Nachhaltigkeit und Homogenität des Marktes kann das gutgehen?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 19. August 2019

Sollen Unternehmen, die das Klima schädigen, aus den Portfolios der Anleger entfernt werden? Diese Frage ist sehr um stritten und sie beinhaltet auch eine große Gefahr, denn wenn alle Anleger das Gleiche zur gleichen Zeit tun, sind unangenehme Konsequenzen an der Börse meist nicht weit.

Der Trend ist aber unverkennbar. Nachhaltige Investments zählen zu den am schnellsten wachsenden Segmenten im Finanzbereich. Insbesondere die Schweiz und die dort ansässigen institutionellen Anleger gelten als Pioniere bei den nachhaltigen Anlagen. Eine gewisse Entscheidung haben die Anleger in Masse somit bereits getroffen.      

Es sind hierbei vor allem die großen Versicherungsgesellschaften, die bei der Entwicklung vorangehen. Sie verteilen ihr enormes Anlagevermögen aber nicht nur aus Klimagesichtspunkten auf nachhaltig wirtschaftende Unternehmen. Auch der Aspekt der Risikostreuung spielt hier eine ganz entscheidende Rolle.

Ähnlich sind die Motive von Banken und Fondsgesellschaften gelagert. Im Gegensatz zu früher fordern große Kunden wie Pensionskassen zunehmend die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im Anlageprozess ein. Darauf müssen Banken und Fonds zwangsläufig reagieren.

Wenn alle die gleiche Welle reiten

Es entwickelt sich zunehmend ein sich selbst verstärkender Prozess, der schnell dazu führt, dass immer mehr Anleger auf die Entwicklung aufmerksam werden und auf den anrollenden Zug aufspringen. Auch die Nachhaltigkeitsverordnung, an der die Europäische Union derzeit arbeitet, wird den Prozess weiter befeuern.

Die Anleger zu Investments in klimafreundliche Unternehmen zu animieren, ist eine Sache. Ihnen aber, etwa über die neue EU-Richtlinie, konkrete Vorschriften zu machen, ist eine ganz andere Herangehensweise. Diese erhöht die systemischen Risiken erheblich, denn je größer die Homogenität im Anlageverhalten ist, desto anfälliger ist das gesamte System.

Im kleinen Maßstab hat der Markt diese Auswirkungen in den vergangenen Jahren schon erlebt. Etwa dann, wenn die Solartechnologie zunächst durch Subventionen gefördert wird und diese staatlichen Gelder, wenn alle in den Solarwerten investiert sind, plötzlich gestrichen werden.

Zu guten Kursen kommt in diesen Fällen kein Anleger mehr aus seinen Investments heraus und ansehnliche Buchgewinne schmelzen in Tagen dahin wie Eis in der Sonne. Die Herde, die die Kurse zuvor in den Himmel katapultiert hat, wird dann schnell zu einem Mühlstein, der alle mit in die Tiefe reißt.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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