Schweizer Banken in der Klemme: Neue Geschäftsmodelle müssen her

Bernd Heim
By Bernd Heim / 8. September 2019

Im September haben sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) getagt und über ihre zukünftige Zinspolitik entschieden. Während die EZB ihren ohnehin schon negativen Zinssatz weiter abgesenkt hat, verzichtete die SNB auf einen derartigen Schritt. Von 20 auf 25 Prozent erhöht wurden jedoch die Freibeträge der Kreditinstitute.

In der Schweiz bleiben die Einlagenzinsen deshalb auch weiterhin auf dem Niveau von minus 0,75 Prozent. Nachdem die Entscheidung bekannt wurde, reagierten die Banken mit Erleichterung auf den Beschluss. Für sie bleibt damit zunächst alles beim Alten. Ein Grund zum Jubeln ist das jedoch nicht, denn auch in der Schweiz leiden die Geldinstitute unter den negativen Zinsen.      

Die Ankündigung der SNB, den von den Strafzinsen ausgenommenen Freibetrag, der den Geschäftsbanken auf ihren Konten bei der Schweizer Nationalbank eingeräumt wird, vom 20-Fachen auf das 25-Fache der Mindestreserven anzuheben, wurde jedoch allgemein begrüßt.

Das zeigt, wie sehr auch die Banken in der Schweiz unter den negativen Zinsen leiden. Doch auch nach der Anhebung der Freibeträge, die in Zukunft sogar monatlich aktualisiert werden sollen, um der bilanziellen Entwicklung der Kreditinstitute besser Rechnung tragen zu können, bleiben die negativen Zinsen eine große Belastung. Dies gilt insbesondere für die im Kreditgeschäft stark engagierten Institute.

Der Kredit als Geschäftsmodell hat ausgedient

Erste Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Gesamtbelastung der Branche durch die negativen Zinsen nach der Entscheidung der SNB um etwa die Hälfte reduzieren wird. In Zukunft dürfte sie aber immer noch bei einer Milliarde Franken liegen.

Dieser Betrag ist zu hoch, als dass er von den Banken einfach ignoriert werden könnte. Die Strafzinsen müssen nicht nur weiterhin bezahlt werden. Sie müssen, bevor das passieren kann, von den Instituten zunächst einmal verdient werden. Das gelingt mit den klassischen Geschäftsmodellen immer weniger.

Beunruhigend ist in diesem Zusammenhang, dass inzwischen immer deutlicher wird, dass die negativen Zinsen nicht das vorübergehende Phänomen sind, als dass man sie – auch in Bankenkreisen – lange Zeit angesehen hat. Die negativen Zinsen sind gekommen, um zu bleiben. Wenn es daran noch Zweifel gab, so wurden sie in diesem Sommer durch die zwei Zinsschritte der US-Notenbank beseitigt.

Da die Entscheidung der Federal Reserve Bank auch für die Eurozone und die Schweiz von Bedeutung sein wird, sind die Geldinstitute in der alten Welt mehr denn je aufgerufen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, denn zukunftsträchtig sind diese bei dauerhaft negativen Zinsen nicht mehr.

Vom Kredit zur Beratung?

Weil mit dem klassischen Kredit nicht mehr viel Geld zu verdienen ist, könnten viele Institute in Zukunft dazu übergehen, anstatt weiterer Kredite anzubieten, den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf beratungsintensive Dienstleistungen zu verlegen und mit diesen die Einnahmen zu erzielen, die im Kreditwesen nicht mehr zu verdienen sind.

Wie schwierig die Lage ist, zeigt ein Blick auf die Raiffeisen- und Kantonalbanken in der Schweiz. Obwohl sie ihr Kreditvolumen im ersten Halbjahr um zwei Prozent vergrößert haben, ging der Zinsertrag um 0,4 Prozent zurück. Wenn man nun noch bedenkt, dass die Zinseinnahmen für 60 Prozent der gesamten Erträge der Banken stehen, wird schnell deutlich, wie angespannt die Situation bereits ist.

Ob die Maßnahmen Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Nur eines dürfte sich bereits jetzt abzeichnen: Die Banken müssen unbedingt etwas tun. Halten sie an ihrer traditionellen Geschäftspolitik fest, sind sie mangels ausreichender Gewinne langfristig dem Untergang geweiht.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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