Nach uns die Sintflut

Kelche sind dazu da, bis zum bitteren Ende ausgetrunken zu werden. Insbesondere wenn sie so angenehm und verführerisch daherkommen wie das billige Geld der Notenbanken. Obwohl die schädlichen Folgen dieser Geldpolitik immer deutlicher zutage treten, gibt es doch kein Zurück mehr. Es scheint, als müsse der Wagen nicht nur gegen die Wand fahren, sondern dies auch mit der maximalen Geschwindigkeit.

Derzeit steigen die Kurse von Aktien und Anleihen wieder einmal im Gleichklang, obwohl sich die Gewinnwarnungen der Unternehmen häufen und immer deutlicher vor einem überzogenen Optimismus gewarnt wird. Die Konsequenz ist eine Ignoranz und eine Verleugnung der Tatsachen, die ihresgleichen sucht.      

Die Notenbanken geben noch einmal ordentlich Vollgas, nur um sich nicht eingestehen zu müssen, dass ihr Experiment gescheitert ist und US-Präsident Trump fordert beinahe täglich eine Fortsetzung der Rallye an den Aktienmärkten, weil ihm seine Wiederwahl im nächsten Jahr über alles geht.

Die Anleger folgen ihnen und kaufen. Sie vertrauen auf die rettende Kraft der Notenbanken und handeln wie diese und Donald Trump im Grunde nur nach der Prämisse „Nach uns die Sintflut!“

Eine Reise ohne Rückweg

Donald Trump ist nicht allein. Auch in Japan und Europa gibt es viele Stimmen, die den Aufschwung um jeden Preis aufrecht erhalten wollen. Das nährt die Illusion, dass man die dringend notwendigen strukturellen Reformen auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben könnte.

Dass diese Ansicht so realistisch ist wie die Hoffnung, eine Krebserkrankung durch eine Streicheltherapie heilen zu können, versteht sich von selbst. Wir nehmen uns aber die Freiheit, diesen unangenehmen Sachverhalt geflissentlich ignorieren zu können.

In welche Richtung die weitere Reise gehen wird, zeichnet sich auch bereits am Horizont ab, wenn intensiv über stark negative Zinsen, ein Verbot des Bargeldes oder des Goldes und den Segen der Modern Monetary Theory nachgedacht wird.

Kurzfristig dürften die Auswirkungen am Aktienmarkt positiv sein. Die Anleger nehmen das Ganze sportlich und pflegen das olympische Motto „Dabei sein ist alles“. So wird über die unangemessene Vergütung des Risikos ebenso großzügig hinweggesehen wie über die Tatsache, dass Aktienrückkäufe nicht aus dem Gewinn, sondern mit jenen Krediten finanziert werden, die bei den Anlegern derzeit besonders hoch im Kurs sind.

Folgt nach der Party der deflationäre Kater?

Ein wenig erinnert die heutige Situation an die späten 1990er Jahre, als ein schon überhitzter Aktienmarkt durch zusätzliche Geldspritzen der Notenbanken zu einem letzten Hoch getragen wurde.

Was folgte, ist hinlänglich bekannt. Das neue Jahrhundert begann mit einer Deflation. Die Aktienmärkte korrigierten und die Edelmetalle Gold und Silber erwachten aus ihrer jahrelangen Lethargie.

Wiederholung ausgeschlossen? Keineswegs! Vieles deutet derzeit auf eine Neuführung der damaligen Ereignisse hin.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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