Schiefergas: Wieder einmal haben die Anleger Milliarden in den Sand gesetzt

Schiefergas war an der Wall-Street in den letzten Jahren eines der großen Themen. Viel Geld wurde von den Anlegern in den Sektor gesteckt. Nun ist dieses Geld mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren, denn die Branche ist für die Anleger endgültig zu einem Fiasko geworden.

Eine der größten Erfolgsgeschichten der US-Wirtschaftsgeschichte droht damit zur Katastrophe zu werden. Von der großen Euphorie früherer Tage ist nichts mehr zu spüren. Nun hoffen die betroffenen Anleger, wenigstens einen Teil ihres Geldes doch noch wiederzusehen.

Um einen großen Teil kann es sich dabei nicht handeln, denn rund 80 Prozent des eingesetzten Kapitals sind laut Steve Schlotterbeck verloren. Er muss es wissen, denn er war jahrelang der Vorstand von EQT, einem großen und namhaften Schiefergasförderer aus Pittsburgh.

Was hat die Katastrophe ausgelöst?

Fragt man nach den Ursachen des Fiaskos trifft man auf jene Mischung von Gründen, die bei vielen Boombranchen immer wieder anzutreffen sind. Weil zunächst alle dabei sein wollen und die Anleger die Unternehmen mit Geld zuschütten, pflegen diese einen recht lockeren Umgang mit ihren Finanzen. Man könnte in einzelnen Fällen auch durchaus zurecht von Verschwendung sprechen.

Ein weiteres Moment, das die Krise augenblicklich verschärft, ist der extrem hohe Schuldenstand der Schiefergasförderer. Er ist einem aggressiven Wachstumsdenken ebenso zu verdanken wie der hohen Wettbewerbsdynamik des Sektors.

Dass vor zwanzig Jahren in den USA überhaupt der Weg zur Schiefergasförderung beschritten wurde, war einer wirtschaftlichen Not geschuldet. Die bestehenden Reservoirs waren erschöpft und neue Felder nur mit hohem Kapitalaufwand zu erwerben. Da dieses Geld nicht zur Verfügung stand, kam ein findiger Ingenieur auf die Idee, die vorhandenen Felder durch den Einsatz einer neuen Technologie besser zu nutzen.

Die Idee war einfach und bereits in den 1940er Jahren erprobt worden. Man pumpt eine Mischung aus Wasser und Chemikalien unter großem Druck in die Felder und hofft darauf, dass weiteres Erdgas aus dem Gestein freigesetzt werden und an die Oberfläche gepumpt werden kann.

Damit war die Schiefergasförderung geboren. Unterstützt wurde der Erfolg von einer weiteren technischen Neuerung. Horizontale Bohrungen wurden möglich. Mit ihnen war es möglich, auch in weiter entfernte Lagerstätten vorzudringen und diese zu relativ günstigen Kosten auszubeuten.

Das Leid der Branche ist Amerikas Gewinn

Für die USA hat sich die Schiefergasförderung als ein Segen herausgestellt. Dass plötzlich heimisches Erdgas in großen Mengen verfügbar war, hat die Preise auf einem niedrigen Niveau verharren lassen. Während die Anleger und die finanzierenden Banken Verluste hinnehmen mussten, hat der Rest des Landes massiv profitiert.

Die Umkehrung des kapitalistischen Prinzips, dass die Risikokapitalgeber vom Erfolg am meisten profitieren, könnte für die Zukunft gravierende Folgen haben, etwa dann, wenn die Anleger als verbrannte Kinder das Feuer in Zukunft scheuen und ihr Geld nur noch in solche Anlagen stecken, bei denen eine positive Rendite auch gesichert ist.

Undenkbar ist eine solche Entwicklung nicht, denn in den vergangenen Jahren wurde Milliarden vernichtet und die Aktien der Schiefergasförderer haben Kursverluste von bis zu 80 Prozent hinnehmen müssen. Ein Hauptgrund für das allgemeine Scheitern ist die Kreditfinanzierung der meisten Projekte.

Weil die Kredite bedient werden mussten, sahen sich die Unternehmen auch dann zur Förderung gezwungen, wenn es aus wirtschaftlichen Überlegungen eigentlich nahegelegen hätte, diese ruhen zu lassen. Die Förderung ohne Rücksicht auf Rendite und Marge hat die Kunden mit tiefen Erdgaspreisen und die Anleger an der Wall Street mit hohen Verlusten beglückt.

Hinzu kommt, dass viele Förderkonzessionen mit dem Zwang zur Förderung verbunden waren. Wer sich diese im Rahmen einer aggressiven Wachstumsstrategie leichtfertig gesichert hat, war quasi dazu verdammt, unterzugehen. Hier zeigt sich einmal mehr, dass billiges Geld, leicht verfügbare Kredite und ein grenzenloses Wachstum nicht der Königsweg zu nachhaltigem Erfolg und Wohlstand sind.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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