Die Crux mit den Rezessionen

Bernd Heim
By Bernd Heim / 29. August 2019

Können Sie sich noch an den Januar des Jahres 2008 erinnern? Damals erklärte ein gewisser Ben Bernanke, seines Zeichens Chef der US-Notenbank, dass die Federal Reserve Bank derzeit keine Rezession erwarte. Wenige Monate später wurden die Zinsen im Eiltempo und mit großem Nachdruck gesenkt, um den wirtschaftlichen Weltuntergang zu verhindern.

Ben Bernake ist gewiss kein Dummkopf. Doch er ist wie Robert Lucas ein gutes Beispiel dafür, dass die Prognosen zur wirtschaftlichen Zukunft nicht immer belastbar sind. Robert Lucas, immerhin Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, verstieg sich 2003 sogar zu der Behauptung, das Problem der Rezession sei ein für alle Mal gelöst.

Dass die Prognosen so oft falsch sind, liegt zum Teil auch am System selbst, denn dieses belohnt Prognosen, die eine günstige Entwicklung der Volkswirtschaften vorhersagen. Ein Forscher, der sich selbst nicht von den Fleischtöpfen der öffentlichen Forschungsgelder abschneiden will, tut deshalb gut daran, nicht als Rezessions- und Crashprophet aufzutreten.

Wir wissen heute auch, dass Unternehmen oder die Entscheidungen von einzelnen Behörden und Politikern in eine Rezession führen können, weil sich diese weltweit auswirken und die Weltwirtschaft wie ein großes, globales Netz funktioniert. Wird an einer Stelle gezogen, sind die Auswirkungen auch an einer anderen Stelle zu spüren.

Kann es noch einen Schutz geben?

Donald Trumps Entschluss, den Handelskrieg mit den Chinesen und Amerikas Partnern und Verbündeten zu forcieren, ist eine dieser einsamen Entscheidungen, die leicht zu einem globalen Flächenbrand führen können. Die Zinsentscheidung einer großen Zentralbank kann ähnlich wirken.

Für den Anleger bedeutet dies im Gegenzug, dass den offiziellen Einschätzungen bzw. den Gutachten der Experten im Zweifelsfall nicht zu trauen ist. Dennoch muss man sich schützen, denn in einer Rezession sinken erfahrungsgemäß die Einkommen.

Wenn durch fehlende Aufträge oder Arbeitslosigkeit die eigenen Einkünfte sinken, sollte wenigstens das persönliche Vermögen keinen Schaden nehmen. Doch in der Regel pflegen die internationalen Börsen in einer Rezession, immer recht schnell den Rückwärtsgang einzulegen.

Früher konnte sich ein Anleger durch ein breit diversifiziertes Depot schützen. Brach der Heimatmarkt in Folge einer Rezession ein, blieben zumindest die ausländischen Investments stabil. Diese Hoffnung besteht im Zeitalter der Globalisierung der Märkte und des Finanzwesens nicht mehr.

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Damit sind die heutigen Anleger gefährdeter als es frühere Generationen waren. Das Ausland ist kein sicherer Hort mehr und auch der rechtzeitige Verkauft ist keine echte Alternative, wenn man aufgrund von stark negativen Zinsen einen Vermögensverlust befürchten muss.

Schutz bieten klassischer Weise die Edelmetalle, weil sie keinen Forderungscharakter haben und damit außerhalb des Fiat-Money-Systems stehen. Doch wenn alle panisch Geld benötigen, könnten auch sie im Preis deutlich fallen, wie in der Finanzkrise schön zu sehen war.

Außerdem könnte zur Rettung der Staatsfinanzen ein allgemeines Goldverbot verfügt werden und auch die Immobilienbesitzer könnten sich plötzlich mit einem neuen Lastenausgleich konfrontiert sehen. Damit wird schnell deutlich, dass es die ultimative Lösung für alle Gefahrenlagen nicht gibt. Wir sollten sie als Anleger deshalb auch gar nicht suchen.

Es ist schon viel gewonnen, wenn wir uns so aufstellen, dass wir in der Krise geringere Verluste erleiden als es im Durchschnitt der Bevölkerung der Fall ist. Auch diese Einbußen werden gewiss schmerzen. Aber sie sind leichter zu ertragen als jene Verluste, die entstehen, wenn wir vor lauter Ratlosigkeit nur den Kopf in den Sand stecken, gar nichts mehr tun und am Ende besonders viel verlieren.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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