Gold: Viel besser als sein Ruf

Gold kann man nicht essen und es bringt keine Zinsen. Kritiker werden nicht müde, diese beiden Argumente gegen das Edelmetall vorzutragen. Haben sie Recht? Ja, das haben sie. Auch wenn viele Menschen Gold im Mund haben, kann man es nicht essen und Zinsen bringt eine Anlage im Gold auch keine.

Dennoch ist die mit der Kritik implizierte Behauptung, das Gold sei eine schlechte Kapitalanlage, mit größter Vorsicht zu genießen, denn das Gold ist als Anlageform wesentlich besser als sein Ruf. Wie gut das führte unlängst ein Vergleich der Performance von Gold und Warren Buffett zutage.      

Dass der amerikanische Investor sehr gut mit Geld umgehen kann und über Jahre hinweg eine sehr gute Performance erzielte, ist allgemein bekannt. Dass es ihm dennoch nicht gelungen sein soll, das träge, unverzinsliche Gold um Längen zu schlagen, überrascht im ersten Moment.

Es ist bekannt, dass auch Warren Buffett dem Gold eher reserviert gegenübersteht. Er bemängelt am gelben Metall, dass es nicht besonders nützlich und produktiv sei. Wer heute eine Unze Gold erwirbt, der hat auch nach 20 oder 30 Jahren immer noch nur eine einzige Unze Gold. Nicht ein Milligramm Gold ist hinzugekommen und ein Kapitalzuwachs kann auf diese Art nicht erreicht werden.

Warren Buffetts Performance seit 1999 war gut, das Gold aber war besser

Das ist bei Aktien anders. Firmen können wachsen und mit dem Unternehmen wächst auch der Wert des Anteils, den ein Investor an diesem hält. Auch wenn die Firmen nicht oder nur mäßig wachsen erwirtschaften sie dennoch einen Gewinn, der über die Dividende mit den investierten Anlegern geteilt wird.

Damit müsste eigentlich klar sein, dass Aktien gegenüber dem Gold die bessere Kapitalanlage darstellen. Das stimmt aber nicht wie der US-Investor Charlie Bilello in einem Tweet unlängst deutlich gemacht hat. Wer im Jahr 1999 vor der Wahl stand, sein Geld entweder ins Gold oder in Aktien von Warren Buffetts Firma Berkshire Hathaway zu investieren, der hätte sich besser für das Gold entschieden.

Während sich der Kurs der Aktien von Warren Buffetts Investmentholding in den letzten 20 Jahren um stolze 387 Prozent verbessert hat, kommt die Unze Gold im gleichen Zeitraum auf eine Performance von 488 Prozent. Der Unterschied ist zu groß als dass ein Investor ihn einfach ignorieren könnte.

Also alle Berkshire Hathaway Aktien umgehend verkaufen, Warren Buffett einen schlechten Investor schimpfen und sein Geld vollständig in Gold tauschen? So einfach ist die Sache leider auch nicht, denn jeder dieser Performancevergleiche krankt daran, dass der Vergleichszeitraum willkürlich bestimmt werden muss.

Alles eine Frage des Zeitraums

Im Jahr 1999 war der Goldpreis niedrig, während die Aktien – nicht nur die vom Neuen Markt – ausgesprochen teuer waren. Lässt man den Vergleichszeitraum hingegen im Jahr 2011 beginnen war es genau anders herum. Das Gold war teuer und die Kurse der Aktien litten immer noch unter den Nachwirkungen der Finanzkrise.

Lassen Sie sich deshalb nicht von den Zahlen irritieren, egal, ob diese gerade für oder gegen das Gold sprechen. Versuchen sie lieber herauszufinden, ob wir uns heute in einer Situation befinden, die eher der von 1999 oder der von 2011 ähnelt. Je nach dem, was bei dieser Analyse herauskommt ist es dann besser ins Gold zu gehen oder doch die Aktien zu bevorzugen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: