Libra: Dieser Widerstand war absehbar

Bernd Heim
By Bernd Heim / 18. September 2019

Facebooks neue Kryptowährung Libra wurde anfangs nur interessiert zur Kenntnis genommen. Inzwischen formiert sich aber bereits erster Widerstand und der kommt gerade aus den Reihen von Menschen und Organisationen, die bei der finanziellen Repression an vorderster Front stehen.

Diese Entwicklung kann nicht überraschen, denn Politik und Notenbanken haben ein teuflisches Bündnis geschlossen. Ihr Ziel ist die Verteidigung des Fiat Money-Systems. Neues Geld kommt per Knopfdruck aus dem Nichts in die Welt und hat dennoch Kaufkraft. Diese verschwindet zwar zunehmend durch die Inflation, doch vor der Allgemeinheit wird der Kaufkraftverlust so gut es geht und so lange es geht verschleiert.       

Die Inflationszahlen sind seit Jahren statistisch geschönt und damit die breite Masse nicht zu früh Wind von der Geschichte bekommt, wird in einträchtiger Regelmäßigkeit nur auf die Bereiche mit einer eher schwachen oder moderaten Inflation Bezug genommen, während die galoppierenden Aktien- und Häuserpreise als „zusätzlicher“ Wohlstand verkauft werden.

Das Spiel kann nicht ewig weitergehen und die Zahl der Aufwachenden steigt. Sie suchen nach Wegen, ihre Ersparnisse zu retten. Man versucht diese Fluchtwege zu schließen, indem man Alternativen wie das Gold diskreditiert, negative Zinsen einführt und das Bargeld als Schwarzgeld verteufelt und immer weiter zurückdrängt.

Eine echte Alternative ist eine echte Gefahr

An dieser Stelle kommt Facebooks neue Kryptowährung Libra ins Spiel. Sie soll im Gegensatz zum Bitcoin und den anderen Kryptowährungen ihren Wert nicht einfach nur dadurch erhalten, dass irgendein Computer eine schwere Rechenaufgabe löst, also eine Dienstleistung vollbringt, die im Zweifelsfall keiner braucht.

Libra soll durch einen Warenkorb gedeckt sein, also durch Produkte, die eine echte Wertschöpfung durchlaufen haben. Damit stellt Libra innerhalb der Kryptolandschaft eine Alternative dar, die neben einer neuen Fungibilität auch mit einer bislang ungekannten Werterhaltungsfunktion verknüpft ist.

Früher, als das Geld der Notenbanken noch durch Gold und Silber gedeckt war, hatten auch Mark, Dollar, Yen und Pfund diese Funktion. Sie ist dem Papiergeld in den Jahren nach 1970 aber systematisch entzogen worden. Wäre es anders, müsste heute kein Zwang ausgeübt werden, um die Menschen immer noch an dieses Geld zu binden.

Die Menschen würden es von alleine nachfragen, wenn es noch gut und in ihrem Interesse wäre, also Bezahlvorgänge leichter macht und seinen Wert über die Zeit konserviert. Das ist beim modernen Papiergeld nicht mehr der Fall. Facebooks Libra könnte aber genau in diese Lücke stoßen.

Der Kampf um den Erhalt der Manipulation

Zunächst hat die US-Notenbank Vorbehalte gegenüber Libra angemeldet. In der Zwischenzeit hat sich auch die Europäische Zentralbank äußerst negativ zu diesem Projekt geäußert. Die dabei vorgebrachten Argumente sind bei Licht betrachtet ein einziger Offenbarungseid.

Facebooks neue Währung würde es den Notenbanken nicht mehr erlauben, die Zinssätze und die Wirtschaft zu steuern, ist einer der Hauptgründe, die gegen das Projekt ins Feld geführt werden. Das suggeriert, die Zins- und Geldpolitik der Notenbanken sei erstens über jeden Zweifel erhaben und zweitens auch ein Segen für alle die Geldbesitzer, die ihr mangels Alternative nicht entfliehen können.

Die negative Zinsen sind die Spitzen dieses Systems. Sie sind allerdings nur dann durchsetzbar, wenn es keine Alternativen gibt. Bei negativen Zinssätzen, egal in welcher Höhe, wird Geld nicht mehr verliehen, sondern verschenkt. Verleihen und verschenken sind jedoch zwei grundverschiedene Sachverhalte.

Nicht umsonst werden sie im Deutschen wie auch außerhalb der deutschen Sprache mit zwei verschiedenen Wörtern ausgedrückt. Den uns nahestehenden Personen zu bestimmten, klar definierten Anlässen etwas zu schenken, ist natürlich, aber ein Geschäftsmodell, von dem man 365 Tage im Jahr leben kann, ist es nicht. Aus diesem Grund sind negative Zinsen unnatürlich und sie werden es immer sein, auch wenn man die Menschen das Gegenteil glauben machen will.

Die Schlacht gegen das bessere Geld hat bereits begonnen

Es darf deshalb aus Sicht der Notenbanken und der Politik kein anderes Geld neben dem Geld des Fiat Money Systems geben, denn in einer freien Wahl könnten die Menschen geneigt sein, sich für dieses bessere Geld zu entscheiden. Gespart würde in diesem, bezahlt würde hingegen mit dem schlechteren Papiergeld. Das wäre früher oder später das Ende des Systems.

Aus diesem Grund haben die Profiteure des Fiat Money-Systems derzeit allen Grund, über Facebooks Pläne besorgt zu sein und es kann uns als nachdenkende Menschen nicht verwundern, wenn sie jetzt um ihre Macht fürchten und nach der Maxime „Wehret den Anfängen“ handeln und Libra und andere mögliche Alternativen gar nicht erst an den Start gehen lassen wollen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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