Gold oder Bitcoin: Welcher sichere Hafen bietet mehr Sicherheit?

Die Anhänger der Kryptowährungen sprechen immer wieder davon, dass diese eine Alternative zum Papiergeld der Notenbanken und auch zu den Edelmetallen Gold und Silber seien. Es wird argumentiert, dass sich Bitcoin & Co. aufgrund ihrer geringen Korrelation zu anderen Vermögenswerten als alternatives Wertaufbewahrungsmittel etabliert haben. Aber ist dem wirklich so?

Die wilden Kursschwankungen, die der Bitcoin und mit ihm die anderen Coins, immer wieder vollziehen, mahnen an dieser Stelle zur Vorsicht. Das gilt gerade dann, wenn die Anhänger des elektronischen Geldes auf das Gold verweisen und den Bitcoin als eine Alternative zu diesem darstellen.      

Zugegeben auch das Gold vollzieht immer wieder scharfe Preisbewegungen. Aber an die eratischen Bewegungen des Bitcoins kommt das gelbe Metall bei weitem nicht heran. Man braucht dazu nur auf die Bewegungen des letzten Septembers zu schauen. In diesem Monat verlor der Bitcoin innerhalb weniger Tage ein Viertel seines Wertes und fiel unter die Marke von 8.000 US-Dollar zurück.

Ein Anleger wird von einem konservativen Wertaufbewahrungsmittel vieles erwarten, nur nicht, dass es innerhalb weniger Tage einen Wertverlust vom 25 Prozent erleidet. Die Befürworter des Bitcoins mögen an dieser Stelle einwenden, dass der Coin auch nach dem herben Wertverlust immer noch wesentlich mehr wert ist als beispielsweise eine Unze Gold.

Wer Werte aufbewahren will benötigt dauerhafte Stabilität

Das ist grundsätzlich richtig, denn wer im Herbst 2016 etwas mehr 1.000 Euro investierte, der konnte zum damaligen Preisniveau entweder eine Unze Gold oder einen Bitcoin kaufen. Die Unze Gold hat sich in der Zwischenzeit auf rund 1,300 Euro verteuert.

Der Bitcoin kostete zwischenzeitlich fast 20.000 Euro und wird heute immer noch für den zwei- bis dreifachen Wert einer Unze Gold gehandelt. Wer das Rennen kurzfristig gewonnen hat, dürfte damit außer Frage stehen. Allerdings ist die Aufbewahrung von Werten ein ausgesprochen langfristiges Geschäft.

Das Gold ist in diesem gewiss nicht ganz einfachen Business bereits seit mehr als 4.000 Jahren aktiv und hat dabei eine Erfolgsbilanz vorzuweisen, an die sonst nur noch die anderen Edelmetalle, allen voran Silber und Platin, herankommen. Die Erfolgsgeschichte des Bitcoins ist demgegenüber ausgesprochen kurz.

Jetzt mögen die Freunde der Kryptowährungen einwenden, dass niemand von ihnen die Absicht habe, mehr als 100 oder 120 Jahre alt zu werden. In Zeiträumen von 1.000 oder gar 4.000 Jahren zu denken, sei vor diesem Hintergrund für die Theorie zwar ganz schön, aber für die Praxis der Wertaufbewahrung eignen sich diese Hinweise auf die vermeintliche Stärke des Goldes nicht.

Die Schwäche des Bitcoins lässt aufhorchen

Diesem Argument ist nur zum Teil zuzustimmen. Auch der klassische Goldanleger muss in geringeren Zeiträumen denken, wenn er seine persönlichen Werte über die Zeit sicher aufbewahren will. Man wird sich also eher über 10, 20 oder 30 Jahre als über 500, 1.000 oder 4.000 Jahre den Kopf zerbrechen. Trotzdem offenbart die kurze Lebenszeit des Bitcoins eine seiner gewaltigsten Schwächen.

Konzipiert wurde der Bitcoin ursprünglich als elektronischer Geldersatz. Mit den Coins sollte nicht spekuliert, sondern ganz ordinär in den Geschäften oder ganz allgemein beim Tausch von Waren bezahlt werden. Von dieser Funktion ist der Bitcoin heute weiter entfernt als je zuvor. Diese Ansicht setzt sich auch in der Kryptobranche immer stärker durch.

Ein Besitzer von Bitcoins, der die Hoffnung hat, dass diese in wenigen Tagen spürbar an Wert steigen werden, der wird mit den Coins alles mögliche machen. Nur für den Kauf einer Pizza oder eines gewöhnlichen Brötchens wird man sie nicht einsetzen. So wird hinsichtlich der Zahlungsfunktion anderen Blockchain-Anwendungen wie etwa dem Facebook-Projekt Libra mehr Potential zugebilligt.

Der Bitcoin ist nur für Spekulanten attraktiv

Der Charme des Bitcoins liegt derzeit in seiner Volatilität. Das macht ihn gerade für Spekulanten attraktiv. Von ihrem Geld erwarten die Menschen in erster Linie aber, dass es stabil ist und nicht wild hin und her schwankt.

Gold und Silber erfüllen diese Erwartung, wenn sie als Geld eingesetzt werden, denn eine Unze bleibt immer eine Unze. Sie rostet nicht, sie schimmelt nicht. Was schwankt, sind allein die Preise der anderen Güter, deren Wert über die Edelmetalle miteinader verglichen wird.

Man kann aber dem Gold nicht vorwerfen, dass die Preise für Kartoffeln oder Kirschen je nach Wetter und Erntemenge schwanken und auch das Silber kann nichts dafür, dass die Häuserpreise in einer Stadt plötzlich stark zu steigen beginnen, wenn viele Menschen meinen, dort leben zu müssen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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