Diamantenkauf im Internet: Eine sehr traditionelle Branche wandelt sich

Das Diamantengeschäft ist ein verschwiegenes Business. Es bedarf guter Kontakte und langjähriger Geschäftsbeziehungen, um in diesem Sektor erfolgreich zu sein. Obwohl die Branche als eher traditionell gilt, vollziehen sich auch hier gravierende Veränderungen. Eine davon ist der zunehmende Vertrieb von Diamanten über das Internet.

Einzelne Händler machen bereits bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes online. Der entscheidende Grund dafür sind die Millennials und die sogenannte Generation Z. Die unter 40-jährigen und die unter 23-jährigen stellen inzwischen die Masse der Kunden für Diamanten.      

Das liegt daran, dass sich die Anlässe für den Kauf eines Diamanten über die Jahre kaum geändert haben. Diamanten werden vor allem zur Verlobung und zur Heirat gekauft und verschenkt. Die USA, China und Japan dominieren diesen Markt. Im Jahr 2017 wurden wurde über ein Viertel des weltweiten Diamantenhandels in diesen drei Ländern abgewickelt und 71 Prozent des Umsatzes entfiel auf Hochzeitsprodukte.

Da vor allem in jungen Jahren geheiratet oder das erste Mal geheiratet wird, gewinnen die jüngeren Generationen für die Branche zunehmend an Bedeutung. Die Millennials und die Generation Z sind mit dem Internet groß geworden. Sie haben keine Berührungsängste mit dem Medium und für sie ist es vollkommen normal, auch Diamanten online zu kaufen.

Die Jugend kauft im Internet

Der südafrikanische Diamantenhersteller De Beers, der heute zum Rohstoffkonzern Anglo American gehört, schätzt, dass in Zukunft noch viel mehr Steine online über die Ladentheke gehen werden. Wie stark sich das Kaufverhalten der Kunden gewandelt hat, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre.

Vor 11 Jahren im Jahr 2008 verkaufte die Luxusgüterbranche, nur ein Prozent ihres Umsatzes über das Internet. Zehn Jahre später im Jahr 2018 betrug der Anteil der Online-Verkäufe bereits zehn Prozent. Es wird geschätzt, dass sich dieser Anteil bis 2025 auf 25 Prozent erhöhen wird.

Wer in diesem Umfeld überleben will, der muss sich an der Jugend und ihren Kaufgewohnheiten orientieren. Mit dem Smartphone ist das Internet heute praktisch immer zugegen. Was die Kaufgewohnheiten jüngerer Menschen von denen älterer Jahrgänge unterscheidet, ist das Bedürfnis, einen Kaufwunsch möglichst sofort umsetzen zu können.

Das gilt auch für den Kauf von Diamanten, und weil meist kein Laden direkt um die Ecke ist, wird gerne und auch immer öfter über das Internet der passende Ohrring oder Trauring ausgesucht. So wundert es nicht, dass junge Startups bereits 70 Prozent ihres Umsatzes online erzielen und auf den stationären Handel aus Kostengründen weitgehend verzichten.

Immer mehr Steine werden im Labor gezüchtet

Der dritte Trend, der im Diamantenhandel momentan zu beobachten ist, ist die stark steigende Nachfrage nach künstlichen Diamanten. Dieser neue Trend hat sich im vergangenen Jahr deutlich verstärkt, weil De Beers unter dem Namen Lightbox Jewelry mit einem neuen Konzept in das Segment eingestiegen ist.

Die künstlichen Steine sind im Vergleich zu den natürlichen Diamanten wesentlich preiswerter. Jedes Karat (zwei Gramm) kostet nur etwa 800 US-Dollar, während für einen natürlichen Diamanten je nach Qualität mehrere tausend US-Dollar oder Euro pro Karat auf den Tisch zu legen sind.

Ein weiterer Vorteil der Steine aus dem Labor ist ethischer Natur. Ihre Herkunft lässt sich zweifelsfrei bestimmen. Kunden, die einen Stein aus dem Labor kaufen, können nicht für sich in Anspruch nehmen, dass der Diamant, den sie am Ohr oder am Finger tragen selten ist. Dafür haben sie die Gewissheit, dass an ihm kein Blut klebt. Das ist bei natürlichen Diamanten trotz der einschlägigen Zertifikate, mit denen die Steine in der Zwischenzeit versehen werden, keineswegs gesichert.

Weil es der Branche an vielen Stellen immer noch an Transparenz und Compliance mangelt, haben viele Diamantenhändler in Antwerpen mittlerweile Schwierigkeiten, bei einer Bank ein Bankkonto zu eröffnen bzw. dieses zu behalten und weiterhin zu nutzen. In den vergangenen Jahren wurden die Banken von den Ermittlungsbehörden immer öfter wegen Beihilfe zur Geldwäsche und zur Steuerhinterziehung in Haftung genommen.

Daraus ziehen viele Institute zu ihrem eigenen Schutz nun eine drastische Konsequenz: Sie trennen sich ohne Einzelfallprüfung von ihren Kunden, wenn bekannt ist, dass diese im Diamantengeschäft tätig sind.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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