Einige Jahre eisern sparen und dann ab in die Rente

Die sogenannten Millennials, also die in den Jahren 1981 bis 1996 Geborenen, gelten als eine Generation, die in vielen Fragen, besonders auch in Finanzfragen, ganz anders tickt als die Jahrgänge vor ihnen. In dieser Generation sehr populär ist die sogenannte Fire-Bewegung.

Fire steht dabei nur im übertragenen Sinn für Feuer. Der Kunstname setzt sich aus den englischen Worten „Financial Independence, Retire Early“ zusammen und er beinhaltet all jene Konzepte, die darauf abzielen, durch frühes und geschicktes Sparen in einem ersten Schritt zunächst die finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen.      

Wer dieses Ziel erreicht hat, kann dann in einem zweiten Schritt früher als andere in Rente gehen. Gemeint sind damit aber in der Regel nicht nur einige wenige Berufsjahre, die sich die Anhänger dieser Bewegung ersparen. Das Ziel ist, in der Regel wesentlich früher in Rente zu gehen, beispielsweise mit schon 45.

Dieses Ziel kann nur gelingen, wenn bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt sind. Je mehr Geld vorhanden ist, desto leichter kann die Rente mit 45 verwirklicht werden. Es muss allerdings nicht nur am Ende des Monats noch Geld übrig sein, das man anlegen kann. Auch der Sparwille muss eisern und nachhaltig sein.

Eiserner Sparwille und großes Planungsgeschick

Ein Selbstläufer ist das Projekt jedoch nicht. Es bedarf nicht nur einer extrem guten und sehr langfristig ausgerichteten finanziellen Planung. Diese muss anschließend allen Wechselfällen des Lebens trotzend auch eisern durchgehalten werden.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass es die benötigte Planungssicherheit in vielen Fällen gar nicht gibt bzw. auch gar nicht geben kann. Wer kann beispielsweise schon heute sagen wie hoch oder niedrig die Inflationsraten in zehn oder zwanzig Jahren sein werden?

Man muss an dieser Stelle eine Erwartung haben und diese sollte so fundiert wie nur möglich sein und dennoch sollte man mit der Möglichkeit rechnen, dass es am Ende ganz anders kommen kann. Ohne Flexibilität wird es nicht gehen. Die eigene Planung muss also so sein, dass sie auch Anpassungen an neue Gegebenheiten ermöglicht.

Ohne einen eisernen Sparwillen wird es aber in keinem Fall gehen. Das größte Sparpotential liegt dabei nicht im Anlagesektor, sondern auf dem Feld der Ausgaben. Überflüssige Ausgaben erst gar nicht tätigen, ist wesentlich effektiver und führt viel schneller zum Ziel als die Suche nach renditestarken Anlagen.

Ein Projekt nur für die Reicheren?

Die Fire-Bewegung hat nicht nur Freunde. Kritiker wenden ein, dass es sich bei diesem Konzept um eine Lebensplanung handle, die nur von den Beziehern höherer Einkommen zu verwirklichen sei. Wer gerade eben genug zum Leben hat, der kann weder durch eigene Sparleistungen noch durch den Verzicht auf der Ausgabenseite die hohen Summen auf die Seite legen, die notwendig sind, um die eigene finanzielle Unabhängigkeit frühzeitig zu erreichen.

Auch erfordere das engagierte Sparen in jungen Jahren einen Konsumverzicht. Dieser ist nicht nur stetig, sondern je nach Aggressivität der eigenen Finanzplanung auch so scharf, dass er das soziale Leben stark beeinträchtigen kann. Damit einher geht ein Verzicht auf Lebensqualität und -freude gerade in jungen Jahren.

Eine gute Planung ist unerlässlich. Sie schützt aber nicht vor Änderungen in der Gesetzgebung oder anderen äußeren Ereignissen, die unvorhergesehen auf die besonders jungen Rentner zukommen und ihre Pläne erheblich durcheinanderwirbeln können.

Zu nennen ist hier in erster Linie eine veränderte Besteuerung auf Kapitalvermögen. Sie kann durch viele Rechnungen einen dicken Strich machen. Ebenso verheerend wird ein Crash an den Aktien-, Renten- oder Immobilienmärkten wirken, der gerade dann um die Ecke kommt, wenn die Entnahmephase bereits begonnen hat.

Zugute halten muss man der Fire-Bewegung jedoch, dass sie den Einzelnen wie auch die Gesellschaft als Ganze dazu motiviert, sich mit der persönlichen Finanzsituation im Alter frühzeitig auseinanderzusetzen und die eigenen Finanzen stets gut im Blick und in Ordnung zu halten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: