Mythos Dividende: Auf diese Punkte sollten Sie achten

Wenn die Abrechnung mit der gezahlten Dividende ins Haus flattert, schlägt das Herz der meisten Anleger höher. Fällt die Ausschüttung besonders hoch aus, kennt die Freude oftmals keine Grenzen. Das ist verständlich, machen Dividenden doch aus langfristiger Perspektive betrachtet einen großen Anteil an der Gesamtrendite aus.

Das gilt vor allem dann, wenn man die Dividenden als Anleger nicht konsumiert, sondern reinvestiert. In diesem Fall wird der Zinseszinseffekt zu einem mächtigen Instrument in der Hand des Investors. Er fällt umso stärker ins Gewicht, je höher die gezahlte Dividende ist.       

Das sollte allerdings nicht dazu führen, dass wir Anleger uns bei der Auswahl allein an der Höhe der Dividende orientieren. Keine Frage, die Höhe der Dividende ist ein wichtiges Kriterium. Aber es ist ebenso gewiss nicht das einzige Kriterium, das man vor der Auswahl prüfen sollte. Hohe Dividenden sind kein Zufall. Sie fallen nicht einfach vom Himmel, sondern haben Gründe, die es zu erkennen gilt.

Einmalige hohe Sonderzahlungen, die in einem Jubiläumsjahr gezahlt werden oder mit denen die Aktionäre am Verkauf eines Teils der Firma beteiligt werden, sind mit besonderer Vorsicht zu genießen. Sie lassen die Dividendenrendite einmal in den Himmel steigen. Nachhaltig sind sie in der Regel jedoch nicht. Schon im nächsten Jahr, wenn wieder ganz normal gezahlt wird, sieht das Bild deutlich bescheidener aus.

Achten Sie auf das Klumpenrisiko

Einige Anleger versuchen diesem Effekt aus dem Weg zu gehen, indem sie gezielt nach Aktien mit einer steigenden Dividendenrendite suchen. Diese Vorgehensweise ist naheliegend. Sie hat aber wieder einen Haken, denn die Dividendenrendite ist eine Zahl, die in Abhängigkeit vom Kurs bestimmt wird.

Steigt die Dividende, stiegt bei gleichbleibendem Kurs auch die Dividendenrendite. Dieser Fall dürfte die Dividendenjäger besonders freuen, denn wenn die Dividenden reinvestiert werden sollen, kann man die höheren Einnahmen immer noch zu alten Kurs reinvestieren.

Problematischer ist der Fall, wenn die Dividende gleich bleibt, die Dividendenrendite aber dennoch steigt, weil der Kurs fällt. Diese Aktien möchte kein Anleger gerne im Depot haben. Wer als Anleger nach hohen Dividenden Ausschau hält, wird aber auf viele dieser Aktien treffen und es gilt zu prüfen, ob die Kursabschläge berechtigt sind.

Sind sie es nicht, weil der Markt in irgendeiner Weise übertreibt, ist möglicherweise ein Anstieg angebracht. Achten sollte man dann aber darauf, dass nicht nur Unternehmen aus einem Land oder einem bestimmten Sektor eingekauft werden. So vermeidet man, dass das eigene Depot plötzlich ein Klumpenrisiko aufweist.

Die Qualität des Unternehmens muss stimmen

Nicht die Dividende, sondern primär die Qualität des Unternehmens muss stimmen, ansonsten ist die Gefahr groß, dass die Anleger beim Kauf einen strategischen Fehler begehen. An dieser Stelle hilft der Blick auf längere Zeiträume. Dividendenaristokraten können an dieser Stelle punkten. Sie zahlen nicht nur jedes Jahr eine Dividende, sondern konnten diese in den letzten 25 Jahren auch Jahr für Jahr steigern.

Das kann nicht jedes Unternehmen von sich behaupten und da auch eine gute Firma immer wieder mal ein schwächeres Jahr verkraften muss, darf die Ausschüttungsquote nicht so hoch gewählt sein, dass die Dividende in Krisenjahren gefährdet ist. Der Puffer sollte aber auch nicht so groß gewählt werden, dass die Ausschüttungsquote zu klein ausfällt.

Eine gesunde Mischung zwischen einer angemessenen Beteiligung der Aktionäre am Unternehmensgewinn und einer ausreichenden Kapitaldecke für Investitionen und möglicherweise aufkommenden Krisen sollte vom Management deshalb gewählt werden.

Hohe Dividenden bieten in der Krise einen gewissen Schutz vor Kursverlusten. Das Vertrauen auf diesen Schutz darf aber nicht dazu führen, dass die Investoren ihre Hausaufgaben nicht mehr machen. Diese sind hier ebenso zu machen wie bei den Wachstumswerten, die gar keine Dividende ausschütten.

Wer sie vergisst oder aus Nachlässigkeit unterlässt, läuft Gefahr, einen schmerzhaften Reinfall zu erleben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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