Wird Nickel das nächste Kobalt oder Lithium?

Als den Anlegern bewusst wurde, welche Auswirkungen die neu aufkommende Elektromobilität haben wird, kannten die Preise für Lithium und Kobalt kein Halten mehr. Die Investoren schauten zuerst auf das aktuelle Angebot, dann auf den in Zukunft zu erwartenden Bedarf und erteilten danach umgehend ihre Kaufaufträge, denn das Angebot war für die zu erwartende Nachfrage viel zu gering.

Die Preise für Lithium und Kobalt reagierten schnell und sie kannten lange Zeit nur eine einzige Richtung. Der Preis für eine Tonne Kobalt ist in der Zwischenzeit deutlich zurückgekommen und auch der Hype um das weiße Gold mit Namen Lithium hat inzwischen deutlich nachgelassen.       

Das hindert die Wall Street nicht daran, den Marktteilnehmern immer wieder neue Flöhe ins Ohr zu setzten. Deshalb werden die Anleger jetzt wird darauf hingewiesen, dass Nickel das wichtigste Metall der Zukunft sein werde. Es sei das Schlüsselmetall, auf das es in Zukunft besonders ankommen werde.

Zur Begründung wird erneut auf Batterien und die Elektromobilität verwiesen. Es gibt aber auch andere Gründe, die das Nickel derzeit zu einem heißen Metall machen. Erwartet wird eine steigende Nachfrage nicht nur, weil Nickel überhaupt in den Lithium-Ionen-Batterien enthalten ist. Aus der Forschung ist bekannt, dass die Effizienz der Batterien erhöht werden kann, wenn der Anteil des Nickels im Akku gesteigert wird.

Schlüsselmetall und Exportverbote

Das erklärt aber nur zu einem Teil, warum der Nickelpreis in diesem Jahr bereits um gut 50 Prozent von rund 10.000 auf über 15.000 US-Dollar je Tonne gestiegen. Ein Teil der Kursexplosion geht auf die Lage in Indonesien zurück. Dort droht dem Nickel ein Exportstopp. Weil der Markt diesen bereits vorwegnimmt, steigen die Preise.

Preissteigerungen können vor diesem Hintergrund nicht überraschen. Unterscheiden sollten die Anleger jedoch zwischen legitimen Preissteigerungen und einem Hype, der vor allem deshalb entsteht, weil zu viele Anleger gleichzeitig durch eine viel zu enge Tür drängen. Da die Rohstoffmärkte im Vergleich zu den Aktien- und Anleihemärkten sehr eng sind, können Hypes hier schneller und leichter entstehen. Die Anleger müssen deshalb herausfinden, wie weit die echte Nachfrage reicht und wo der Hype beginnt.

In Teslas Model S werden derzeit pro Fahrzeug rund 65 kg Lithium verbaut. Enthält die Lithium-Ionen-Batterie jedoch schon bald einen höheren Nickelanteil, könnte der Nickelbedarf pro Elektrofahrzeug, nach Schätzungen des weltweit zweitgrößten Nickelproduzenten Nornickel, in Zukunft auf 30 bis 110 Kilogramm steigen.

Die Aussichten für das Nickel sind damit verlockend. Allerdings sollten die Anleger davon ausgehen, dass sich die chemische Zusammensetzung in den Batterien in Abhängigkeit von zukünftigen Forschungsergebnissen noch ändern wird. Das ficht Investoren und Spekulanten momentan aber nicht an. Für sie ist Nickel das neue Supermetall.

Sehr viele Faktoren haben Einfluss auf den Preis

Aus Sicht vieler Spekulanten ist die Lage klar: Der Nickelpreis kann nur steigen, weil in Zukunft mehr Nickel von den Automobil- und Batterieherstellern nachgefragt werden wird. Aber erfahrene Anleger wissen, dass, wenn sich alle so einig sind, es an der Börse meist anders kommt.

Statt zu steigen, könnte der Preis auch rasch wieder sinken. Etwa dann, wenn die Regierung in Indonesien Abstand von ihrem Plan nimmt, den Nickelexport zu beschränken. Eine solche Entwicklung haben derzeit nur die wenigsten Anleger auf dem Schirm. Damit soll jetzt nicht behauptet werden, dass sie auch kommen wird.

Die Anleger sollten aber das Beispiel des Lithiums nicht aus den Augen verlieren. Auch hier waren sich vor wenigen Jahren alle sicher, dass das Metall vor einer goldenen Zukunft steht. Der Preis stieg, die Förderkapazitäten wurden stark erhöht, aber die reale Nachfrage blieb deutlich hinter den optimistischen Prognosen zurück.

Die Konsequenz war eine Achterbahnfahrt der Preise und Kurse. Wer sich heute die Charts von führenden Lithium-Produzenten wie SQM, Albemarle, Ganfeng oder Livent ansieht, stellt schnell fest, dass diese deutlich unter ihren Höchstkursen notieren. Ob diese Beobachtung in zwei oder drei Jahren auch für große Nickelproduzenten wie Nornickel, Vale oder BHP gelten wird, bleibt abzuwarten.

In jedem Fall sollten sich die Anleger daran erinnern, dass der Preis bei keinem Rohstoff die Kosten seiner Produktion über einen langen Zeitraum weit übersteigen kann. Denn die Produktion wird schnell erhöht werden und das wird früher oder später die Preise wieder senken.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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