Beim Palladium machen die Russen, was sie wollen

Kommt die Rede auf die Edelmetalle interessieren sich die meisten Anleger primär für das Gold und wir können durchaus sagen, sie interessieren sich nur für das Gold. Die weißen Edelmetalle Silber, Platin und Palladium spielen nur eine untergeordnete Rolle. Das ist verständlich aber nicht unbedingt klug, denn die beste Performance unter den vier bekanntesten Edelmetallen weist für das Jahr 2019 nicht das Gold, sondern das Palladium auf.

Schon seit über einem Jahr eilt der Palladiumpreis von einem Rekord zum nächsten. Wer im August 2018 auf dem Tiefpunkt der letzten größeren Korrektur eine Unze Palladium erwarb, der kaufte das Edelmetall zu Kursen zwischen 850 und 900 US-Dollar je Unze. Aus einer langfristigen Perspektive betrachtet, war das damals schon ein stolzer Preis.      

Heute würde man sagen, dieser Anleger hat günstig gekauft, denn der Preis einer Unze Palladium ist seitdem auf über 1.770 US-Dollar gestiegen. Gegenüber dem Kurs vom August letzten Jahres ergibt sich somit eine glatte Verdoppelung. Bei einer solch üppigen Performance kann man als Anleger auch über die Mehrwertsteuer von 19 Prozent und die Händlerspanne, die beim Kauf des physischen Metalls anfällt, milde hinwegsehen.

Wer Palladium gehebelt über Zertifikate oder Futurekontrakte gekauft hat, sitzt heute auf noch größeren Gewinnen. Das führt unweigerlich zu der Frage, wie nachhaltig so ein steiler Anstieg sein kann. Ist es normal, dass das Palladium derzeit je nach Tageskurs rund 880 US-Dollar je Feinunze mehr kostet als das Platin?

Hohe Nachfrage mit spekulativer Übertreibung

Zwei Gründe lassen sich im Wesentlichen für die außergewöhnliche Rallye des Palladiums anführen. Der erste ist der Dieselskandal. Er hat dazu geführt, dass sich die Autokäufer wieder vermehrt für ein Fahrzeug mit Benzinmotor entschieden haben. Das hat den Bedarf an Palladium weiter erhöht, während die Nachfrage nach Platin, das für die Dieselkatalysatoren verwendet wird, gleichzeitig rückläufig war.

Der zweite Grund ist die recht einseitige Angebotsstruktur auf dem Palladiummarkt. Er wird von den Russen beherrscht und diese wissen mit ihrer dominanten Stellung durchaus gewinnbringend umzugehen. Zu sowjetischen Zeiten galten Informationen über die Höhe der russischen Palladiumproduktion als Staatsgeheimnis.

Ist den russischen Anbietern der Preis des Palladiums zu niedrig, kommt einfach weniger Metall auf den Markt. Das treibt den Preis, und da das Palladium sich nun schon seit acht Jahren in einem Defizit befindet, kommen die extremen Preissteigerungen der jüngeren Vergangenheit keineswegs aus dem Nichts.

Theoretisch könnten andere Anbieter, etwa aus Südafrika die Zurückhaltung der Russen für sich nutzen und liefern, wenn die russischen Produzenten den Markt künstlich verknappen wollen. Allerdings geht das nur theoretisch, denn praktisch wird der Palladiummarkt von Russland kontrolliert.

Die hohe Abhängigkeit von der Automobilindustrie ist auch eine Gefahr

Norlisk Nickel, Russlands größter Palladiumproduzent, kommt beispielsweise beim Palladium alleine auf einen weltweiten Marktanteil von 39 Prozent. Auch beim Nickel ist das Unternehmen weltweit die Nummer 1. Allerdings liegt der Weltmarktanteil hier „nur“ bei 23 Prozent. Das Unternehmen arbeitet mit einer Nettogewinnmarge von 48 Prozent, schüttet seinen Aktionären eine Dividende von elf Prozent aus und ist das derzeit profitabelste Bergbauunternehmen der Welt.

Dass diese Marktmacht auch zur Steuerung der Preise eingesetzt wird, dürfen wir getrost unterstellen. Allerdings hat der hohe Palladiumpreis auch eine Schwachstelle. Er stützt sich weitgehend auf die Nachfrage aus der Automobilindustrie. Hier kommt das Palladium als Katalysatormetall zum Einsatz.

Es ist in dieser Funktion aber sehr gut durch das deutlich preiswertere Platin ersetzbar. Hinzu kommt, dass die Elektroautos den Markt in den kommenden Jahren grundlegend verändern könnten. Ob sich die Situation am Palladiummarkt in einigen Jahren für Norilsk Nickel immer noch so vorteilhaft darstellen wird, wie das aktuell noch der Fall ist, darf deshalb durchaus bezweifelt werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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