Investieren in gefährlichen Zeiten

Bernd Heim
By Bernd Heim / 2. September 2019

Die Strategie der Europäischen Zentralbank ist unglaublich gefährlich. Diese warnende Einschätzung wird nicht nur im Norden der Eurozone vertreten. Auch der spanische Ökonom und Fondsmanager Daniel Lacalle ist dieser Meinung und er warnt vor den negativen Folgen.

Als die beiden gefährlichsten Risiken spricht er die aus der Zombifizierung der Wirtschaft und der Bildung von Vermögenspreisblasen entstehenden Gefahren an. Aber auch die Fehlallokation von Kapital wird sich langfristig sehr negativ bemerkbar machen, weil sie die produktiven Bereiche der Volkswirtschaften gegenüber den schwachen und unproduktiven Sektoren belastet.      

Offiziell behauptet die EZB, sie habe ihre Wertpapierkäufe beendet, faktisch hat sie das Wachstum der Geldmenge sogar beschleunigt, kritisiert der spanische Ökonom. Damit unterstützt die Zentralbank all jene Politiker, die die Gunst der Stunde nutzen und sich zu den tiefen Zinsen neu verschulden oder billiger refinanzieren.

Insgesamt sind die Wertpapierkäufe kritisch zu werten, wie ein Blick in den Fernen Osten zeigt. In Japan stagniert die Wirtschaft seit drei Jahrzehnten, obwohl man der Bank of Japan ganz gewiss nicht den Vorwurf machen kann, sie hätte zu wenig Wertpapiere am Markt aufgekauft.

Der Weg zurück wird immer schwerer

Einmal auf die schiefe Bahn geraten, gibt es kaum noch einen Weg zurück. Es werden nicht nur enorme volkswirtschaftliche Ungleichgewichte geschaffen. Sie werden mit der Zeit auch immer größer, weil die Maßnahmen der Notenbanken zu einer stetigen Vermögenspreisinflation führen.

Ein trauriges Beispiel sind die USA, wo selbst nach einer der längsten Wachstumsphasen der Geschichte der Weg zu einer Normalisierung der Geldpolitik inzwischen verlassen wurde. Das er kurzfristig wieder aufgenommen wird, ist derzeit nicht zu erwarten.

Auch auf der Ebene der Privatanleger droht eine Fehlallokation von Kapital, etwa dann, wenn auf der Suche nach Rendite auch in die weniger produktiven Branchen und Unternehmen investiert wird, oder wenn die Anleger glauben, dass überteuerte Immobilien die Lösung ihres Problems seien.

Welche Konsequenzen sollte ein Anleger daraus ziehen?

Als Anleger kann und darf man eine derartige Entwicklung weder ignorieren noch auf die leichte Schulter nehmen. Weil derzeit rund um den Globus immer mehr Indikatoren auf eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik hinweisen, ist Vorsicht angebracht.

Gleichzeitig bleibt die internationale Geldpolitik ausgesprochen expansiv. Das wird die Vermögenspreise stützen und weiter beflügeln. Als Anleger muss man also im Markt sein, will man kein Geld verlieren. Wer an der Seitenlinie verharrt, verliert garantiert Geld und Kaufkraft.

Man darf aber auch nicht mehr blind investieren, in der Hoffnung, dass die Geldschwemme der Notenbanken schon dafür sorgen wird, dass alle Boote gleichmäßig steigen. Diese Zeiten sind vorbei, warnt Daniel Lacalle. Er rät deshalb dazu, zwar im Markt zu sein, aber auf Qualität zu achten und die derzeit stärker gefährdeten zyklischen Werte zu meiden.

Das ausgesprochen gut verlaufene erste Halbjahr 2019 führt der Fondsmanager auf eine falsche Einschätzung der Anleger zurück. Die Nervosität und die Kursverluste, die wir aktuell sehen, sind für ihn deshalb ein Ausdruck des Erwachens der Anleger.

Immer mehr Investoren kommen in der Realität an und verabschieden sich von den unangemessenen Wunschvorstellungen, die sie in den ersten sechs Monaten des Jahres noch gehegt hatten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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