Sind Aktien doch noch ein gutes Investment

Die Anzeichen für eine bevorstehe Rezession mehren sich und die Aktienkurse notieren auf oder nahe ihren Hochs. Wer sich angesichts dieser Situation verwundert die Augen reibt, der stellt sich auch zwangsläufig die Frage, ob Aktien angesichts dieser Ausgangslage immer noch ein gutes und vor allem lohnenswertes Investment sind.

Die negativen Fakten liegen zu einem großen Teil bereits offen auf dem Tisch. Viele Unternehmen spüren die nachlassende Dynamik des Marktes und senken ihre Erwartungen an die zukünftigen Umsätze und Gewinne. Besonders die als frühe Indikatoren geltenden Einkaufsmanagerindizes kündigen eine kräftige Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivität an.      

In den USA ist die Zinskurve im Sommer invers geworden. Damit wird das ungewöhnliche Phänomen umschrieben, dass die Zinsen für langlaufende Anleihen niedriger sind als jene für Bonds mit kurzen Laufzeiten. Eine inverse Zinskurve gilt gemeinhin als eines der sichersten Zeichen für eine bevorstehende Rezession.

Dennoch scheinen die Sorgen an den Anlegern abzuperlen wie Wasser. Die Aktien und auch die wichtigsten Indizes stehen heute deutlich höher als noch zu Beginn des Jahres. Natürlich ist ein großer Teil dieser Rallye dem kräftigen Abschwung aus den letzten Monaten des Jahres 2018 geschuldet.

Der Optimismus überwiegt

Aber auch ohne diesen vorangegangenen Einbruch könnte das Aktienjahr 2019 als ein recht solides Jahr in die Geschichte eingehen. Jetzt besteht angesichts der extrem niedrigen Ausgangsbasis aus dem Dezember 2018 sogar die Möglichkeit, dass wir Ende Dezember auf ein besonders gutes Aktienjahr zurückschauen werden.

Von Euphorie ist trotzdem keine Spur. Auch diese Beobachtung wird immer wieder als Argument angeführt, warum die Kurse durchaus noch weiter steigen können. Sterben die Bullenmärkte doch bekanntlich in Euphorie und Überschwang. So gesehen, dürften wir die Hochs noch nicht gesehen haben.

Die merkwürdige Diskrepanz zwischen der Entwicklung auf der Unternehmensseite und den Kursen an der Börse passt durchaus zu den Mustern, die aus früheren Rezessionen bekannt sind. Nachdem die Zinskurve zum ersten Mal invers geworden ist, vergehen nicht selten über 18 Monate, bis auch der Aktienmarkt reagiert und die Segel streicht.

Ein weiteres Motiv, dass die internationalen Aktienmärkte in diesem Jahr hochhält, ist der bevorstehende US-Präsidentschaftswahlkampf. Donald Trump hat bereits in den Wahlkampfmodus geschaltet und der Markt geht davon aus, dass er alles tun wird, um wiedergewählt zu werden.

Die Hoffnungen der Anleger ruhen auf Donald Trump und der US-Notenbank

Giftige Spritzen für die Wirtschaft sind in diesem und im nächsten Jahr deshalb weder von ihm noch von seinen Konkurrenten zu erwarten. Man geht vielmehr davon aus, dass die US-Politik tunlichst vermeiden wird, den Finanzmarkt mit negativen Nachrichten zu belasten.

Getrieben wird der Aktienmarkt auch weiterhin von der extrem expansiven Geldpolitik der westlichen Notenbanken. Es ist an dieser Stelle zwar höchst umstritten, ob das viele Geld aus dem Nichts auf dem Feld der Wirtschaft tatsächlich so wirkt, wie es wirken soll.

Unzweifelhaft ist jedoch dass der Anlagenotstand der Anleger weiter fortgesetzt wird. Es gibt kaum Alternativen zum Aktienmarkt. Die Zinsen der meisten sicheren Staatsanleihen sind negativ und den Anlegern bleibt kaum eine andere Alternative als an bestehenden Aktienpositionen festzuhalten.

Aber muss man diese deshalb gleich aufstocken? Auch in diesem scheinbar so günstigen Umfeld bleiben Aktien Risikopositionen. Das Risiko mag klein und überschaubar sein. Aber vorhanden ist es immer noch und als wirklich billig können die meisten Aktien heute kaum mehr gelten.

Zwei wichtige Fragen bleiben

So bleiben zum Schluss zwei wichtige Fragen. Die erste ist: Gibt es eine saftige Korrektur oder sogar einen handfesten Crash in den nächsten ein bis zwei Jahren? Die Antwort lautet: Vielleicht.

Bedeutsamer für den Erfolg der eigenen Anlagestrategie ist jedoch die zweite Frage: Sollen die Anleger, wenn die Märkte kollabieren, nur so viele Aktien besitzen, wie sie mental und finanziell verkraften können? Hier muss die Antwort jedoch eine ganz andere sein und „Ganz bestimmt!! lauten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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