Sinkende Gewinne als Gefahr für den Aktienmarkt

Bernd Heim
By Bernd Heim / 30. September 2019

Die Stimmung an den Börsen ist nicht unbedingt euphorisch, aber sie ist immer noch gut. Dies gilt insbesondere, wenn man sich mit den Risiken vertraut macht, denen die Aktienmärkte in diesen Tagen gegenübersehen. Der Handelskrieg mit China schwebt weiterhin wie ein Damoklesschwert über dem Markt und auch der Brexit ist alles andere als geklärt und geregelt.

Zudem ist die Zinskurve in den USA im Sommer invers geworden und die Angst vor einem Ende des Dauerbooms und dem Aufkommen einer Rezession geht um. Dessen ungeachtet notieren die Märkte allerdings immer noch nahe ihren Allzeithochs. Das deutet nicht darauf hin, dass die Anleger gerade von Panikattacken und schlaflosen Nächten geplagt werden.

Die Börse nimmt bekanntlich die Zukunft vorweg. Doch welche Zukunft spiegelt sich gerade in den recht stabilen Kursen wider? Ist es die Erwartung, dass sich der Zollstreit mit China am Ende doch noch in Wohlgefallen auflösen wird? Oder stehen die hohen Kurse für die Erwartung, dass die Notenbanken das Kind schon schaukeln werden, egal, was am Ende auf uns zukommen wird?

Möglicherweise sind die aktuellen Kurse einer Mischung aus beiden Erwartungen zu verdanken. Wenn dem so ist, spazieren die Anleger gerade an einer gefährlichen Klippe entlang. Nicht ahnend oder einfach ignorierend, dass der Boden unter ihren Füßen plötzlich nachgeben und sie in die Tiefe reißen kann.

Sinkende Gewinne zeichnen sich ab

Das Zauberwort heißt an dieser Stelle Gewinnrezession. Damit gemeint ist, dass die Unternehmen weniger verdienen, weil ihre Margen zurückgehen. Sinkende Gewinne kann die Wall Street jedoch nur begrenzt ignorieren, denn die Bewertungen der meisten Unternehmen sind bereits sehr hoch.

Für das dritte Quartal erwarten viele Fachleute für die US-Unternehmen beispielsweise einen Rückgang der Gewinne um fast vier Prozent. Schon in den ersten beiden Quartalen konnten die Unternehmen bei den Gewinnen nicht mehr so überzeugen wie es in früheren Jahren der Fall war. Die durchschnittlichen Gewinne stagnierten.

Bereits darin liegt eine Gefahr, denn gleichbleibende Gewinne deuten gleichbleibende Aktienkurse hin, weil steigende Aktienkurse eigentlich auch steigende Gewinne voraussetzen. Steigen die Kurse, ohne dass die Gewinne ebenfalls steigen, begeben sich die Investoren nicht nur aufs Eis, sondern auf dünnes Eis.

Ein Blick zurück in die Jahres 2014 bis 2016 zeigt, was uns bevorstehen könnte. Damals verlor der S&P500 zeitweise rund 17 Prozent seines Werts und zu Beginn der Krise notierten die Aktien auf etwa gleich hohen Bewertungsniveaus wie sie es heute tun. Die Ausgangslage ist also annähernd die gleiche.

Die Fallhöhe ist hoch

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass in einer durchschnittlichen konjunkturellen Schwächephase die Unternehmensgewinne um 15 bis 25 Prozent zurückgehen, dann wird schnell deutlich, dass auch die Wall Street auf derartige Veränderung reagieren muss und es liegt auf der Hand, dass dies nur in Form von fallenden Kursen geschehen kann.

Der Anleihenmarkt hat bereits ein klares Signal gesendet. Dort rechnet man mit einer Rezession. Sollte die Stimmung in den kommenden Monaten auch am Aktienmarkt kippen, ist mit recht starken Bewegungen zu rechnen, denn die Fallhöhe ist vergleichsweise hoch.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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