Strafen Gold und Silber die Anleger bald wieder für ihre begrenzte Vorstellungskraft?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 12. August 2019

Die Frage, wie hoch oder wie niedrig die Inflationsraten in Zukunft ausfallen werden, ist für jeden Anleger eine ausgesprochen bedeutsame. Frühzeitig wichtige und vor allem verlässliche Informationen über die zukünftige Entwicklung zu erhalten, ist deshalb von entscheidender Bedeutung.

Der Blick auf die aktuellen Inflationsstatistiken hilft dabei ungemein. Er ist aber mit dem klaren Nachteil behaftet, dass die dabei gewonnenen Informationen in die Vergangenheit zurückweisen. Doch was hilft es uns als Anleger, wenn wir wissen, dass die Inflationsrate im vergangenen Monat auf x-Prozent gesunken oder gestiegen ist?       

Wir erkennen dabei eine Tendenz, die sich fortsetzen, aber auch in Kürze ändern kann. Eine klare Indikation erhalten wir auf diese Art und Weise leider nicht. Die bekommen wir tendenziell eher, wenn wir uns die Preise von inflationssensiblen Gütern und Anlageklassen ansehen.

Zu diesen gehören die Edelmetalle Gold und Silber, aber auch die Minenaktien und wichtige Rohstoffe wie beispielsweise das Öl oder das Kupfer. Im Gegensatz zu den Statistiken, die nur in die Vergangenheit zurückschauen, liefern sie auch auch einen Ausblick auf die zukünftigen Inflationserwartungen der Anleger.

Kontraindikator Kunstauktionen bei Sotheby‘s und Christie‘s

Ein guter Indikator sind auch die Aktien der britischen Auktionshäuser Sotheby‘s und Cristie‘s. Die beiden Auktionshäuser verdienen gut, wenn viel heißes Geld auf der Suche nach Rendite in den Kunstmarkt strömt. Vergleicht man den Aktienkurs von Sotheby‘s mit dem Goldpreis fällt auf, dass die Aktie gerade dann Hochs ausbildet, wenn der Preis des gelben Metalls einen Boden erreicht.

Oder anders ausgedrückt. Haben das spekulative Fieber und die Zahl der Auktionen ihren Höhepunkt überschritten, ist anschließend wieder das grundsolide, klassische Investment Gold gefragt und nicht weitere Modethemen oder besonders begehrte Künstler.

Eine ähnliche Beobachtung lässt sich auch für die Aktien der Luxusgüterhersteller machen. Auch sie erreichen ihre zyklischen Hochs in Zeiten, in denen die Menschen gerne zeigen, was sie haben. Diese Orientierung am Konsum und an gesellschaftlichen Statussymbolen endet zumeist in der Krise. In denen kommen die Aktien von LVMH oder Kering in schöner Regelmäßigkeit deutlich schneller wieder zurück als sie in der Phase des Booms zuvor gestiegen sind.

Die hohen Preise, die momentan (noch) für LVMH, Kering und andere Anbieter von Luxusgütern aufgerufen werden, sind damit alles andere als beruhigend. In ihnen Vorboten einer Zeitenwende zu sehen, ist vermutlich angemessener.

Wehe, wenn alles wieder anders kommt als alle es erwarten …

Noch rechtfertigen die Notenbanken ihre ultralockere Geldpolitik mit dem Hinweis auf die nur sehr zögerlich steigenden Konsumentenpreise. Eine Mischung aus steigenden oder sogar stark steigenden Verbraucherpreisen und zunehmenden konjunkturellen Risiken bietet damit die Grundlage für einen nahezu perfekten Sturm.

Er könnte die Preise für Gold und Silber quasi über Nacht explodieren lassen, während gleichzeitig die Preise für bislang gehypte Kunst und Luxusprodukte von Schwindsucht erfasst werden.

Dass wir eine derartige Entwicklung sehen könnten, kann sich die Masse der Anleger derzeit noch nicht vorstellen. Damit liegt das Überraschungsmoment wieder einmal auf der Seite des Goldes und der Goldminen und Anzeichen mehren sich, dass der jahrelange Dornröschenschlaf der Edelmetalle gerade seinem Ende entgegengeht.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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