Die Finanzwelt bereitet sich auf Ihre Enteignung vor

Die nächste Krise kommt bestimmt und deshalb ist es gut, wenn man sich rechtzeitig auf sie vorbereitet. Diese Weisheit gilt selbstverständlich auch für die Akteure an den Finanzmärkten und so kann es nicht verwundern, dass sich die großen global agierenden Vermögensverwalter und die Notenbanken bereits heute Gedanken machen, wie die nächste Konjunkturkrise im Fall der Fälle bekämpft werden kann.

Das Ergebnis dieser Studien hat der größte Vermögensverwalter BlackRock unlängst veröffentlicht. An der Studie beteiligt waren die beiden BlackRock-Ökonomen Elga Bartsch und Jean Boivin. Unterstützt wurden sie von Stanley Fischer, dem ehemaligen Vizechef der US-Notenbank und Ex-Gouverneur der israelischen Zentralbank und dem ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrandt.      

Der Ausgangspunkt der Analyse war die Frage, wie Regierungen und Notenbanken den nächsten Abschwung bekämpfen können in einer Zeit, in der die Zentralbanken ihr Zinspulver bereits größtenteils verschossen haben und die hohe Staatsverschuldung neue per Kredit finanzierte Konjunkturprogramme deutlich erschwert.

Die Zinsen sind in Europa und Japan bereits heute so niedrig, dass sich weitere Zinssenkungen nur unter großen Schwierigkeiten und mit starken repressiven Maßnahmen, etwa einem Bargeldverbot, durchsetzen lassen. Damit ist der Spielraum für die Notenbanken sehr begrenzt. Auch weitere Anleihenkäufe werden nur bedingt helfen, da sie, wie die Vergangenheit gezeigt hat, primär das langfristige Zinsniveau drücken.

Die Fiskalpolitik muss helfen

Die Autoren der Studie gehen deshalb davon aus, dass die nächste Krise weder von den Notenbanken, noch von den Staaten im Alleingang bewältigt werden kann. Nur gemeinsam können sie Erfolg haben. Im nächsten Abschwung werden die Staaten neue Konjunkturprogramme auflegen müssen, um die Wirtschaft zu stimulieren. Das könnte die Anleger mit Blick auf die hohen Schuldenstände dazu verleiten, höhere Zinsen zu fordern.

Ein höherer Zinssatz würde aber einen Teil der staatlichen Stimulation konterkarieren. Deshalb regt die Studie eine „sanfte“ Form der Kooperation zwischen Notenbank und Staat an. Während der bislang praktizierte Weg über die Zinsen in der Realwirtschaft nur eine indirekte Reaktion erzeugte, soll das Geld nun direkt in die Hände öffentlicher und privater Ausgeber gegeben werden.

In der Studie wird dieser Ansatz als „going direct“ bezeichnet und als entscheidend für das Funktionieren dieser Strategie wird angesehen, dass der Zinspfad umgangen wird. Die Zinsen werden weder gesenkt, noch steigen sie an, weil eine zusätzliche Erhöhung der hohen Staatsschulden nicht erfolgt. Angedacht ist somit eine direkte Finanzierung staatlicher und privater Konsumausgaben über die Notenpresse.

In seiner extremsten Form beschritten wird dieser Weg, wenn die Notenbanken aus dem Nichts heraus neues Geld erzeugen und dieses als sogenanntes Helikoptergeld dem Staat oder auch Unternehmen und privaten Verbrauchern zur Verfügung stellen. Den Autoren ist allerdings klar, dass eine Hyperinflation droht und die Glaubwürdigkeit der beteiligten Institutionen Schaden nehmen wird, sollte, wie es in der Geschichte oft vorgekommen ist, die Notenpresse erneut ohne jegliche Disziplin zur Finanzierung der Staatsausgaben eingesetzt werden.

Helikoptergeld ik hör dir trapsen

Um derartige Exzesse zu unterbinden, regen die Autoren der Studie an, den Staaten wie auch den Notenbanken einen zuvor genau festgelegten Rahmen vorzugeben. Es soll ein System, eine permanente Einrichtung geschaffen werden, innerhalb derer Regierung und Notenbanken die Krise gemeinsam bekämpfen aber auch gemeinsam für die Einhaltung des Inflationsziels verantwortlich sind.

Nur wenn es notwendig ist, weil die Notenbanken alleine überfordert sind, werden die Zentralbanken der Regierung oder auch den Unternehmen und privaten Konsumenten über eine spezielle, Standing Emergency Fiscal Facility (SEFF) genannte Fazilität, neu erzeugtes Zentralbankgeld zur Verfügung stellen. Dieses System würde immer dann zum Einsatz kommen, wenn „ungewöhnliche Umstände“ vorliegen, die Zinsen nicht weiter gesenkt werden können und erwartet wird, dass das Inflationsziel deutlich verfehlt wird.

Über den Umfang und das Volumen des SEFF soll die Notenbank entscheiden und es ist das Ziel, eine gewünschte Inflationshöhe zu erreichen. Da das Inflationsziel selbst auch indexiert ist, müssen Jahre mit einer geringeren Inflation später durch höhere Inflationsraten wieder aufgeholt werden. Oder anders ausgedrückt: Die zuvor geplante Entwertung der Schulden und damit des Geldes muss unter allen Umständen erreicht werden.

Weil der Maastrichter Vertrag in der Eurozone eine direkte Staatsfinanzierung über die Notenpresse untersagt, regt die BlackRock-Studie an, dass die Europäische Zentralbank über ihre längerfristigen Kreditpakete (TLTRO) gezielt zinslose Kredite mit unendlicher Laufzeit an die Banken ausgibt. Von den Banken sollen diese Geld in gleicher Form an die Bürger weitergegeben werden, sodass jeder erwachsene Bürger beispielsweise einen unendlichen „Kredit“ über 1.000 Euro erhält, den er nicht zurückzahlen muss.

Die Schulden und damit auch die Ersparnisse müssen entwertet werden

Weil für dieses „Darlehen“ auch keine Zinsen bezahlt werden müssen, bekommen die Bürger das Geld faktisch geschenkt, was sehr stark an das viel diskutierte Helikoptergeld erinnert.

Freuen können sich die Bürger über dieses neue Geld nur bedingt. Nominal sind sie 1.000 Euro reicher. Da diese 1.000 Euro aber faktisch nichts anderes sind als heiße Luft, werden die bestehenden Guthaben und Schulden bezogen auf die Kaufkraft um diesen Betrag gezielt entwertet.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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