Der Traum von den eigenen vier Wänden zerplatzt immer öfter

Für viele von uns ist der Wunsch, ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung zu besitzen, ein Traum, der schon von frühen Kindertagen an geträumt wird. Viele Generationen vor uns haben ihn bereits geträumt und auch nach uns werden Generationen kommen, die sich diesen Traum verwirklichen wollen.

Fehlendes Eigenkapital und eine aufgrund der hohen Zinsen von sieben bis acht Prozent nicht tragbare Kreditbelastung waren in der Vergangenheit die Hauptgründe, die Menschen bei der Verwirklichung ihres Traums scheitern ließen.      

Man sollte meinen, dass dies heute anders ist, denn die Zinsen sind günstig wie noch nie. Kredite gibt es fast umsonst und fehlendes Geld, sollte eigentlich nicht mehr der Grund sein, an dem der Kauf eine Immobilie scheitert.

Die Wirklichkeit jedoch sieht anders aus. Wir finden eine Situation vor, die das komplette Gegenteil dessen ist, was wir vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen eigentlich erwarten sollten: Nicht mehr, sondern immer weniger Menschen sind heute in der Lage, sich eine eigene Immobilie leisten zu können.

Die Erschwinglichkeit von Wohneigentum nimmt ab

Blickt man nicht nur auf die Lage in Deutschland, sondern nähert sich der Frage aus einem internationalen Blickwinkel ist festzustellen, dass erstmals seit dem Jahr 2012 in vielen Metropolen die Preise für Häuser und Wohnungen nicht mehr steigen. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist die nachlassende Nachfrage.

Die Erschwinglichkeit ist für viele potenzielle Häuslebauer und Wohnungskäufer nicht mehr gegeben. In Hongkong tritt diese Entwicklung inzwischen besonders deutlich zutage. Wer in der ehemaligen britischen Kronkolonie eine Wohnung mit einer Größe von 60 Quadratmetern erwerben will, der muss bereit sein, 21 Jahresgehälter für die Verwirklichung dieses Traums auf den Tisch zu legen.

Hongkong ist besonders teuer. Aber Städte wie Paris und London sind mit 15 bzw. 14 Jahresgehältern auch keine billigen Pflaster mehr. Als Konsequenz dieser Entwicklung werden die Immobilienmärkte in den beiden europäischen Hauptstädten immer weniger von den privaten Käufern geprägt. An ihre Stelle treten zunehmend die Investoren und Spekulanten.

Wohnimmobilien sind teurer geworden. Dennoch sind sie in Städten wie Amsterdam und München, wo man jeweils acht durchschnittliche Jahresgehälter aufwenden muss, um Wohneigentum zu erwerben, zumindest für den gut verdienenden Teil der Mittelschicht immer noch bezahlbar.

Das gilt auch für Zürich und Genf, wo sieben Jahresgehälter aufzuwenden sind, ebenso für Frankfurt, Stockholm, Madrid und Mailand. In diesen vier europäischen Metropolen sind im Schnitt sechs Jahresgehälter aufzuwenden, um den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen.

Eine gesellschaftliche Zeitbombe reift heran

Während der gut verdienende obere Teil der Mittelschicht immer noch die Chance hat, auch in den Großstädten und nicht nur weit draußen auf dem Land eine Immobilie zu erwerben, sieht die Lage für die Bezieher mittlerer und niedriger Einkommen innerhalb der Mittelschicht inzwischen weit weniger attraktiv aus.

Aus ihrer Perspektive sind die Preise in den vergangenen Jahren nicht nur stark, sondern viel zu stark gestiegen als dass sich dieser Personenkreis noch den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen kann.

Auch das führt dazu, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, denn die Schere zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen wird von Jahr zu Jahr größer. Das ist nicht nur ein finanzielles Problem, denn es ist hinreichend bekannt, dass homogene Gesellschaften gesellschaftlich stabiler sind.

Die daraus entstehende Enttäuschung kann leicht in einen Neid umschlagen, der, wenn er politisch instrumentalisiert und fehlgeleitet wird, sogar die Gesellschaft als Ganze zerstören kann. Damit soll jetzt nicht einem sozialistischen Einheitsbrei das Wort geredet werden, wohl aber eine Geldpolitik kritisiert werden, die alleine die Reichen reicher macht und damit den finanziellen und wirtschaftlichen Abstand wichtiger Gesellschaftsgruppen zu einander in einer unverantwortlichen Weise vergrößert.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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