Die Anleger übersehen beim Gold einen wichtigen Punkt

Kaum treten die Preise für Gold und Silber mal für ein paar Tage oder Wochen den Rückzug an, treten gleich wieder die warnenden Stimmen auf, die uns davor waren, dass die Edelmetalle eine höchst unsichere und gefährliche Anlageform sind.

Recht haben diese Leute. Sie sollten aber nicht andauernd verschweigen, dass auch Aktien, Anleihen und Immobilien schwankende Kurse aufweisen und selbst die längste Hausse immer wieder von Korrekturen und Kursrückgängen durchzogen ist.      

Das gilt selbstverständlich auch für das Gold. Weil die letzten Jahre tendenziell von fallenden Kursen geprägt waren und diese vielen Anlegern noch sehr präsent sind, ist es derzeit leicht, auf die Gefahren bei den Edelmetallen zu verweisen.

Der Beginn der letzte Hausse liegt demgegenüber schon mehr als 19 Jahre zurück und viele, vor allem junge Anleger haben diese Hausse nicht aktiv miterlebt oder längst vergessen. Das kann leicht dazu führen, dass man die Gefahren überschätzt und die Chancen nicht sieht oder aus lauter Übervorsicht nicht zu ergreifen wagt.

Erinnerungen an die Vergangenheit werden wach

In vielen Punkten erinnert die heutige Lage am Goldmarkt und bei den Minen an den Start des letzten großen Aufwärtszyklus. Damals, zu Beginn des neuen Jahrtausends, waren die Minen in einer verzweifelten Situation. Die Preise für Gold und Silber lagen am Boden und die Kosten mussten gesenkt werden.

Das führte dazu, dass viele Unternehmen die Exploration, also die Suche nach neuen Lagerstätten, sträflich vernachlässigten. Im Rohstoffbereich ist dies jedoch einer der größten Fehler, den ein Bergbauunternehmen überhaupt machen kann.

Er ist vergleichbar mit einer Firma, die, um kurzfristig Kosten zu sparen, die Lieferverträge mit ihren Lieferanten stoppt und die Produktion nur noch aus dem vorhandenen Lager bedient. Eine Zeit lang geht das gut, aber nach einiger Zeit stehen die Maschinen plötzlich still, weil der Nachschub an Rohstoffen und Vorprodukten versiegt.

Was das eigene Lager für die produzierenden Unternehmen darstellt, das ist die Lagerstätte für die Gold- und Silberminen. Auch sie ist nicht unendlich, sondern früher oder später kommt der Moment, da sie erschöpft ist. Dann muss eine neue Lagerstätte zur Verfügung stehen, anderenfalls ist nicht nur vor Ort, sondern gleich auf Firmenebene Schicht im Schacht.

Die Exploration wird seit Jahren sträflich vernachlässigt

Ein leeres Lager kann man schnell wieder auffüllen. Eine erschöpfte Lagerstätte zu ersetzen, ist aber ein ganz anderes Kaliber,. Der Grund dafür ist der Faktor Zeit. Selbst wenn der Lieferant zunächst nicht liefern kann, ist der Engpass nach einigen Wochen oder spätestens nach einem Jahr behoben.

Im Rohstoffsektor vergehen aber in der Regel zehn Jahre zwischen der ersten Bohrung auf der Lagerstätte und der Inbetriebnahme der Mine. Deshalb müssen die Unternehmen fortlaufend die Unzen, die sie fördern, durch neue Reserven ersetzen. Von einem Management, das dieser Pflicht nicht nachkommt, kann man viel sagen, aber bestimmt nicht, dass es auf Nachhaltigkeit bei der Unternehmensentwicklung ausgerichtet sei.

Viele in der Branche haben in den vergangenen Jahren bei der Exploration gespart. Das wird sich in Kürze rächen. Dann wird die Masse der Investoren feststellen, dass man die ganzen Elektroautos gar nicht bauen kann, weil das benötigte Kupfer fehlt oder man nur die Hälfte der Goldbarren kaufen kann, die man eigentlich kaufen möchte, weil gar kein Gold zum Fördern mehr da ist.

Das ist in der Regel der Moment, in dem die Preise explodieren werden, weil eine große Nachfrage auf ein viel zu geringes Angebot trifft. Wer als Investor darum weiß, dass dieser Moment aufgrund der Versäumnisse der Vergangenheit zwangsläufig kommen muss, der kann die immer wieder kommenden Korrekturen mit einem Lächeln auf den Lippen aussitzen oder als gute Gelegenheiten zum Nachkauf nutzen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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