Crash mit Ankündigung?

Auf einen Crash muss man sich als Anleger immer dann mental vorbereiten, wenn die Aktien oben stehen. Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen und liegen die Kurse am Boden, ist es viel zu spät um noch etwas zu retten. Man kann dann nur noch die Scherben zusammenkehren.

Will man die Scherben jedoch vermeiden, muss hinschauen, solange die Welt noch in Ordnung ist und man sollte sogar ganz genau hinschauen, wenn die Aktien auf oder nahe bei ihren Höchstkursen stehen, denn ein Crash beginnt immer am Top, nicht irgendwo in der Mitte oder gar am Boden.      

Weil die Aktien aktuell hoch stehen und die Anleger noch sorglos scheinen, fällt die Analyse gewiss nicht leicht, denn im Zweifelsfall ist der positive Mainstream zu ignorieren. Wer die Analyse pragmatisch angeht, der könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass die Unternehmen heute preiswerter sind als auf dem Hoch von 2015.

Das ist zwar grundsätzlich richtig. Doch so einfach macht es uns die Börse nur in den seltensten Fällen. Der Normalfall ist schwieriger, weil komplexer. Für die notorischen Daueroptimisten bedeutet dies: Auch wenn die Kurse heute günstiger sind als 2015, können die Aktien in einer Rezession immer noch kräftig Federn lassen.

Die Zeichen an der Wand

Man sollte die vor uns liegenden Gefahren deshalb auf keinen Fall unterschätzen. In Europa hat sich das Wirtschaftswachstum schon deutlich abgeschwächt. Verglichen mit der alten Welt präsentieren sich die USA derzeit in einem vermeintlich sehr robusten Zustand.

Dieser wird allerdings nur mit einer massiven Neuverschuldung erkauft. Während die US-Wirtschaft um 2,9 Prozent pro Jahr wächst, wachsen die US-Schulden pro Jahr mit einem Anteil, der bei sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt.

So wundert es nicht dass in den USA Kritiker wie der Anleihenexperte Jeff Gundlach der Meinung sind, dass sich das Land ohne seine exzessive Neuverschuldung längst in einer Rezession befände. Die Kritik ist berechtigt und sie zeigt, dass die USA längst nicht so „great“ dastehen, wie es Donald Trump seinen Wählern immer wieder zuruft.

Auch in China hat sich die Wirtschaft deutlich eingetrübt. Viel besser als an den offiziellen Wirtschaftszahlen des Landes lässt sich diese Entwicklung am Außenhandel mit wichtigen Partnerländern wie Südkorea oder Australien ablesen.

Es knirscht gewaltig im System

Der Handel mit Südkorea ist auch ohne Zölle und Handelskrieg um 14 Prozent zurückgegangen, und weil China der Hauptabnehmer für die in Australien abgebauten Rohstoffe ist, befindet sich auch das australische Wirtschaftswachstum auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren.

Wer als Anleger einen Blick auf die wichtigsten Rohstoffpreise wirft, findet diese Entwicklung leicht bestätigt. Während Bauholz, Stahl und Kupfer, also alles Rohstoffe, die in einer anziehenden oder boomenden Wirtschaft stark nachgefragt werden, so billig sind, wie seit Jahren nicht mehr, konnten die Preise für Gold und Silber zuletzt deutlich zulegen. Auch das ist kein gutes Zeichen für DAX, Dow und Co., denn in Zeiten der Krise und der Unsicherheit waren die Edelmetalle schon immer besonders stark gefragt.

Bedenkt man jetzt noch, dass die letzten Anstiege und Hochs fast nur noch von einigen wenigen Aktien ausgebildet wurden und dem Markt die Breite beim Anstieg fehlt, kann einem schnell Angst und bange werden.

Bislang gefallen sich die Anleger an den Aktienmärkten darin, die Gefahren nicht zu sehen oder sie bewusst zu ignorieren. Das geht so lange gut, bis die Ersten ihren Kopf aus dem Sand heben und eilig zum Ausgang rennen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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