Niedrige Zinsen: Donald Trump bekommt bereits, was er will

Bernd Heim
By Bernd Heim / 19. September 2019

Die Welt weiß mittlerweile sehr gut, dass US-Präsident Donald Trump unzufrieden und ungeduldig zu werden pflegt, wenn er nicht das bekommt, was er will. Die Blitze seines Zorns werden dann über Twitter in alle Welt verteilt und sie treffen je nach Lage, Demokraten, Chinesen, Europäer oder auch die Notenbanker der Federal Reserve Bank.

Von Letzterer fordert Donald Trump massive Zinssenkungen. Bekommen hat er bislang nur eine einzige Zinssenkung, die den Leitzins um 25 Basispunkte abgesenkt hat. Für den Präsidenten war das zu wenig. Doch auch wenn sich die US-Notenbank bislang noch nicht sehr stark bewegt hat, gab es am Anleihenmarkt genau jenen Zinsrutsch, den Donald Trump immer wieder lautstark eingefordert hat.       

Im Dezember 2018 wurde das Zinsniveau letztmalig angehoben. Seitdem hat sich der Zinssatz für 30-jährige Staatsanleihen von 3,46 Prozent auf 1,9 Prozent abgesenkt. Für den Anleihemarkt sind Zinsrückgänge um 150 Basispunkte Welten. Vor allem, wenn der Rutsch wie in diesem Jahr in so kurzer Zeit erfolgt.

Das gilt insbesondere dann, wenn das Zinsniveau wie aktuell ohnehin bereits auf einem sehr niedrigen Niveau liegt. Während der Finanzkrise sank das Zinsniveau um 200 Basispunkte. Auch in den 1970er Jahren wurden die Zinsen um 150 Basispunkte gesenkt. Damals war das Ausgangsniveau mit Zinssätzen um zehn Prozent jedoch um einiges höher als heute.

Crash am Anleihenmarkt

Liegt das Ausgangsniveau bei bescheidenen 3,46 Prozent, ist ein weiterer Rückgang um 150 Basispunkte kaum anders denn als Crash zu bezeichnen. Bei einer Aktie, die innerhalb eines halben Jahres rund 50 Prozent ihres Wertes verliert, würde man ebenfalls von einem handfesten Crash sprechen.

Was wir derzeit erleben, erinnert nicht nur bei den stark steigenden Preisen für Gold, Silber und die anderen Edelmetalle an das Geschehen der Jahre 2008/2009. Auch am Bondmarkt regiert die Panik. Sichere US-Staatsanleihen werden gesucht – und das um jeden Preis.

Die Konsequenz ist jene extreme Absenkung des Zinsniveaus, die Donald Trump zur Belebung der Wirtschaft immer wieder gefordert hat. Nun stellt sich die Frage, ob auch der zweite Teil der Gleichung aufgehen wird. Der US-Präsident erwartet, dass niedrigere Zinsen die amerikanische Wirtschaft beleben werden.

In normalen Zeiten würden sie dies gewiss tun. Doch ist ein derartiger Crash am Anleihenmarkt noch normal? Ist er es nicht, dann muss durchaus mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass das Zinsniveau zwar deutlich sinkt, die Wirtschaft aber dennoch nicht anspringt, weil überall die Angst regiert.

Benötigt werden Hoffnung und Zuversicht

Investoren, die Angst um ihr Geld haben, kaufen Staatsanleihen um jeden Preis, doch sie sind vermutlich nicht bereit, ihr Kapital einem höheren unternehmerischen Risiko auszusetzen und neue und damit prinzipiell gefährliche Investitionen zu finanzieren.

Manager, die die Gewinne ihres Unternehmens wie Eis in der Sonne dahinschmelzen sehen, werden ebenfalls kaum geneigt sein, weitere Schulden aufzunehmen, um mit diesem Geld zusätzliche Produktionsstätten für Waren zu schaffen, von denen man nicht weiß, ob der Kunde sie kaufen wird.

Niedrige Zinsen sind ein Element, das dazu beitragen kann, eine Volkswirtschaft zu beleben. Sie sind aber nicht die einzige Zutat, die vorhanden sein muss. Hoffnung und Zuversicht sollten ebenfalls weder auf der Seite der Unternehmen noch auf der Seite der Kunden fehlen. An dieser Stelle könnte Donald Trump mit seinen Tweets sehr positiv wirken. Er tut es allerdings nicht.

Im Gegenteil: Seine Twitter-Meldungen sind eher geneigt, die ohnehin vorhandenen Ängste weiter zu verstärken. Der US-Präsident befeuert damit nicht nur den Crash am Anleihenmarkt. Auch die Angst vor einer globalen Rezession wird immer präsenter. So präsent, dass sie sehr leicht zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden kann.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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