Nicht nur die Staaten auch die Notenbanken sitzen in der Schuldenfalle

Bernd Heim
By Bernd Heim / 21. August 2019

Das Grundübel der Finanzkrise von 2007 und 2008 bestand darin, dass zu viele Schuldner überschuldet waren. Um diesen Missstand zu bekämpfen, haben die Notenbanken weltweit zum Mittel einer unkonventionellen Geldpolitik gegriffen. Die vielen Schulden wurden mit noch mehr Schulden bekämpft.

Zunächst hatte es durchaus den Anschein, als könnte die unkonventionelle Therapie von Erfolg gekrönt sein. Die Krise wurde überwunden und die Wirtschaft kam wieder auf die Beine. Inzwischen zeigen sich die Nebenwirkungen der verabreichten Medizin aber in einer Deutlichkeit, die nicht mehr zu leugnen ist.     

Die wichtigste Erkenntnis der letzten drei Jahre ist wohl die, dass eine Rückkehr zu normalen Zuständen inzwischen nicht mehr möglich ist. Drei Jahre lang hat die US-Notenbank versucht, den Weg zur Normalität zu beschreiten. In diesem Juli wurde deutlich, dass der Versuch gescheitert ist.

Geschenkte Zeit, die niemand genutzt hat

Die Zinsen wurden wieder gesenkt, obwohl die US-Wirtschaft noch nicht in einer Rezession steckt und eigentlich noch als relativ stark und stabil zu bewerten ist. Dass die Zinsen jetzt schon gesenkt werden, ist nicht nur eine Reaktion auf die schwächer werdende Wirtschaft. Auch der politische Druck ist enorm.

So hat US-Präsident Donald Trump bereits unmittelbar nach der Entscheidung gewittert, was er von der Maßnahme der FED hält. Gar nichts!. Die Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte reicht dem Präsidenten nicht aus und er schiebt der Federal Reserve Bank bereits den Schwarzen Peter zu, sollte die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten in eine Rezession abgleiten.

Das nennt man wohl die neue Dankbarkeit der Politik. Die Notenbanken haben den Regierungen in vergangenen Jahren Zeit zur Reduzierung ihrer hohen Schulden erkauft. Genutzt wurde diese nicht. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise erreichte die globale Verschuldung den Rekordwert von 245 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In den vergangenen zehn Jahren wurde dieser Spitzenwert nur unwesentlich auf 235 Prozent reduziert.

Die Unabhängigkeit steht auf dem Spiel

Gleichzeitig bemerken die Notenbanken, dass die Wirkung ihrer geldpolitischen Maßnahmen immer mehr nachlässt. Um heute noch jene Wirkung zu erzielen, die 2009 mit den neu aufgenommenen Schulden erzielt wurde, müsste deutlich mehr Geld aus dem Nichts in das System eingeführt werden.

Ob dies noch machbar ist, darüber streiten die Experten, während in der Politik immer entschiedenere Maßnahmen gefordert werden. Die nächste Stufe der Lockerung soll als „people‘s QE“ direkt bei der Bevölkerung ankommen und die Freunde der Modern Monetary Theory fordern eine direkte Unterstellung der Notenbanken unter die Finanzministerium, damit all die Staatsausgaben über die Notenpresse finanziert werden können, die zur Steigerung der wirtschaftlichen Aktivität notwendig seien.

Für die Notenbanker steht damit viel auf dem Spiel. Es geht nicht nur um die Wirtschaft und die Stabilität des Finanzsystems. Auch die eigene Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit wird bereits massiv infrage gestellt und es sind nicht nur autoritär agierende Regierungschefs wie Recep Erdogan, die die Unabhängigkeit der Notenbanken am liebsten im Mülleimer der Geschichte beerdigen wollen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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