Das zweite Halbjahr 2019 steckt voller Risiken

Das zweite Halbjahr 2019 steckt zwar noch in den Kinderschuhen und doch steht schon fest, dass es schwierig werden wird, die sehr guten Ergebnisse des ersten Halbjahrs noch einmal zu toppen. Nach einem katastrophalen zweiten Halbjahr 2018 setzten die Märkte im Januar zu einer Erholung an.

Sie hat dazugeführt, dass die Aktien in den USA um 17 Prozent gestiegen sind. Auch in Europa konnten die Aktienmärkte mit einem Plus von 16 Prozent im ersten Halbjahr reichlich Boden gutmachen. Neue Rekordstände erreichte man in der alten Welt im Gegensatz zur Wall Street jedoch nicht.      

Damit liegt die Latte nicht nur hoch, sondern sehr hoch. Es hat zwar auch in der Vergangenheit Jahre gegeben, in denen die Aktienmärkte um über 34 Prozent auf Jahressicht zulegen konnten, doch waren diese extrem guten Aktienjahrgänge eher die Ausnahme als die Regel.

Weil auch der Konjunkturzyklus weit fortgeschritten ist, haben die Anleger gute Gründe, nicht allzu euphorisch in das zweite Halbjahr zu gehen. So positiv das erste Halbjahr verlief, es gibt genügend konjunkturelle und politische Risiken, die durchaus in der Lage sind, die positive Performance bis zum Ende des Jahres wieder auszulöschen oder sogar in den negativen Bereich zu drücken.

Der Konjunkturzyklus ist weit fortgeschritten

Die vermutlich geringste Gefahr wird in den kommenden Monaten von den Notenbanken ausgehen. Das Gespenst steigender Zinsen ist in den USA erfolgreich vertrieben worden und auch für den europäischen Raum rechnen die Anleger im weiteren Verlauf des Jahres mit Zinssenkungen. Dass steigenden Zinsen ähnlich wie vor einem Jahr die Rallye an den Aktienmärkten noch einmal abwürgen werden, ist vor diesem Hintergrund eher nicht zu erwarten.

Deutlich größer ist die Gefahr, die von konjunktureller Seite her droht. Noch präsentiert sich vor allem die US-Wirtschaft in einer guten Verfassung und der Arbeitsmarkt signalisiert durch die anhaltende Vollbeschäftigung Stärke, doch mahnen die frühen Indikatoren inzwischen zur Vorsicht, denn sie signalisieren eine Wirtschaft, die zunehmend an Dynamik verliert.

Völlig aus der Luft gegriffen sind die dadurch aufscheinenden Sorgen der Anleger nicht, denn niemand vermag heute verlässlich einzuschätzen, wie sich die chinesische Wirtschaft entwickelt und welche Spuren Donald Trumps Zölle und der von ihm initiierte Handelskrieg in den Bilanzen der Unternehmen und des Landes hinterlassen werden.

Auch an politischen Risiken besteht kein Mangel

Auch politisch sitzt die Welt auf einer Reihe von Bomben, die prinzipiell jederzeit explodieren können. Am Persischen Gold rüsten die USA und der Iran nicht nur verbal auf. Insbesondere die Führung in Teheran steuert mit hoher Fahrt und fortgesetzten Sticheleien in einer Einbahnstraße auf eine Wand zu, an deren Ende eine militärische Konfrontation mit dem Westen und den westlichen Verbündeten am Golf stehen könnte.

Europa sitzt auf der Bombe eines ungelösten Brexit-Problems und und sollte Boris Johnson in Kürze die Nachfolge von Theresa May als britischer Premierminister antreten, hat auch Europa neben Recep Erdogan einen weiteren Politiker in führender Position, der sich im Zweifelsfall nicht scheuen wird, einen politischen Alleingang zu vollziehen.

Grund, mit Freude auf die hinter uns liegenden ersten sechs Monate des Jahres zurückzublicken, haben die Anleger somit schon. Völlig sorglos und unbeschwert der Zukunft entgegensehen werden dennoch die Wenigsten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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