Die Zinsstrukturkurve: Ein Chart zum Gruseln

Bernd Heim
By Bernd Heim / 6. September 2019

Woran erkennt man eine bevorstehende Rezession? Zur Beantwortung dieser Frage werden von den Ökonomen viele Kriterien und Kennzahlen herangezogen. Ein Element, das dabei immer wieder auftaucht, ist die Zinsstrukturkurve. Sie vergleicht die Renditen für die kurz- und langfristigen Anleihen miteinander und bildet sie graphisch ab.

Wird die Zinsstrukturkurve invers, weil die Zinsen bei den kürzer laufenden Bonds höher sind als jene für die langlaufenden Anleihen, pflegen die Anleger rund um den Globus mit schöner Regelmäßigkeit schnell nervös zu werden, denn sie werten dieses Phänomen als Indiz für eine unmittelbar bevorstehende Krise und ein Nachlassen der wirtschaftlichen Aktivität.      

Seit Mitte August sind die internationalen Anleger wieder in Alarmstimmung, denn die Zinsstrukturkurve für britische und US-amerikanische Anleihen ist negativ geworden. Gleichzeitig haben die Renditen für die langlaufende und bei den Anlegern als sicher geltende Staatsanleihen neue Rekordtiefs erreicht.

Die Investoren flüchten in die Sicherheit dieser Anleihen und sie lassen sich diese Flucht durchaus etwas kosten, denn die meisten deutschen Staatsanleihen weisen mittlerweile eine negative Rendite auf. Die Angst der Anleger ist so groß, dass sie dem deutschen Staat sogar noch Geld dafür zahlen, dass dieser sich bei ihnen verschuldet und eine Weile auf ihr Kapital aufpasst.

Die Flucht in Sicherheit läuft

In anderen Ländern etwa der Schweiz oder den USA sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Gleiches gilt für die klassische Fluchtwährung Gold. Auch sie erlebt seit Ende Mai einen Aufschwung, den viele noch zu Beginn dieses Jahres nicht für möglich gehalten hätten.

Inverse Zinskurven sind ungewöhnlich und sie fungieren deshalb zurecht als ein Alarmsignal erster Güte, denn in normalen Zeiten lassen sich die Anleger dafür bezahlen, dass sie einem Schuldner ihr Geld längerfristig zur Verfügung stellen und damit ein höheres Risiko eingehen.

Allgemein werden inverse Zinskurven so gewertet, dass die langfristige wirtschaftliche Entwicklung pessimistischer gesehen wird als die unmittelbare Zukunft. Das ist die klassische Situation am Beginn einer Rezession. Noch ist die wirtschaftliche Lage gut, aber der Horizont hat sich erkennbar verdunkelt und eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage will allseits erwartet.

Darauf sollten auch Sie als Privatanleger reagieren. Machen Sie Ihr Depot sturmfest und hoffen Sie nicht darauf, dass Boris Johnson das Brexit-Chaos und Donald Trump und Xi Jinping die Probleme im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt in den nächsten Monaten schon irgendwie richten werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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