An das eigene Alter kann man nicht früh genug denken

Sind die Zinsen hoch, entfaltet der Zinseszinseffekt sehr schnell seine beeindruckende Wirkung. Sparziele können so um einiges schneller erreicht werden als in Jahren mit niedrigeren Zinsen. Sind die Zinsen aber nicht nur gering, sondern negativ, wie wir es gerade erleben, greift der Zinseszinseffekt nicht mehr. Es dauert also wesentlich länger bis ein Sparziel erreicht werden kann.

Wir könnten dieser Situation mit einer größeren Gelassenheit begegnen, wäre die Alterspyramide unserer Gesellschaft immer noch eine Pyramide. Sie hat sich in den vergangenen Jahren aber immer mehr zu einem Wasserturm entwickelt: unten eine schlanke Säule, oben eine bauchige Verdickung.      

Für unsere Sozialsysteme bedeutet diese Schieflage eine gewaltige Belastung. Wie sie gestemmt werden kann, ist auch den Experten längst noch nicht klar. Nur eines ist jetzt schon sicher: Altersarmut wird für jeden, der nicht auch selber vorsorgt, die traurige Realität werden.

Wer im Alter mehr verleben will als einen äußerst bescheidenen Lebensabend, der muss selbst Vorsorge betreiben und er muss vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen früh damit anfangen, denn der Zinseszinseffekt greift nicht mehr. Die Konsequenz ist ebenso hart wie unangenehm: Um die gleichen Sparziele zu erreichten muss härter und länger gespart werden.

Früh sparen oder spät in Rente gehen

An dieser Stelle gilt das Motto „je früher desto besser“. Wer mit dem Sparen für das eigene Alter schon früh beginnt, der hat den Vorteil, dass die monatliche Sparleistung kleiner bemessen sein kann. Man muss allerdings konsequent sein. Konsequent bei den monatlichen Sparleistungen, aber auch das ersparte Vermögen muss konsequent unangetastet bleiben. Es darf auf dem langen Weg bis ins Alter nicht verbraucht und für Konsumausgaben zweckentfremdet werden.

Wer bereits in früher Jugend damit beginnt, Rücklagen zu bilden, hat es leichter. Wer den rechtzeitigen Aufbruch verpasst oder unterwegs am Kapitalmarkt Fehler macht, die einen Teil der Ersparnisse wieder vernichten, muss entweder länger arbeiten oder in späteren Jahren höhere Sparleistungen aufbringen. Wer ganz spät dran ist, dem hilft unter Umständen nur noch eine Kombination aus beiden Wegen.

Auch mit eigener Vorsorge ist es aber unvermeidlich, dass sich die Länge der eigenen Erwerbstätigkeit an die steigende Lebenserwartung anpassen wird. Etwas anderes anzunehmen dürfte sich als unrealistisch darstellen, denn der Trend zu immer geringeren Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

Damit wird der finanzielle Spielraum für viele zukünftige Rentner immer geringer. Aber auch die jüngeren Jahrgänge sehen sich großen Problemen gegenüber. Weil sie immer höhere Leistungen für die aktuellen Rentner aufbringen müssen, wird auch hier der finanzielle Spielraum zunehmend kleiner. Das gilt besonders dann, wenn höhere Sparleistungen für die eigene Altersvorsorge aus tendenziell sinkenden Nettolöhnen finanziert werden müssen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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