Trotz sinkender Zinsen ist die nächste Hausse längst noch nicht sicher

Bernd Heim
By Bernd Heim / 27. August 2019

Die Situation hat es nicht unbedingt erfordert, trotzdem ist die US-Notenbank im Juli den Wünschen von US-Präsident Donald Trump und vielen Anlegern gefolgt und hat die Zinsen gesenkt. Vordergrund haben die Investoren damit allen Grund sich zu freuen. Ob diese Freude jedoch eine lang anhaltende sein wird, ist alles andere als sicher.

Mit Zinssenkungen verbinden die Anleger ganz konkrete Erwartungen. Man rechnet mit einer Belebung der Wirtschaft, weil es für die Firmen günstiger wird, ihre Investitionen zu finanzieren. Auf der anderen Seite werden Anleihen unattraktiver. Auch dadurch steigt die Attraktivität eine Aktienanlage.      

Es war insbesondere diesen beiden Elementen zu verdanken, dass sich die internationalen Aktienmärkte in den vergangenen zehn Jahren so prächtig entwickelt haben. Der jüngste Zinsschritt der Federal Reserve Bank könnte somit geeignet sein, das Herz der Anleger wieder höher schlagen zu lassen und eine neue Hausse an den Märkten zu starten.

Doch ganz so einfach wird die Sache nicht werden. Das liegt auch an den Anlegern, denn diese haben zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank einen größeren Zinsschritt erwartet. Anstatt „nur“ einer Senkung von 0,25 Prozentpunkten wurde ein doppelt so starke Zinssenkung erhofft.

Enttäuschte Hoffnungen entzünden keine Euphorie

Ob diese Erwartung angesichts einer mit Vollbeschäftigung glänzenden US-Wirtschaft wirklich angemessen war, lassen wir einmal dahingestellt sein. Wichtig ist jedoch, dass an den Börsen die Zukunft gehandelt wird und die hat sehr viel mit den bestätigten oder enttäuschten Hoffnungen der Anleger zu tun.

Es muss daher mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass die US-Notenbank die Zinsen zwar senkt, aber die Märkte dennoch nicht stark steigen, weil die Anleger, die zuvor viel mehr erwartet hatten, plötzlich an der vermeintlich guten Zukunft zu zweifeln beginnen und sich mit ihren Käufen zurückhalten.

Gespeist werden könnte diese Zurückhaltung nicht nur aus der kleiner als erwarteten Zinssenkung. Auch die geschichtliche Erfahrung könnte der Hoffnung auf eine kräftige Hausse einen empfindlichen Dämpfer versetzen, denn es ist noch längst nicht ausgemacht, dass eine Zinssenkung die Wirtschaft auch wirklich beflügelt.

Das war seit 1950 in neun von 19 Zinssenkungszyklen nicht der Fall. Die Rezession kam, obwohl die US-Notenbank die Zinsen gesenkt hatte. Mit der Rezession kamen jedoch zwangsläufig die Verluste der Anleger und der Traum von einer neuen Hausse war recht schnell wieder ausgeträumt.

Dies könnte auch jetzt wieder der Fall sein, denn auch in den Jahren, in denen eine Rezession abgewendet werden konnte, wirkten die Maßnahmen der Notenbank nicht sofort. Erst nach einer volatilen Phase stellten sich die gewünschten Gewinne am Aktienmarkt ein.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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