Erst die Top-Aktien machen Aktien zu einem lukrativen Investment

Bernd Heim
By Bernd Heim / 24. September 2019

Es wird immer wieder betont, dass Aktien eine gute Kapitalanlage sind. Gerade vor dem Hintergrund der niedrigen bzw. negativen Zinsen, die mit Anleihen derzeit zu erzielen sind, wird diese Aussage kaum noch bezweifelt. Dabei wird jedoch leicht übersehen, dass die Annahme, Aktien seien generell eine gute und renditestarke Kapitalanlage sehr pauschal ist.

Mehr noch: Geht man ins Detail wird man schnell feststellen, dass die meisten Aktien den Anleger Verluste bringen. Es sind nur einige wenige Top-Aktien, die wirklich gut laufen. Ihre Performance ist so gut, dass sie die Schwäche der schlechten Aktien mehr als ausgleicht. Unter dem Strich kommt so trotz der vielen Pleiten doch noch eine sehr ansprechende Performance zusammen.      

Damit ist ein weiterer Grund genannt, warum Index basierte Produkte wie ETFs für die meisten Kapitalanleger eine gute Anlageform sind. Sie ermöglichen eine breite Streuung des eigenen Portfolios. Damit steigt die Gewähr dafür, dass ein Anleger nicht nur in Aktien, sondern auch in den Top-Aktien investiert ist.

Viele Anleger gehen jedoch einen anderen Weg. Sie suchen nach den zukünftigen Stars und versuchen, die neue Microsoft oder Amazon zu finden. Das mag in einzelnen Fällen durchaus gelingen. Doch für die Masse der Anleger dürfte es nicht möglich sein, diese kometenhaft steigenden Aktien zu finden. Wenn man sie erkannt hat, ist meist bereits so viel Zeit vergangen, dass das Verglühen dieser Sternschnuppen oft nicht mehr fern ist.

Die Top-Aktien sind nicht nur kurzfristig Top

Anstatt nach kurzfristig gehypten Überfliegern zu suchen, sollten die Anleger lieber auf die Top-Aktien setzen. Sie haben die angenehme Eigenschaft nicht nur für einige Wochen oder Monate Spitze zu sein. Studien haben gezeigt, dass diese Unternehmen über Jahre hinweg eine führende Stellung am Markt und damit auch am Aktienmarkt einnehmen.

Schaut man sich die Listen mit den Namen dieser Firmen an, fallen zwei Punkte auf: Die Masse der Top-Unternehmen stammt aus den USA. Hendrik Bessembinder von der Arizona State University, der dieses Phänomen wissenschaftlich untersucht hat, fand unter den führenden 30-Top-Aktien 23 Unternehmen, die in den USA beheimatet sind.

Ein zweiter Aspekt ist auffällig und wichtig: Die Rendite dieser Unternehmen ist nicht nur gut, sondern außergewöhnlich gut und das über einen langen Zeitraum. Während der marktbreite S&P500 seit 1990 pro Jahr einen Zuwachs von rund acht Prozent erzielte, verzeichnen die Top-Aktien Gewinne von weit über 20 Prozent.

Die Apple-Aktie kommt beispielsweise auf einen jährlichen Wertzuwachs von 21 Prozent. Microsoft bringt es auf immerhin 17 Prozent und Amazon kommt seit 1997 sogar auf einen jährlichen Gewinn von 29 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, warum es so sinnvoll ist, als Anleger in den Top-Aktien investiert zu sein.

Extreme Ungleichgewichte

Wenn die großen Aktienindizes, obwohl sie diese Top-Aktien enthalten, „nur“ auf eine durchschnittliche Rendite von rund acht Prozent kommen, bedeutet dies, dass es auch in diesen Indizes viele Aktien geben muss, die nur auf eine unterdurchschnittliche Rendite kommen. Gelingt es einem Anleger, diese Aktien nicht in seinem Depot zu haben, kann bereits eine deutliche Überrendite gegenüber dem breiten Markt erzielt werden.

Hendrik Bessembinder hat zudem herausgefunden, dass das Risiko für die Anleger in den etablierten Märkten deutlich geringer ist als in den Emerging Markets. Auch innerhalb der Industrieländer gibt es deutliche Unterschiede. Während in der Schweiz 56 Prozent aller notierten Aktien den Anlegern Verluste bescherten, lag dieser Anteil in Deutschland mit 60 Prozent nochmals deutlich höher.

In den Emerging Markets sind sogar 62 Prozent aller Aktien Verlustbringer. Die scheinbar so einfache Gleichung hohes Wachstum der Volkswirtschaft gleich stark steigende Aktienkurse funktioniert deshalb nicht oder nur sehr eingeschränkt, denn wo viel Licht ist, da ist bekanntlich auch viel Schatten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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