Schießt die EZB im Oktober aus allen Rohren?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 28. August 2019

Auf dem Höhepunkt der Eurokrise hat der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi die Marktteilnehmer mehrfach gewarnt, die Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank nicht zu unterschätzen. Wir dürfen nicht nur davon ausgehen, dass seine „what ever it takes“-Drohung auch heute noch gilt. Es darf auch erwartet werden, dass seine designierte Nachfolgerin Christine Lagarde an dieser Politik festhalten wird.

Dass die EZB handeln wird, wenn die Dinge sich verschlimmern und sich eine neue Krise am Horizont abzuzeichnen beginnt, darf also erwartet werden. Ebenso sicher darf angenommen werden, dass man sich im Frankfurter EZB-Tower nicht damit begnügen wird, kleine Brötchen zu backen. Wenn geschossen werden muss, wird Mario Draghis Truppe vermutlich aus allen Rohren feuern.      

Unsicherheit herrscht deshalb eigentlich nur noch über das Wann. An dieser Stelle könnte ein Blick auf den langfristigen Chart des Europäischen Bankensektors helfen. Dieser lässt sich im Grunde nur noch mit dem Wort grottenschlecht treffend umschreiben.

Nur wenige Charts sehen derzeit ähnlich furchterregend aus wie der Eurostoxx Banks Index. Er notiert aktuell wieder auf einer 29-jährigen Unterstützungslinie. Auf diesem Support konnte der Index bereits mehrfach drehen. Allerdings fielen die Wenden im Lauf der Zeit immer schwächer aus. Und genau dieser Effekt könnte schon bald zu einem Problem auch für die EZB werden

Eine Katastrophe mit Ansage

Im Chart hat sich seit 2009 ein riesiges fallendes Dreieck ausgebildet. Wird diese bärische Chartformation gemäß der Regel aufgelöst, sollte der Index nach einem nachhaltigen Bruch der Unterstützung massive Kursverluste verzeichnen. Wobei allen Anlegern klar sein sollte, dass wir in diesem Fall nicht nur über eine handelsübliche Konsolidierung sprechen.

Die zu erwartenden massiven Kursverluste wären vielleicht noch einigermaßen gut zu verkraften, würden die europäischen Banken wir ihre US-amerikanischen Pendants auf oder nahe ihren Hochs notieren. Doch genau dies ist nicht der Fall. Während die US-Geldinstitute vor Kraft strotzen, taumeln die europäischen Banken zielstrebig ihrem Untergang entgegen.

Ganz vorne mit dabei sind die beiden deutschen Großbanken. Sowohl der Kurs der Deutschen Bank als auch jener der Commerzbank notieren auf bzw. nahe ihren Allzeittiefs. Oder anders ausgedrückt: So wenig Vertrauen wie aktuell hatten die Anleger noch nie in Deutschlands führende Banken.

Eine unmittelbare Panik-Stimmung hat sich unter den Anlegern zwar noch nicht breitgemacht. Doch es ist unverkennbar, dass diejenigen, die die Zeichen der Zeit zu lesen verstehen, den Banken seit Monaten den Rücken zukehren und ihre Engagements zurückfahren oder gänzlich auflösen.

Eine hausgemachte Krise bricht sich ihre Bahn

Die anhaltende Ertragsschwäche der Institute ist auch eine Folge der absurden Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Sie entzieht den Banken seit Jahren ebenso erfolgreich wie nachhaltig ihre Geschäftsgrundlage. Gewinne können die Institute im Kreditgeschäft nicht mehr erzielen und allein mit höheren Gebühren für ihre Dienstleistungen, die andere Fintechs inzwischen preiswerter erledigen, werden die Banken ebenfalls nicht über die Runde kommen.

Nachdem die EZB über Jahre hinweg Europas Banken zielstrebig an den Abgrund des Konkurses geführt hat, wird es nun bald zum Schwur kommen. Kurzfristig überleben können die europäischen Banken nur, wenn es kurzfristig ordentlich Geld vom Himmel regnet.

Vermutlich wird genau dies im Herbst geschehen, denn mit der Möglichkeit eines ungeregelten Brexits steht parallel ein weiteres Großereignis auf der politischen Agenda, das durchaus geeignet sein könnte, das Vertrauen der Anleger endgültig zu erschüttern.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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