Für den Bergbau liegt die Latte in Grönland sehr hoch

Donald Trump möchte Grönland am liebsten für die USA kaufen. Sie selbst werden sich als Investor für die Insel bisher vermutlich kaum interessiert haben. Das könnte ein Fehler sein, denn gerade im Rohstoffsektor dürften sich in Grönland in Zukunft interessante Chancen auftun.

Das Interesse Donald Trumps und der USA für die eisige Insel leitet sich nicht nur aus geostrategischen Gesichtspunkten ab. Es sind auch die in Grönland vermuteten und bereits nachgewiesenen Rohstoffe, die Begehrlichkeiten wecken. Auf der Insel werden große Lagerstätten für Uran, Eisenerz, Blei, Zink, Erdöl und Seltene Erden vermutet.      

Bislang ist Grönlands gewaltiges Rohstoffpotenzial nicht mehr als ein uneingelöstes Versprechen. Aber seine Einlösung ist durch den Klimawandel heute näher denn je. Ein Selbstläufer ist die wirtschaftliche Ausbeutung der Insel damit aber noch lange nicht.

Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist das Klima. Dieses ist trotz zunehmender Erderwärmung immer noch ausgesprochen unwirtlich. Es zwingt den Menschen einen Lebensstil auf, der auf den ersten Blick gar nicht zu den Bedürfnissen des modernen Bergbaus passen will.

Die Infrastruktur genügt den Anforderungen des Bergbaus nicht

Die wenigen Siedlungen liegen alle an der Küste. Ein Straßennetz, das sie verbindet, sucht man vergebens. Bislang realisieren Boote und kleinere Schiffe den Personen- und Warenverkehr zwischen den einzelnen Ortschaften. Auch das Flugzeug ist noch keine brauchbare Alternative, denn es existieren nur zwei Flughäfen, auf denen moderne Jets landen können.

Weil sie auf alte Militärflughäfen zurückgehen, liegen sie recht isoliert und weisen keine gute Verbindungen zu den bestehenden Siedlungen auf. Diese Schwierigkeiten erklären, warum es auf der Insel derzeit nur zwei Minen gibt. Die Infrastruktur hat nicht jenen Standard der nötig ist, um einen reibungslose Förderung der Erze durchzuführen.

Sie müsste erst aufwendig geschaffen werden, was viel Zeit in Anspruch nimmt und die Förderung erheblich verteuern würde. Große Schwierigkeiten wird der Abtransport der geförderten Erze bereiten. Er ist aufgrund der extremen klimatischen Verhältnisse nur in einem engen Zeitfenster möglich und selbst dieses erfordert Schiffe, die mit schwierigen nautischen Verhältnissen und Eisgang auch im Sommer zurechtkommen können.

Auch die benötigten Arbeitskräfte werden die Unternehmen auf der Insel vermutlich nicht finden können. Auf der ganzen Insel leben nur 57.000 Einwohner. Rund ein Drittel von ihnen lebt in Nuuk, der Hauptstadt der Insel. Viele der benötigten Arbeiter müssten deshalb aus dem Ausland kommen, was weiteres Konfliktpotential beinhaltet.

Historisch bedingte kulturelle Abneigung gegen den Bergbau

Zu diesen technischen, organisatorischen und infrastrukturellen Problemen gesellt sich ein kulturelles Problem. Der Bergbau hat auf Grönland kein gutes Image. Er erinnert die Einwohner an die dänische Kolonialzeit. Im Jahr 1799 wurde im Südwesten Grönlands Kryolith, ein Material, das zur Aluminiumherstellung benötigt wird, gefunden. Die Dänen bauten es von 1865 bis 1987 ab.

Aus diesem Grund steht der Bergbau für viele Grönländer heute stellvertretend für Fremdherrschaft, Ausbeutung und die Zerstörung des traditionellen Lebensweise der Eskimos als Fischer und Jäger. Da die Minen von ausländischen Firmen und Managern eingerichtet und betrieben werden, dürften die mit der Förderung von Rohstoffen verbundenen negativen Gefühle sehr schnell wieder hochkommen.

Der traditionelle Lebensstil behagt aber nicht mehr allen Einwohnern und so werden auf der Insel Stimmen laut, die fordern, man möge die vorhandenen Rohstoffe dazu nutzen, um Anschluss an den modernen Lebensstil anderer Länder zu gewinnen.

Das Potential für Konflikte ist damit gegeben. Gelöst sind sie noch lange nicht und es ist allen Beteiligten klar, dass die Förderung von Rohstoffen in Grönland, politisch, kulturell und wirtschaftlich eine Gratwanderung darstellt. Sie erfordert gerade von den Bergbauunternehmen aus dem Ausland sehr viel ökonomische Weitsicht und Fingerspitzengefühl.

Fehlt auch nur eines der notwendigen Mosaiksteinchen, wird keine weitere Mine in Betrieb gehen, sei es, weil der politische Widerstand zu stark oder der finanzielle Aufwand viel zu hoch ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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