Der kleine Unterschied zwischen sparen und richtig sparen ist gewaltig

Es erscheint heute sinnvoller, Geld auszugeben als es auf das altehrwürdige Sparbuch zu legen. Auch Tagesgeldkonten und Bundesanleihen sind heute keine sinnvollen Alternativen mehr. Auf Ersteren gibt es nur noch eine minimale Verzinsung und mit deutschen Staatsanleihen oder jenen aus der Schweiz fahren die Anleger nur noch negative Renditen ein.

Obwohl das gedankenlose Geldausgeben offensichtlich die bessere Alternative zu sein scheint, ist es heute wichtiger denn je, Geld nicht zu konsumieren, sondern es für die eigene Zukunft zu sparen. Das gilt besonders für jene Jahrgänge, die das Rentenalter noch nicht erreicht haben, denn wenn bei der Rente heute eines sicher ist, dann dass ihre Finanzierung in der Zukunft höchst problematisch sein wird.      

Es macht aber keinen Sinn auf die neuen Probleme als Sparer mit den altbekannten Lösungen Sparbuch, Geldmarktfonds und Bundesschatzbrief zu antworten. Sie werden sich noch auf Jahre hinaus als ein Irrweg erweisen, denn es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Europäische Zentralbank oder die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Leitzinsen in absehbarer Zeit erhöhen werden.

Der größte Vorteil der negativen Zinsen liegt wohl darin, dass heute jeder Sparer schwarz auf weiß sehen kann, dass er Kaufkraft verliert und wie viel Geld pro Jahr auf der Strecke bleibt. Wir sollten dabei nicht vergessen: Zeiten mit negativer Rendite hat es auch früher schon gegeben.

Es gibt heute keine risikofreie Rendite mehr

Damals konnte bei fünf Prozent Inflation ein positiver Zinssatz von vier Prozent aber leichter darüber hinwegtäuschen, dass die reale Rendite des Sparers dennoch negativ war. Heute ist schon die Grundrendite negativ und der Kaufkraftverlust kommt als „Sahnehäubchen“ noch hinzu. Da wird es für alle Beteiligten schwieriger, die Illusion von einer positiven Verzinsung noch irgendwie aufrechtzuerhalten.

Studien, welche die reale Rendite von Sparbüchern über einen Zeitraum von über 100 Jahren untersucht haben, haben ergeben, dass die reale Rendite von Sparbüchern schon immer nahe null oder sogar darunter gelegen hat – auch im Sparbuchland Deutschland.

Es sind nicht nur Inflation und negative Zinsen, die den Sparern derzeit zusetzen. Auch die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wächst immer weiter. Dazu tragen die stark gestiegenen Preise für Aktien und Immobilien bei, aber ebenso die Frage, wie das ersparte Geld angelegt wird.

An dieser Stelle greifen wohlhabendere Menschen viel öfter zu Aktien und Immobilien als die Haushalte mit einem niedrigen Einkommen. Doch damit nicht genug: Die unteren Einkommensschichten sehen im derzeitigen Zinsniveau häufig einen Grund, sich noch stärker zu verschulden. Schulden schaffen auf Dauer aber keinen Wohlstand, sondern erhöhen nur die Abhängigkeit.

Das Geld liegt an der falschen Stelle

Wollen die Sparer zukünftige Löcher in ihrer Kasse vermeiden, müssen sie ihr Geld heute bewusst einsetzen. Sie müssen Sparformen wählen, in denen das Geld noch für sie arbeiten kann. Sparbücher und andere niedrig verzinste Anlagen sind dies gewiss nicht. Dennoch ist in Deutschland und der Schweiz der größte Teil des privaten Vermögens in genau diesen renditeschwachen Anlageformen angelegt.

Viele Menschen sparen heute deshalb falsch, weil sie ihr Geld nicht wie ein Unternehmer investieren, sondern in Anlageformen ohne reale Rendite vergammeln lassen. Man kann diesen Sparern dabei keine Untätigkeit vorwerfen, denn ein Kapitalaufbau findet durch das permanente Zurücklegen weiterer Gelder durchaus statt.

Was in vielen Strategien fehlt, ist das Bestreben, den in der Vergangenheit aufgebauten Kapitalstock durch den Zinseszinseffekt weiter wachsen zu lassen. Dabei sollte die eigene Planung aber auch auf realistischen Erwartungen beruhen. Nach einer neuen Umfrage erwarten junge Sparer im Alter zwischen 16 und 29 Jahren eine jährliche Rendite von 9,2 Prozent. Jeder sechste Befragte kalkuliert sogar mit Gewinnen von mehr als zehn Prozent.

Selbst in der guten Vergangenheit waren derartige Ergebnisse nicht für jeden Anleger zu erzielen. In der Zukunft könnten die zu erzielenden Gewinne durch das höhere Ausgangsniveau der Preise für Aktien und Immobilien jedoch deutlich niedriger ausfallen. Das kann leicht dazu führen, dass sich viele Sparstrategien als viel zu optimistisch erweisen werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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