Wie steht es um die Verschuldung der chinesischen Haushalte?

Die Volksrepublik China hat Anfang Oktober ihren 70. Geburtstag gefeiert und in der großen Parade auf Tienanmen-Platz wurden viele Errungenschaften auf dem Weg in die Zukunft in Erinnerung gerufen. Der eigenen Bevölkerung wie auch den Gästen aus dem Ausland sollte gezeigt werden, dass das Reich der Mitte mittlerweile in vielen Bereichen weltweit führend ist.

Ein der wichtigsten Führungspositionen wurde dabei aber mit Stillschweigen übergangen: Chinas Schuldenquote, also das Verhältnis der Nettoschulden zum Bruttoinlandsprodukt ist auf schwindelerregende 300 Prozent angestiegen. Damit lässt China die USA und die Staaten der Eurozone weit hinter sich und auch das hoch verschuldete Japan kann den Chinesen bei den Krediten nicht das Wasser reichen.      

Während die öffentliche Schuldenhöhe relativ bekannt ist und Anlass zur Sorge bereitet, ist die Höhe der privaten Verschuldung auch für die Statistiker der Regierung eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Insbesondere die Notenbank hat erkannt, dass diese Wissenslücken geschlossen werden müssen.

Aus diesem Grund wird die Peoples Bank of China ab Oktober eine landesweite Untersuchung der Verschuldung der chinesischer Haushalte durchführen. Das Ziel der Maßnahme ist, mit Hilfe der gewonnenen Daten in Zukunft die Verschuldungsquote der chinesischen Haushalte genau vorhersagen zu können. Dank der verbesserten Datenlage hofft die Zentralbank ihre makroökonomischen Entscheidungen besser formulieren zu können.

Eine Analyse mit Forschungscharakter

Für die Peoples Bank of China ist die Untersuchung, die in Form einer Umfrage in den lokalen Bankfilialen durchgeführt wird, eine Analyse mit Forschungscharakter. Befragt werden sollen die Teilnehmer nach ihren Einnahmen, Ausgaben, Finanzanlagen, Hypothekendarlehen und anderen Schulden.

Der Notenbank geht es darum, genauere Angaben zur aktuellen Höhe der finanziellen Vermögenswerte der chinesischen Haushalte und ihrer Verbindlichkeiten zu erhalten, damit die Zahlungsfähigkeit der Bevölkerung besser eingeschätzt werden kann.

Ein vorrangiges Ziel ist es, die Gesamtverschuldung der Haushalte klarer zu erkennen. Diese Notwendigkeit ist auch dem umfangreichen Schattenbankensystem geschuldet. Es verhindert, dass die Zentralbank die Vermögensstruktur der Haushalte klar erkennen kann und ihre Fähigkeit zum Konsum angemessen einschätzen kann.

In den vergangen Jahren ist die Verschuldungsquote der chinesischen Haushalte weiter angestiegen. Die damit verbundenen Risiken sind der Peoples Bank of China mangels konkreter Daten aber vielfach noch unklar. Ende 2017 waren die chinesischen Haushalte mit mit 40,5 Billionen Yuan, das entspricht 5,20 Billionen Euro, verschuldet.

Die Gefahr der Blackbox ist klar erkannt worden

Gegenüber dem Vorjahr ergab sich ein massiver Anstieg um 21,4 Prozent. Geht man noch weiter zurück, wird deutlich, wie stark sich die Situation in den Haushalten verändert hat: Heute sind die Chinesen im Schnitt 7,1 mal so hoch verschuldet wie noch im Jahr 2008. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Zentralbank hervor.

Ein großer Teil der neuen Schulden geht auf Hypothekardarlehen zurück und zählt damit zu den mittel- und langfristigen Schulden. Sie könnten nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Peoples Bank of China und damit für das ganze Land schnell zu einem Problem werden, sollten die gestiegenen Immobilienpreise eines Tages wieder fallen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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