Die Industriedinosaurier kämpfen um ihr Überleben

Die Börse ist eine schnelllebige Welt. Was gestern noch gefeiert wurde, kann schon morgen in Grund und Boden geshortet werden. Auch die langfristigen Trends sind nicht immer zum Wohl der Unternehmen und ihrer Aktionäre. Die in General Electric, Siemens oder ABB investierten Anleger können davon ein Lied singen.

Zum Ende der 1990er Jahre war die Welt dieser Industriegiganten noch in Ordnung. GE war mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Milliarden US-Dollar das teuerste Unternehmen der Welt. Sein charismatischer Chef Jack Welch wurde für seine Zukäufe gefeiert, auch wenn diese vielfach undurchsichtig waren und nicht nur die Aktionäre des Unternehmens leicht den Überblick verloren.      

Aber das störte damals niemanden. Konglomerate waren beliebt und hatten ihren Wert. Dass sie auch ihre Probleme hatten, wollten die Anleger zu Beginn des neuen Jahrhunderts noch nicht sehen. Rund acht Jahre später auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mussten sie es sehen, denn ihr Investment war teilweise nicht einmal mehr die Hälfte wert.

General Electric kämpft seit der Finanzkrise im Grunde nur noch um das eigene Überleben und auch die Marktkapitalisierung von Siemens hat sich zwischen 2000 und 2003 geviertelt. Ähnlich erging es dem Schweizer ABB-Konzern. Auch er verlor rund dreiviertel seines Börsenwerts.

Wendiges Schnellboot statt trägem Supertanker

Eine Wiederholung dieses Dramas ist keineswegs ausgeschlossen, denn obwohl die angeschlagenen Industriedinosaurier in den vergangenen Jahren Unternehmensteile ausgegliedert und sich einer Verschlankung unterzogen haben, gelten sie bei den Anlegern immer noch als unübersichtlich und träge.

Der Markt will wendige Schnellboote und keine schwerfälligen Supertanker. Anders als in den späten 1990er Jahren werden Konglomerate deshalb nicht mehr mit einem Aufschlag im Kurs bedacht, sondern mit einem Abschlag.

Da sich diese Veränderung der Bewertung auch auf die Vergütung der Manager auswirkt, weil sie zum Teil an die Entwicklung des Aktienkurses gekoppelt ist, spürt auch das Topmanagement die veränderte Sichtweise des Marktes am eigenen Leib.

Bei Siemens war die Liste der Verkäufe in den vergangenen Jahren besonders lang und Namen wie Osram, Gigaset und Siemens Healthineers sind auch den mit der Siemens-Firmengeschichte nicht ganz so vertrauten Anlegern gut bekannt. Dem Aktienkurs haben die Verkäufe nicht geschadet. Er hat sich gemessen an den Tiefstständen während der Finanzkrise vervierfacht.

Die Delle von 2003 ist also mehr als ausgeglichen. Entspannt zurücklehnen können sich die investierten Anleger aber dennoch nicht, denn gemessen vom Allzeithoch hat die Siemens-Aktie rund ein Fünftel ihres Wertes verloren. Eine Wiederholung der Ereignisse zwischen 2000 und 2003 ist in einer zukünftigen Krise somit keineswegs ausgeschlossen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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