Wie lange halten die Notenbanken die Fäden noch in der Hand?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 16. August 2019

Wir haben uns gewöhnt an die niedrigen Zinsen und an das viele Geld aus dem Nichts der Notenbanken. Auch die Beteuerungen aus Politik, Medien und Finanzkreisen, dass die Weisheit der Notenbanken auch die nächste Krise souverän meistern wird, haben wir inzwischen so oft gehört, dass wir ihr fast unwillkürlich auch dann Glauben schenken, wenn wir eigentlich an ihr zweifeln.

Besonders verstörend an der aktuellen Situation ist nicht unbedingt, dass die internationale Geldpolitik auch weiterhin ultralocker ist. Viel erschreckender ist, dass die in der Vergangenheit unternommenen Versuche, die Folgen der Finanzkrise zu überwinden, bislang wenig erfolgreich waren.    

Diese Erkenntnis wird auch in Finanzkreisen immer kritischer kommentiert. Immer öfter ist deshalb die Einschätzung zu hören, dass die Zeiten zu Ende gehen, in denen die Notenbanken noch über eine nennenswerte geldpolitische Feuerkraft verfügten.

Die Geißel der negativen Zinsen

Wenn überhaupt, ist man noch am ehesten bereit, diese der US-Notenbank zu unterstellen, denn sie ist zwischen 2016 und 2018 auf dem Weg zur zinspolitischen Normalisierung zumindest ein Stück weit vorangekommen. Gleiches kann man von der Europäischen Zentralbank, der Peoples Bank of China und der Bank of Japan nicht behaupten.

Besonders verstörend ist, dass auch über ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise weltweit rund ein Viertel aller Staats- und Unternehmensanleihen eine negative Rendite aufweisen. Betrachtet man allein die deutschen Staatsanleihen so liegt der Anteil der Anleihen mit negativer Verzinsung bei schwindelerregenden 85 Prozent.

Was den deutschen Finanzminister freut, ist für Banken, Versicherungen und Pensionskassen ein Albtraum, denn diese wissen nicht mehr, wie sie Geld verdienen und die in der Vergangenheit gemachten Versprechungen erfüllen sollen. Dass dies über kurz oder lang gravierende Folgen für die Altersvorsorge haben wird, liegt auf der Hand.

Eine Finanzwelt nur für die Schuldner

Es profitieren momentan nur die Schuldner und diese haben die vergangenen Jahre nicht genutzt, um ihre Schuldenlast zu reduzieren, sondern die meisten haben ihren Schuldenberg noch kräftig erhöht. Die Kreditsummen steigen und die Qualität der Schulden nimmt immer weiter ab, sowohl auf staatlicher wie auch auf privater und unternehmerischer Ebene.

Was die Anleger weiterhin sorglos schlafen lässt, ist allein die Hoffnung, dass die Notenbanken ihnen in einer zukünftigen Krise Schutz gewähren werden. Nur wie soll dieser Schutz aussehen, wenn man die an der Nulllinie klebenden Zinsen auf normalem Weg nicht mehr weiter reduzieren kann.

Wer das Bargeld verbietet und möglicherweise auch das Gold dazu, gibt durch die Blume durch diesen Schritt auch zu verstehen, dass das System, für das er steht, längst auf dem allerletzten Loch pfeift. Es ist vermessen zu glauben, dass die Menschen diese Zusammenhänge nicht erkennen und am Ende auf diese auch reagieren werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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