Wenn Investmentfonds sterben

Bernd Heim
By Bernd Heim / 13. August 2019

Fonds werden von vielen Anlegern gegenüber dem Kauf von bevorzugt, weil sie breit diversifiziert sind und als besonders liquide gelten. Dass auch Fonds eines überraschenden Todes sterben können, ist vielen Investoren durchaus bekannt. Doch handelt es sich bei diesen Vorgängen meist um die Zusammenlegung von Fonds, die für sich allein zu klein sind, um für den Initiator profitabel zu sein.

Ihr Geld bekommen die Anleger in diesen Fällen problemlos wieder und auch die Rücknahme der alten Fondsanteile stellt zumeist kein Problem dar, wenn der Anleger nicht in den neuen Fonds übernommen werden will. Dass Fonds geschlossen werden müssen, weil es Liquiditätsengpässe gibt, ist eine Gefahr, die vielen Investoren derzeit überhaupt nicht bewusst ist.

Dass diese Gefahr absolut real ist, belegt Mark Carney, der Chef der Bank of England. Er ist der Ansicht, dass einige Fonds im Grunde nur auf Lügen aufgebaut sind. Eine Überarbeitung der Rücknahmebedingungen sei des unerlässlich, so Englands oberster Währungshüter.

Jeder Anleger sollte deshalb seine Anlagen immer wieder auch auf die Frage hin überprüfen, wie liquide diese Finanzinstrumente sind. Wer diese lästige Aufgabe meint unterlassen zu können, könnte schon bald sein blaues Wunder erleben.

Wenn Schönwetterfonds in der Krise unverkäuflich werden

Auch hier ist die Niedrigzinspolitik der Notenbanken eine der Ursachen, die im Hintergrund für die Krisen der Fonds mitverantwortlich ist, denn auf der Jagd nach Rendite gehen die Fondsmanager mittlerweile immer größere Risiken ein. Leicht können hier Liquiditätsprobleme entstehen, denn wenn zu viele Fonds in den nur schwach gehandelten Nebenwerten investiert sind, ist die Ausgangstür mitunter für alle viel zu schmal.

So lange nur einzelne Anleger Positionen überschaubarer Größen verkaufen, können diese vom Markt normalerweise ohne große Probleme absorbiert werden. Möchte aber ein Fonds eine größere Position verkaufen, kann sich der Prozess leicht über Wochen hinziehen. Soll oder muss alles schnell gehen, weil die Börsen beispielsweise in einen Bärenmarkt übergegangen sind und viele Anleger ihre Fondsanteile verkaufen, können die Kurse jedoch leicht ins Bodenlose stürzen.

So verloren im Juni beispielsweise die Fonds des Anbieters H2O dramatisch an Wert, weil die Anleger in nur drei Tagen über drei Milliarden US-Dollar an Kapital abzogen. Im Hintergrund stand die Befürchtung vieler Investoren, der Fonds könne illiquide und zahlungsunfähig werden.

Weil praktisch alle Anleger gleichzeitig zur Tür stürmten und niemand der Letzte sein wollte, ergab sich eine selbsterfüllende Prophezeiung. Das Fondsmanagement hatte praktisch gar keine Chance, die erworbenen Wertpapiere zu einem guten Kurs wieder zu verkaufen. Die Folge waren schmerzhafte Verluste zum Nachteil der Anleger.

Der Herdentrieb der Anleger kann in der Krise jeden Fonds ruinieren

In einer Krise kann praktisch jeder Fonds in Schwierigkeiten kommen, denn in nahezu allen Krisen dünnt das Kaufinteresse massiv aus. Bei illiquiden Anlagen wie den Aktien von Nebenwerten oder Hochzinsanleihen trocknet der Markt so schnell aus, das nicht einmal die Anleger, die am schnellsten reagieren, noch einen Vorteil haben.

Für die Fondsanleger führt daher kein Weg an einer intensiven Beschäftigung mit den Risiken der eigenen Anlage vorbei. Insbesondere gilt es zu prüfen, ob die Anlageidee des Fonds plausibel ist und wie hoch der Anteil der illiquiden Anlagen ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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