Donald Trump blamiert: Verkehrte Welt im Handelsstreit

Chinas Wirtschaft wächst und gedeiht, während die US-Konjunktur zur Schwäche neigt. Eigentlich hatte sich US-Präsident Donald Trump das ganz anders vorgestellt, als er gegen das Reich der Mitte in den Handelskrieg zog. China sollte leiden und die USA zu alter Stärke zurückfinden.

Nun ist es allerdings ganz anders gekommen und das kann bei näherem Hinsehen nicht überraschen. Die letzte Veröffentlichung des US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel unter die wichtige Schwelle von 50 Punkten zurück. Werte unter dieser Marke deuten auf eine Schrumpfung der Wirtschaft hin.

Nur zwei Tage zuvor hatte China seine Werte veröffentlicht und in der Volksrepublik war der Einkaufsmanagerindex wieder über die Schwelle von 50 Punkten angestiegen, wodurch allgemein eine expansive Wirtschaft angekündigt wird. Verkehrte Welt?

Mehr noch: Für Donald Trump ist diese Entwicklung eine schallende Ohrfeige. Hatte er doch nicht nur die Erwartung ausgesprochen, dass China unter dem Handelskrieg leiden werde, die USA aber nicht, sondern dieses seinen Bürgern sogar versprochen. Nun kommt es jedoch ganz anders.

Keine überraschende Entwicklung

Die demokratischen Wähler werden vermutlich nicht viel auf diese Versprechungen gegeben haben. Für die republikanischen Wähler, besonders jene in den wichtigen Swing-Staaten, dürfte die Entwicklung aber ein kräftiger Schlag in die Magengrube sein. Sie haben nun Grund, um ihre Arbeitsplätze zu fürchten, während die Wirtschaft in China weiterhin läuft wie geschmiert.

Viele Ökonomen und Analysten haben bereits frühzeitig darauf hingewiesen, dass die Kosten für die erhöhten Zölle vom amerikanischen Verbraucher zu bezahlen sind. Für ihn werden die Produkte aus China teurer. Da amerikanische Alternativen nicht zur Verfügung stehen, kann die US-Wirtschaft an dieser Stelle nicht profitieren.

In China selbst sind die Auswirkungen weniger deutlich zu spüren. Hier federt die inzwischen erfolgte Abwertung des Yuan einen großen Teil der Folgen ab. In Yuan gerechnet haben sich die Einnahmen aus den Exporten in die USA nicht verändert und unter dem Strich wird kaum weniger verdient als zuvor.

An dieser Stelle rächt sich, dass der US-Konsum zwar die wichtigste Säule der US-Wirtschaft ist, die dazu benötigten Produkte aber zu einem großen Teil aus dem Ausland stammen. Die Auswirkung der Zölle ist an dieser Stelle nur, dass die gekauften Produkte teurer werden, was auch diesen Sektor langfristig schwächen und unter Druck bringen wird, auch wenn davon derzeit noch nicht allzu viel zu spüren ist.

Ein klassisches Eigentor

Die Waren und Dienstleistungen, die noch in den USA hergestellt werden, entfallen zu einem großen Anteil auf langlebige Wirtschafts- und Investitionsgüter. In diesem Sektor entfaltet der Handelskrieg bzw. die Furcht vor einer Verschärfung desselben jedoch eine lähmende Wirkung.

Wer nicht weiß, ob der Welthandel auch morgen noch rund laufen wird, der wird vieles tun. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Käufe von Investitionsgütern zur Schaffung neuer Produktionsstätten nicht unter diesen Aktivitäten gehören. Aufträge werden storniert oder gar nicht erst erteilt und das beginnt auch die US-Industrie inzwischen zu spüren.

Unlängst hat Donald Trump die US-Notenbank als den größten Feind der US-Wirtschaft ausgemacht. Aber vielleicht sitzt dieser auch im Weißen Haus und twittert sich gerade seine eigene Realität zusammen?

Fakt ist auf jeden Fall, dass China bislang unter dem Handelsstreit nicht sehr stark leidet und deshalb auch wenig Druck verspürt, sich bewegen zu müssen. Auf der anderen Seite des Pazifiks ist die Lage weniger komfortabel.

Hier stehen zudem im nächsten Jahr Wahlen an und für die könnte der alte Bill Clinton Slogan „It‘s the economy, stupid“ – „Es hängt alles an der Wirtschaft, Dummkopf“ wieder an Bedeutung gewinnen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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