Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist in Gefahr

Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist ein hohes Gut. Es ist in höchster Gefahr, denn immer direkter und unverschämter wird der Zugriff der Politik auf die Hüter des Geldes. Prominentester Vorreiter dieser Bewegung ist US-Präsident Donald Trump. Er befindet sich seit einigen Wochen bereits im Wahlkampfmodus.

Damit das Unternehmen Wiederwahl nicht scheitert, wünscht sich der US-Präsident von US-Notenbankchef Jerome Powell niedrigere Zinsen. Der Wunsch wurde aber nicht diskret an die Federal Reserve Bank herangetragen, sondern für alle sichtbar in Form von handfesten Forderungen über Twitter.      

Gehorcht die Zentralbank dem eigenwilligen Präsidenten nicht, könnte Donald Trump sich ein Beispiel an Recep Erdogan nehmen. Dieser hat unter starkem Protest der Opposition und der Wirtschaftsfachleute im Land den türkischen Notenbankpräsident Murat Cetinkaya seines Postens enthoben.

Aufschlussreich ist die Begründung, die Erdogan für seinen Schritt einige Tage später zu Protokoll gab. Der türkische Präsident erklärte, er habe auf verschieden Treffen den Notenbankchef mehrfach dazu aufgefordert, die Zinsen zu senken. Denn, wenn die Zinsen sinken würden, so Erdogan, würde auch die Inflation im Land sinken.

Und bist du nicht willig, brauch ich Gewalt

Da der Notenbankchef, wie die meisten Ökonomen weltweit anderer Meinung war, musste er gehen. Vielleicht muss jetzt auch die Ratingagentur Fitch „gehen“, denn sie hat sich erdreistet, als Reaktion auf die Entlassungen des Notenbankgouverneurs die Kreditwürdigkeit der Türkei von „BB“ auf „BB-“ abzusenken.

Kredite aufzunehmen wird für die Türkei damit teurer, denn die Bonität des Landes ist durch diesen Schritt noch weiter in den den Bereich der Schrottanleihen abgerutscht. Eine weitere Absenkung der Bewertung schließt die Ratingagentur nicht aus, denn der Ausblick ist weiterhin negativ.

Für die Türkei, die auf den Zustrom ausländischen Kapitals angewiesen ist, dürfte die Lage damit in den kommenden Monaten schwerer werden, denn das internationale Vertrauen ist dahin. Es wird weniger Kapital ins Land fließen und für das Geld, das doch noch von sehr risikobereiten Investoren zur Verfügung gestellt wird, müssen höhere Zinssätze gezahlt werden.

Wenn US-Präsident Donald Trump aus Verärgerung über den Kauf des russischen Luftabwehrsystems die Türkei mit höheren Zöllen und Sanktionen zusätzlich in die Mangel nehmen will, könnte es für die Türkei leicht gefährlich werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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