Wenn die Finanzen saniert werden müssen, sind Sparmaßnahmen besser als Steuererhöhungen

Bernd Heim
By Bernd Heim / 4. September 2019

Wenn die Haushalte in Unordnung und die Steuereinnahmen der Staaten niedrig sind, neigen gerade die Politiker vom linken Spektrum überall auf der Welt dazu, an der Steuerschraube zu drehen mit der Absicht, die „Reichen“ zur Kasse zu bitten. Da diese jedoch nur zu gut um den Mechanismus und die Folgen für ihr Vermögen wissen, treffen sie die Steuererhöhung in der Regel nicht unvorbereitet.

Weil Kapital ins Ausland transferiert oder auf andere Art und Weise „unsichtbar“ gemacht wurde, greift die geplante Selbstbedienung der Staaten bei den Reichen nicht oder nur zum Teil. Deshalb muss mangels Alternativen die breite Mittelschicht die Zeche für die vorangegangenen Orgien bezahlen.      

Sie verfügt nicht über die guten Informationen der Oberen Zehntausend und ist entsprechend unvorbereitet. Ihre verständliche Wut wird sich früher oder später gegen die Regierung und die sie tragenden Parteien richten.

Die Alternative zu den Steuererhöhungen wäre eine Reduzierung der Ausgaben des Staates. Sie ist beim Volk ebenso unbeliebt wie die Erhöhung der Abgaben. Dennoch stellt sie unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen Kosten die bessere Alternative dar.

Fakten statt Ideologie und Emotionen

Das hat der aus Italien stammende, renommierte Harvard-Ökonom Alberto Alesina gemeinsam mit seinen Landsleuten Carlo Favero und Francesco Giavazzi in einer Veröffentlichung unlängst eindrucksvoll dargelegt.

Weil die Autoren wissen, dass das Thema Austerität recht unbeliebt ist und deshalb in der Öffentlichkeit zumeist nur sehr ideologisch und polemisch diskutiert wird, stützen sie sich in ihrem Werk nicht auf Ansichten, sondern auf Daten und Fakten. Untersucht haben sie insgesamt rund 200 Austeritätsprogramme. Sie wurden im Zeitraum zwischen den späten 1970er Jahren und dem Jahr 2014 in 16 westlichen Staaten aufgelegt.

Das Ergebnis ihrer Studie stellt für linke Politiker und überzeugte Keynesianer eine ziemlich unangenehme Wahrheit dar, denn für die Wirtschaft und den Staat ist die Senkung der Staatsausgaben im Vergleich zur Alternative der Steuererhöhungen der weitaus bessere Weg.

Er führt insgesamt zu einem geringeren Rückgang von Produktion und Beschäftigung. Gleichzeitig vermögen die verringerten staatlichen Ausgaben die Schuldenquote nachhaltiger zu senken. In vielen Fällen wirkt die Zurückhaltung des Staates sogar expansiv und kurbelt das Wirtschaftswachstum an.

Das Volk ist nicht so dumm wie die Politiker denken

Höhere Steuern hingegen schrecken ab. Sie lassen Zweifel aufkommen, ob der politische Wille zu einer Sanierung der öffentlichen Finanzen wirklich vorhanden ist. In einer ohnehin angespannten Schuldensituation kann dies leicht zu einer zusätzlichen Verschärfung der Lage beitragen.

Viel öffentliches Lob werden die drei Italiener mit ihrem Buch vermutlich nicht einheimsen, dazu sind ihre Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen zu konträr zum aktuellen Mainstream. Dieser geht zudem davon aus, dass Politiker, die in der Not den Rotstift ansetzen und Sparprogramme eisern durchziehen, von den Wählern bei der nächsten Wahl abgestraft werden.

Auch hier ist die empirisch ermittelte Wahrheit eine ganz andere. Auch wenn die Wähler vor den Wahlen oft für dumm verkauft werden: Sie sind es nicht. Die Wähler wissen, dass man nicht ungestraft und vor allem nicht ewig über die eigenen Verhältnisse leben kann. Bei Sparprogrammen, die jedem einsichtig sind, und die zudem sozial und ausgewogen durchgezogen werden, ziehen sie durchaus mit.

Man kann sich nur wünschen, dass möglichst viele Politiker das Buch lesen und seine Ergebnisse beherzigen werden. Das erspart am Ende allen höhere Steuern und eine schwächere Wirtschaftsentwicklung.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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