Deutschland entwickelt sich in die falsche Richtung. Das wird nicht ohne gravierende Konsequenzen bleiben!

Bernd Heim
By Bernd Heim / 5. September 2019

Deutschland ist ein Land, das im internationalen Wettbewerb nur dann dauerhaft bestehen kann, wenn es seine Wettbewerbsvorteile kennt und diese konsequent schützt. Geschieht das nicht, wird das Land zurückfallen und seine führende Position früher oder später an andere Länder verlieren.

Aus diesem Grund ist Deutschland gut beraten, ein Auge auf seine Wachstumsstärke oder -schwäche zu halten und dabei insbesondere die Entwicklung der Lohnstückkosten im Blick zu behalten. Wird dies getan, besteht durchaus Grund zur Sorge, denn seit dem Jahr 2010 sind die Lohnstückkosten in keinem anderen Land der Eurozone so stark gestiegen wie in Deutschland.    

Gleichzeitig entwickelt sich die Produktivität nur durchschnittlich. Gesteigert wurde die Produktivität fast nur in der Industrie. Probleme bereitet hingegen der etwa doppelt so große Dienstleistungssektor. Hier verbesserte sich die Produktivität nicht oder nur unzureichend.

Das ist insofern von Bedeutung als das Land seine bisherigen Wettbewerbsvorteile zu verlieren droht. Unmittelbar problematisch ist die Situation nicht. Die schwache Entwicklung der Produktivität ist eher ein schleichend wirkendes Gift. Sie lähmt das Land und gefährdet seinen künftigen Wohlstand – nicht sofort, dafür aber auf Dauer.

Ein Maß für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes

Bei der Betrachtung der nominalen Lohnstückkosten werden vereinfacht gesagt, die Kosten für die gesamte geleistete Arbeit ins Verhältnis zur gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität eines Landes gesetzt. Dadurch werden die Lohnstückkosten ein Indikator für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.

In den Jahren zwischen 2000 und 2009 sorgten die Hartz-IV-Reformen und die Zurückhaltung der Gewerkschaften bei den Lohnverhandlungen nach einer Studie der DZ Bank für eine stetige Verbesserung der deutschen Lohnstückkosten im Verhältnis zu anderen Ländern der Eurozone.

Daraus resultierten relative Vorteile beispielsweise gegenüber Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden, die beide über ein ähnlich hohes Produktivitätswachstum verfügen wie Deutschland. Im internationalen Vergleich sind mit diesen Zahlen aber keine Spitzenplätze zu besetzen. Die USA steigerten ihre Produktivität beispielsweise im gleichen Zeitraum um 24 Prozent, Südkorea sogar um fast 58 Prozent.

Ohne die Erfolge in den Jahren zwischen 2000 und 2009 würde Deutschland heute in einer europäischen Rangliste, die nur den Zeitraum seit 2010 berücksichtigt und den Anstieg der Arbeitsentgelte misst, den wenig schmeichelhaften Spitzenplatz belegen. Die früheren Kostenvorteil sind damit weitgehend aufgebaut und das Land, das in den vergangenen Jahren von seinen früheren Erfolgen gelebt hat, droht nun im internationalen Vergleich immer weiter zurückzufallen.

Die Wachstumsschwäche der frühen 2000er Jahre und die mit ihr einhergehende Lähmung des Landes könnte damit schneller zurück sein als es den meisten Deutschen lieb sein dürfte.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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