Kommt der Wind beim Eisenerz bald wieder von vorn?

Sucht man nach dem Rohstoff, der sich im ersten Halbjahr 2019 am besten entwickelt hat, wird man überraschenderweise beim Eisenerz fündig. Sein Preis hat sich ausgehend von den Tiefs zum Jahreswechsel in der Spitze um rund 86 Prozent erhöht. Mit dem Preis des von ihnen geförderten Rohstoffs stiegen auch die Kurse der Eisenerzförderer in den letzten Monaten konstant an.

Weil das Eisenerz der Grundstoff für die Stahlherstellung ist und diese immer dann anzusteigen pflegt, wenn die Wirtschaft nach einer Krise wieder in Schwung kommt, könnte man angesichts der stark anziehenden Eisenerzpreise geneigt sein, von einem in Kürze auf uns zukommenden Boom der Wirtschaft zu träumen.      

Diese Annahme müsste aber auch durch andere Metallpreise, insbesondere den Preis für Kupfer, bestätigt werden. Beim Kupfer zeigt sich jedoch ein vollkommen anderes Bild als beim Eisenerz. Während Letzteres seit Monaten haussiert, kommt der Preis für das rote Metall kaum vom Fleck.

Was auf den ersten Blick gar nicht so recht zusammenpassen will, wird verständlich, wenn man sich die Gründe für den starken Eisenerzpreisanstieg vor Augen führt. Dieser fußt einerseits auf einer starken chinesischen Nachfrage und andererseits auf einem reduzierten Angebot.

Dieser Eisenerzboom wird keine Dauer haben

Letzteres hat sich die Industrie im Grunde selbst zuzuschreiben und dieses Problem ist inzwischen so gut wie gelöst. Der für den starken Preisanstieg im ersten Halbjahr verantwortliche Angebotsengpass ist damit Geschichte und ein wichtiger Treiber für höhere Preise und Minenkurse nicht mehr gegeben.

Bleibt also noch der Blick nach China. Auch hier trüben sich die Aussichten ein, denn die hohe Stahlnachfrage im ersten Halbjahr war primär der Entscheidung der chinesischen Regierung geschuldet, die Wirtschaft des Landes durch ein neues Infrastrukturprogramm kurzfristig zu beleben.

Auch diese Aktion ist inzwischen Geschichte, sodass sich die Stahlproduktion im Reich der Mitte bald wieder deutlich reduzieren wird. Für die Nachfrage nach Eisenerz und den Preis des Rohstoffs ist Ähnliches zu erwarten. Mehr noch in Kürze dürfte eine steigendes Angebot wieder auf eine fallende Nachfrage treffen.

Vor diesem Hintergrund könnte es sich für Anleger, die aktuell in einen oder mehreren Eisenerzproduzenten investiert sind, anbieten, sich zum Ausgang zu begeben, bevor die Masse es auch tut.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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