Investoren sollten bei China nicht nur an den Handelskrieg denken

Die Sorgen um eine Verschärfung des Handelskrieges zwischen China und den USA haben die Bedeutung, die dem Reich der Mitte schon heute zukommt, ein wenig in den Hintergrund treten lassen. Aus Furcht, der chinesische Export in die Vereinigten Staaten könne aufgrund der verschärften Zollpolitik dramatisch einbrechen, trennten sich in den vergangenen Monaten viele Investoren von chinesischen Aktien.

Auch wenn die Sorge nicht unberechtigt ist, darf dabei nicht vergessen werden, dass die chinesische Wirtschaft längst nicht mehr so stark am Export hängt wie die deutsche. Es ist der Regierung in Beijing in den vergangenen Jahren gelungen, den Fokus der Entwicklung stärker auf das Inland und die Entwicklung des heimischen Konsums zu legen.       

Experten rechnen damit, dass das chinesische Bruttoinlandsprodukt schon vor dem Jahr 2030 größer sein wird als jenes der USA. In vielen Bereichen hat das Reich der Mitte aber schon heute zu den Vereinigten Staaten aufgeschlossen oder diese sogar bereits überholt.

In diesem Jahr werden die chinesischen Einzelhandelsverkäufe die in den USA zum ersten Mal übertreffen. Damit sind für ausländische Produktanbieter die chinesischen Kunden eigentlich schon heute interessanter als die amerikanischen. Ob diese Erkenntnis in allen Marketingabteilungen bereits angekommen ist, darf aber bezweifelt werden.

Auch die Kapitalmärkte antizipieren langsam die Veränderungen

China bietet damit Investmentperspektiven, die mindestens ebenso interessant und vielversprechend sind wie Investitionen in den USA. Entgegen kommt den Anlegern aus dem Ausland dabei, dass die chinesische Regierung den eigenen Kapitalmarkt immer weiter öffnet. Das geschieht zwar langsam, aber kontinuierlich.

Chinas größerer Einfluss spiegelt sich in der Zwischenzeit auch in den internationalen Indizes wider. Die Zahl der chinesische A-Aktien im MSCI-Emerging-Market-Index hat sich beispielsweise in diesem Mai auf insgesamt 234 erhöht. Ihre Gewichtung beträgt aktuell zwar nur fünf Prozent, doch sie wird in den kommenden Jahren schrittweise erhöht werden.

Am Ende sollen die chinesischen A-Aktien eine Gewichtung von knapp 14 Prozent innerhalb des MSCI-EM-Indexes haben. Diese fortlaufende Veränderung in der Indexzusammensetzung wird dazu führen, dass in den nächsten Jahren bis zu 370 Milliarden US-Dollar an die Börsen in Shenzhen und Shanghai drängen werden.

Auch der chinesische Anleihenmarkt dürfte für die ausländischen Investoren immer attraktiver werden. Den Anlegern kommt dabei entgegen, dass China kein normales Schwellen- und Entwicklungsland ist. In diesen wird die Entwicklung des Landes meist über Schulden finanziert, die in US-Dollar aufgenommen wurden.

China ist zwar ebenso verschuldet wie andere Länder, dies aber nicht primär im Ausland, sondern bei der eigenen Bevölkerung. Damit sind Währungsabwertungen wie wir sie in diesem Jahr erlebt haben, bei weitem nicht so problematisch und gefährlich wie in anderen aufstrebenden Schwellenländern.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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