So schießt Donald Trump bald auch die US-Firmen ab

Bernd Heim
By Bernd Heim / 13. September 2019

Selten in der Geschichte hat ein US-Präsident auf neue Entwicklungen so emotional reagiert wie wir es von Donald Trump seit seinem Amtsantritt gewohnt sind. Die Börse hat sich mittlerweile an das wilde Hin und Her gewöhnt. Wenn Donald Trump mal wieder in alle Richtungen um sich schießt, wird kollektiv der Verkaufsknopf gedrückt. Normalisiert sich die Lage wieder, werden die eben noch panisch abgestoßenen Aktien zurückgekauft als gäbe es kein morgen mehr.

Dieses nicht enden wollende Risk on-Risk off-Spiel ist zwar nervig und manchmal auch teuer, aber an der Börse lässt es sich noch vergleichsweise leicht umsetzen. Hier ist man schnelle Richtungswechsel gewohnt und es gibt durchaus Profiteure davon, dass Aktien in immer schnellerer Folge in die Depots ein- und wieder ausgebucht werden.       

In einer ganz anderen Situation befinden sich jedoch die Manager in Silicon Valey. Sie leiden ebenfalls unter dem aufkommenden Handelskrieg. Allerdings stellt sich das Leiden hier ganz anders dar, denn es geht nicht nur darum, Wertpapiere in die Depots ein- und auszubuchen, sondern es geht um Lieferketten und Kundenbeziehungen.

Immer öfter trifft man deshalb im Silicon Valey auf die Einschätzung, dass nicht der Handelskrieg an sich das größte Problem ist. Mit ihm könnte die Industrie leben, wenn sich seine Bedingungen nicht andauernd ändern würden. Aber gerade das ist unter Donald Trump der Fall. Was heute noch gilt, zählt morgen schon nicht mehr.

Hektik statt Planungssicherheit

Mit einer solchen Situation kann auf Dauer kein Manager zurechtkommen, denn die Unternehmen benötigen für gute Geschäfte vor allem eines: Planungssicherheit. Wenn diese nicht mehr gegeben ist, kommt sehr schnell Sand ins Getriebe. Die Industrie im Silicon Valley hat deshalb bereits reagiert und hochrangige Vertreter zu Donald Trump ins Weiße Haus geschickt.

Apple Chef Tim Cook konnte den Präsidenten sogar überzeugen und Donald Trump erklärte, seine Zollpolitik überdenken zu wollen. Wenige Tage später folgten dann aber die nächsten Tweets, die den Handelskrieg eskalieren ließen. Ohne die in Reich der Mitte ausgelagerte Produktion bzw. Vorproduktion ist auch die Industrie im Silicon Valley international nicht konkurrenzfähig. Außerdem verteuern die Zölle viele der im Inland verkauften Produkte für den US-Konsumenten.

Schon in normalen Zeiten ist die Entwicklung neuer Produkte und die Festlegung der Wertschöpfungsketten eine schwierige Aufgabe. Sie verlangt eine genaue Planung und die Gefahr, Fehler zu machen, ist groß. Wenn allerdings, wie es sich jetzt abzeichnet, gar nicht mehr die Möglichkeit besteht, langfristig planen zu können, weil sich die Dinge ohnehin jede Woche ändern, können hässliche Bremsspuren in den US-Wirtschaftsdaten nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Donald Trump mag in bester Absicht handeln, doch seine Entscheidungen könnten mit dazu beitragen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung im Technologiesektor in den kommenden Monaten deutlich verlangsamt. Diese Entwicklung werden auch die Börsen nicht ewig ignorieren können.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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