Cannabis-Aktien im Tal der Tränen

Bernd Heim
By Bernd Heim / 7. Oktober 2019

Was hoch steigt, läuft Gefahr, tief zu fallen. An der Börse trifft diese Erfahrung auf nahezu alle Highflyer und alle gehypten Branchen zu. Der Cannabis-Sektor bildet an dieser Stelle keine Ausnahme. In der Branche haben die Kurse der Aktien kollektiv den Rückzug angetreten.

Vorbei sind die euphorisch gefeierten exorbitanten Gewinne des vergangenen Jahres und viele Anleger fürchten, dass das Tief im Tal der Tränen längst noch nicht erreicht ist. Auch geht die Sorge um, dass nicht nur ein zyklisches Tief ausgebildet werden könnte.       

Gefürchtet wird vielmehr, dass der Branche ein ähnliches Schicksal blühe wie den Telekommunikationsgesellschaften nach der Jahrtausendwende. In den späten 1990er Jahren zählte selbst die schwerfällige Deutsche Telekom zu den gefeierten Aktien des Marktes. Dass es einmal Anleger gab, die stolze 120 Euro für die Aktie auf den Tisch legten und allen Ernstes darauf hofften, dass der Kurs weiter steigen werde, mutet heute reichlich surreal an.

Läuft die Cannabis-Branche heute Gefahr, eine ähnliche Entwicklung zu nehmen? Auf den ersten Blick will es so scheinen, denn von der Zuversicht, die im vergangenen Jahr die Kurse der Aktien in schwindelerregende Höhen getrieben hat, ist heute nicht mehr viel zu spüren.

Neue Produkte contra negatives Momentum

Die Branche leidet derzeit unter einer Fülle schlechter Nachrichten. Sie lassen die Kurse reihenweise einbrechen. Auch die großen Produzenten sind betroffen. Jüngstes Beispiel ist die kanadische Aurora Cannabis, eines der Schwergewichte der Branche. Das in Edmonton beheimatete Unternehmen hatte Mitte September enttäuschende Zahlen vorgelegt.

Auroras Umsatzwachstum ist mit 52 Prozent zwar gewaltig. Anleger und Analysten hatten im Vorfeld aber mehr erwartet. Die enttäuschten Anleger warfen das Handtuch und Analysten wie der US-Finanzdienstleister Stifel Nicolaus reduzierten ihre Kursziele und raten nun ebenfalls zum Verkauf.

Die Weltuntergangsstimmung ist nachvollziehbar, doch wie so oft liegt die Gefahr, nicht nur im Aufschwung, sondern auch im Abschwung zu übertreiben, wieder sehr nahe. Zwar haben viele Aktien seit dem Hoch rund die Hälfte ihres Werts verloren. Doch die Chancen der Branche haben sich nicht in Luft aufgelöst. Sie sind weiterhin gegeben. Es kommen sogar neue hinzu.

Zu nennen sind hier in erster Linie die neuen Produkte, mit denen die Anbieter in Zukunft an die Kunden herantreten können. Bislang dürfen nur Öle, Samen und die Blüten der Cannabis-Pflanze vertreiben werden. Die kanadische Regulierungsbehörde Health Canada plant jedoch am 17. Oktober auch alkoholfreie Getränke und Lebensmittel zu legalisieren, die Cannabis enthalten.

Es wird natürlich seine Zeit brauchen, bis die neuen Produkte entwickelt und reif für den Vertrieb sind. Dennoch: Der Himmel mag zwar nicht mehr voller Geigen hängen, doch eine Weltuntergangsstimmung ist ebenfalls nicht angebracht. Mehr noch: Für weitsichtige Investoren, die eine kluge Vorauswahl treffen, könnten sich die stark gefallenen Kurse langfristig eventuell sogar eine gute Einstiegschance herausstellen. Man muss sie nur zu nutzen wissen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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