Pensionskassen an der Klippe: Welche stürzt als Erste?

Es sind nicht nur die niedrigen Zinsen, die vielen Pensionskassen das Leben in diesen Tagen schwer machen. Die demographische Entwicklung und die durch sie hervorgerufene Überalterung der Gesellschaft wirkt in gleicher Weise und sie tut dies nicht erst seit Kurzem. So wundert es nicht, dass sich viele Pensionskassen immer mehr zu Rentner- und Pensionärskassen entwickeln.

Diese Entwicklung ist durchaus gefährlich, denn das Verhältnis von aktiven Beitragzahlern zu den Rentnern wird zunehmend ungünstiger. Besonders gefährdet sind jene Kassen bei denen das Verhältnis von Aktiven und Rentnern schon heute ungünstig ist. Branchenintern werden diese Kassen schon lange als „Rentnerkassen“ verunglimpft.       

Als überaltert und damit gefährdet gilt ein Pensionsfonds, wenn der Anteil der Rentner auf 70 Prozent und mehr gestiegen ist. Dass die Beiträge der 30 Prozent Aktiven, die monatlichen Ausgaben finanzieren können, ist bei derartigen Verhältnissen längst illusorisch geworden. Umso mehr kommt es in diesen Fällen auf den Kapitalmarkt an.

Dieser hat die Pensionskassen jedoch seit nunmehr mehr als acht Jahren durch die zunächst niedrigen und später negativen Zinsen eines ursprünglich sehr scharfen Schwerts beraubt. Der Zinseszinseffekt funktioniert nicht mehr und wenn mit soliden Anlagen kaum noch Renditen zu erzielen sind, werden die Kapitalanlagegesellschaften zwangsläufig in ein immer größeres Risiko gezwungen.

Wie lange kann das noch weitergehen?

Schon heute fragt man sich zurecht, wie lange die Kassen eine solche Entwicklung noch durchhalten werden. Aber es kommt noch schlimmer: Die Babyboomer, also die geburtenstarken Jahrgänge der frühen Nachkriegszeit, erreichen zunehmend das Rentenalter. Sie fallen als aktive Betragszahler aus und werden vom einen Tag auf den anderen ein Kostenfaktor.

Bei vielen Pensionskassen dürfte sich der Rentneranteil in den nächsten Jahren deshalb noch weiter erhöhen. Hohe Risiken können und dürfen die Kassen nicht eingehen und mit den negativen Zinsen auf sichere Staatsanleihen verschärfen sich die Probleme nur noch.

Zu sanieren sind die an Überalterung leidenden Pensionskassen nicht. Die Zinsen müssten sprunghaft steigen oder es müsste neue Beitragszahler vom Himmel regnen. Beides ist nicht nur kurz-, sondern auch mittel- und langfristig nicht zu erwarten. Schon der laufende Betrieb stellt sich deshalb als eine große Herausforderung dar.

Gerade zu unmöglich wird die Lage jedoch, wenn eine solche Gesellschaft einmal in eine Unterdeckung gerät. Gefährdet sind in diesem Fall nicht nur die Rentner, sondern auch die hinter ihnen stehenden Unternehmen. Sie glauben, sie hätten ihre Pflichten für die betriebliche Altersvorsorge erfüllt, indem sie die fälligen Beiträge an die Pensionskassen überwiesen haben.

Wer zahlt die Zeche?

Dem ist aber nicht so. Auch auf die Unternehmen könnten weitere Belastungen zukommen und wenn diese nicht aufgebracht werden können, weil die Gewinne in einer Rezession beispielsweise nicht mehr so üppig sprudeln, können die betroffenen Pensionskassen leicht zu einem Fall für die Sicherungsfonds werden.

Experten geben heute bereits offen zu, dass bei der Konzeption der Pensionskassen und ihrer Geschäftspolitik Fehler gemacht wurden. Die Möglichkeit einer lang anhaltenden Phase mit niedrigen Zinsen hatte niemand auf dem Radar. So hat sich über die Jahre hinweg ein Ungleichgewicht aufgebaut.

Eine Lösung muss her und sie kann nach Lage der Dinge nur über zwei Wege erfolgen. Entweder werden die Renten- und Pensionsleistungen deutlich gekürzt oder die Aktiven werden einmal mehr zur Kasse gebeten.

Dabei ist es relativ egal, ob sie unmittelbar durch höhere Beiträge oder mittelbar durch höhere Steuern, die die notwendigen Staatszuschüsse refinanzieren sollen, mit von der Partie sind. Es droht im einen wie im anderen Fall teuer zu werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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