Wenn ein Ölfonds das schwarze Gold meidet

Das Öl der Nordsee hat Norwegen reich gemacht. Weil das Land weiß, dass die Felder weit draußen vor der Küste endlich sind, hat man schon vor Jahren einen Staatsfonds eingerichtet. Er wird aus den Gewinnen aus der Erdölproduktion gespeist und soll dem Land auch in Zukunft durch gute Investmententscheidungen finanzielle Spielräume eröffnen.

Mittlerweile ist der norwegische Pensionsfonds über 9.600 Milliarden norwegische Kronen schwer. Das entspricht umgerechnet ungefähr 1.000 Milliarden US-Dollar. Kein anderer Staatsfonds verfügt über ein derart hohes Vermögen. So wundert es nicht, dass auch andere Anleger genau darauf achten, was der norwegische Staatsfonds macht und wie das Management die eigenen Gelder investiert.      

Vor zwei Jahren beschloss das Fondsmanagement, alle seine Investments in fossile Energieträger abzustoßen. Dieser Vorschlag ging den Kontrollgremien zu weit. Der Beschluss wurde in der Zwischenzeit dahingehend abgeschwächt, dass Erdöl- und Gasaktien im Wert von rund sechs Milliarden US-Dollar verkauft werden dürfen. Das ist nicht einmal ein Zehntel der ursprünglich geplanten Größenordnung.

Gemessen am Gesamtwert des verwalteten Vermögens ist dies nur ein äußerst geringer Betrag, der nicht einmal ein Prozent der gesamten Anlagesumme ausmacht. Der Symbolwert dieser Entscheidung ist aber dennoch nicht zu unterschätzen. Deshalb ist die Frage nach den konkreten Motiven, die die Norweger zu diesem Schritt veranlassten, auch für andere Anleger von großem Interesse.

Nachhaltigkeit ist nicht der Grund

Man könnte vor dem Hintergrund der gerade in Deutschland derzeit sehr intensiv geführten Klimadebatte vermuten, dass der Aspekt der Nachhaltigkeit bei dieser Entscheidung eine wesentliche Rolle gespielt hat. Dem ist aber nicht so. Das wird insbesondere dann deutlich, wenn man sich ansieht, wie sich der skandinavische Staat bei anderen Entscheidungen verhält.

Nachhaltigkeit war für den norwegischen Staatsfonds schon immer ein wichtiges Kriterium. Diese wird vor allem bei der Rendite angestrebt und die kann sich durchaus sehen lassen. Trotz sinkender Zinsen erwirtschaftete der Fonds in den letzten 20 Jahren mit den von ihm gehaltenen Anleihen, Aktien und Immobilien eine Rendite von durchschnittlich sechs Prozent.

So manch ein Index wäre froh, wenn er eine derartige Erfolgsbilanz vorweisen könnte. Doch den Norwegern geht es nicht um eine kurzfristige Optimierung der Rendite. Das an den Kapitalmärkten verdiente Geld soll nicht nur einer Generation zugute kommen, sondern viele Generationen unterstützen.

Um dieses Ziel erreichen zu können sind Einseitigkeiten unerwünscht. Auch das ist eine Erfahrung, die viele private und institutionelle Anleger teilen werden. Wann immer Portfolios einseitig aufgestellt sind, drohen in Krisen schmerzhafte Verluste. Wer als Anleger besonders stark in deutsche Automobilwerte investiert war, dürfte dies spätestens mit dem Beginn des Dieselskandals schmerzhaft erfahren haben.

Einseitigkeiten unerwünscht

Die Gelder, die der norwegische Staatsfonds verwaltet, entstammen zu einem großen Teil der Erdöl- und Erdgasförderung und der mit ihr verbundenen Industrie. Wie stark die Wirtschaftsleistung des Landes von den Einnahmen aus der Förderung dieser fossilen Rohstoffe abhängig ist, haben die Jahre 2014 bis 2016 eindrucksvoll vor Augen geführt.

Als die Preise für Öl und Gas in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 kräftig ins Rutschen gerieten, sanken auch die Zuflüsse in den Staatsfonds überproportional. Das Fondsmanagement erkannte schnell, dass es überhaupt keinen Sinn macht, dieses unveränderliche Ausgangslage durch zusätzliche Investments in die Ölindustrie weiter zu befeuern.

Es sind somit primär wirtschaftliche Gründe, welche die Norweger von weiteren Erdöl- und Erdgasinvestments Abstand nehmen lassen. Die Argumente sind nachvollziehbar, denn es macht keinen Sinn, eine ohnehin bestehende Abhängigkeit durch zusätzliche Investments weiter zu verschärfen.

Dass man die getroffen Entscheidung in der Öffentlichkeit dennoch primär mit dem Argument der Nachhaltigkeit begründet, ist nicht mehr als Augenwischerei. Wenn es den Norwegern wirklich in erster Linie um Nachhaltigkeit ginge, hatte das Land auch seine Investitionen in die Öl- und Gasförderung in der Nordsee massiv beschneiden müssen.

Gerade das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Die noch unter dem Boden der Nordsee schlummernden Gewinne will das Land in den kommenden Jahren bzw. Jahrzehnten auf jeden Fall noch heben und für sich nutzen. Nur einseitig soll es dabei nicht zugehen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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