.

Aufhalten lässt sich der Trend zu digitalen Währungen und Formen der Bezahlung nicht. Doch egal, wer an diesem Trend wie auch immer partizipieren will, man wird nicht darum herumkommen, ein Vertrauen aufzubauen, das dem von Gold und Silber ähnlich ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: