Der Sozialismus ist tot. Es lebe der Sozialismus!

Obwohl der Sozialismus in den Ländern, in denen er bislang verwirklicht wurde, krachend gescheitert ist und den Menschen viel Leid gebracht hat, übt die von Karl Marx und Friedrich Engels entwickelte Wirtschafts- und Gesellschaftslehre auf viele Menschen auch heute noch eine faszinierende Wirkung aus.

Die Faktenlage ist erdrückend. Noch bislang jedes sozialistische Experiment ist kolossal gescheitert und überall dort, wo man die Herrschaft des Proletariats mit aller Macht durchzusetzen wusste, starben die Menschen wie die Fliegen. In China, der Sowjetunion und Kambodscha starben rund 100 Millionen Menschen in den Lagern des Grauens und wie viele heute in Venezuela verhungern, weil Präsident Nicolas Maduro nicht von seiner Macht lassen will, ist noch nicht abschließend bekannt.      

Man kann nicht sagen, dass die sozialistischen Experimente klein gewesen wären. Insgesamt 18 Länder und rund ein Drittel der Weltbevölkerung waren im 20. Jahrhundert diesem Realexperiment ausgesetzt und unterworfen. Dass die immer noch vorhandenen Befürworter der Ideen von Marx, Engels und Lenin daran keinen Anstoß nehmen liegt an einem genialen Killerargument. Man behauptet einfach, dass die bisherigen sozialistischen Experiment gar kein „echter Sozialismus“ gewesen seien.

Klingt doch gut, wenn man sich auf diese Art von den Fehlern der Vergangenheit distanzieren und weiter auf eine goldene Zukunft hoffen kann. Diese Freiheit gilt allerdings nur auf der linken Seite des politischen Spektrums. Man stelle sich nur einmal vor, die Vertreter der extremen Rechte kämen auf die Idee zu behaupten, dass das, was Adolf Hitler zwischen 1933 und 1945 in Deutschland praktiziert hat, gar kein „echter Nationalsozialismus“ gewesen sei und man nun endlich darangehen wolle, diesen zu verwirklichen. Ein Aufschrei ginge durch das Land. Zu und zwar recht!!

Die große Gleichheit wird kommen

Dass auch in Berlin gerade einmal 30 Jahre nach dem Mauerfall wieder Enteignungen gefordert werden und antiliberale Gesellschaftsideen eine Renaissance erleben, zeugt nicht nur vom kurzen Gedächtnis der meisten Menschen. Es zeigt vor allem davon, dass der Traum von der verbindenden Gleichheit der Menschen lebt.

Im finanziellen Raum ist die Modern Money Theory der Ausdruck dieses Anything-goes-und-kostet-nichts-Denken. Was die vielen Träumer von der neuen sozialistischen Einheit leicht übersehen, ist, dass wir diesem „paradiesischen“ Zustand schon sehr nahe gekommen sind, denn durch die sich immer deutlicher abzeichnende Zerstörung unseres Finanzsystems wird die Grenze zwischen Arm und Reich in Kürze tatsächlich vollkommen eingerissen werden.

Die Habenichtse werden auch nach dem Untergang des Fiat-Money-Systems nichts haben und die, die sich mit Fleiß und Engagement zuvor etwas aufgebaut haben, werden sehen, dass ihnen dieses „Vermögen“ wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt, wenn erst einmal die Spätfolgen der Geldschwemme aus dem Nichts sichtbar werden.

Wenn alle wieder mit leeren Händen dastehen und nichts haben, ist die große Gleichheit endlich da. Es wird allerdings ähnlich wie in den Jahren 1945 bis 1948 eine sehr armselige Gleichheit sein, die vor allem vom Mangel gekennzeichnet sein wird. Tendiert die deutsche Gesellschaft nach der Zerstörung des Euros nach links, könnte uns analog zur DDR erneut eine Mangelgesellschaft blühen, die sich auch durch einen Mangel an Freiheit anszeichnet.

Eine neue Stunde Null wird kommen

Vergessen wird von den meisten sozialistischen Wohltätern viel zu leicht, dass Wohltaten Überschüsse voraussetzen. Diese müssen zunächst mühsam erwirtschaftet werden. Per Verwaltungsverordnung erzeugt werden können sie nicht. Verwalten lässt sich – wenn überhaupt – nur der Mangel.

Den Himmel auf Erden werden weder die sozialistischen Träumer noch die kapitalismuskritischen Eliten, die ihren Hals nicht voll genug bekommen, verwirklichen können. Sie sind beide die schädliche Seite einer Medaille die sich Freiheit nennt. Es ist die Freiheit, die zum Guten wie zum Bösen führen kann. Etwa dann, wenn sie das eigene Ich und dessen Interessen rücksichtslos über die Interessen der anderen stellt.

Weil, wer nicht für uns ist, bekanntermaßen gegen uns ist, müssen am Ende auf der einen wie auf der anderen Seite Köpfe rollen. Dass eine solche Gesellschaft gerade für die jüngeren Generationen alles andere als attraktiv ist, bedarf keiner Erklärung. Solange der Kapitalismus so unattraktiv daherkommt, wird sich der Sozialismus immer besser anfühlen, auch wenn er es faktisch nicht ist.

Gemeinsinn, Empathie und Altruismus sollten deshalb im Wirtschaftsleben wieder Allgemeingut werden, denn ansonsten droht auch uns geschichtsvergessenen Deutschen schon bald wieder ein neues sozialistisches Experiment der Marke DDR2.0, angeblich wesentlich besser als das Original aber am Ende mit den gleichen psychischen und wirtschaftlichen Schäden und Spätfolgen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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