Sind Themenfonds eine gute Anlage?

Trends sind an der Börse etwas feines, vor allem dann, wenn sie aufwärts gerichtet sind. Sobald sie endgültig enden und sich der Trend in die Gegenrichtung entwickelt, endet die Freude der investierten Anleger meist sehr schnell, denn die Buchgewinne schmelzen wie Eis in der Sonne und nicht selten verkehren sie sich in schmerzhafte Verluste.

Dies geschieht mit Vorliebe dann, wenn der Einstieg in den ursprünglichen Trend erst vergleichsweise spät vollzogen wurde. Dieses Missgeschick kann Anlegern recht leicht widerfahren, denn es braucht immer seine Zeit, bis die Masse der Marktteilnehmer auf den Trend aufmerksam wird.      

Aber auch dann zögern viele Anleger noch. Sie sind unsicher und benötigen zum Handeln die Sicherheit eines stabilen Aufwärtstrends. Der Trend, der dem Anleger die zum Einstieg notwendige Sicherheit gibt, bedeutet zugleich aber auch, dass ein Teil der Kursgewinne bereits Geschichte und damit für den zögernden Anleger verloren ist. Vermeintlich sichere Investments werden durch den späten Einstieg damit leicht zu einem höchst unsicheren Börsengeschäft.

Hinzu kommt ein weiterer Grund der den Einstieg in eine Aktie oder einen Index vielfach erschwert: Die Aussicht auf zukünftige Börsengewinne ist etwas sehr theoretisches. Sie kann eintreten oder auch nicht. Man kann ihre Wahrscheinlichkeit berechnen, aber so wirklich greifbar ist die Materie für viele Anleger dennoch nicht.

Stories verkaufen sich besser als Fakten

Viel leichter erschließt sich vielen Anlegern ein Investment, wenn dieses mit einer leicht verständlichen Hintergrundgeschichte verbunden ist. Der Lithiumboom wurde von der E-Mobilität getragen, Aktien wie NEL ASA oder Ballard Power profitieren derzeit von der Faszination, welche die Wasserstofftechnologie hervorruft.

Der leichtere emotionale Zugang zu diesen Anlagen ist einer der Gründe dafür, dass sich sogenannte Themenfonds und die entsprechenden Indexzertifikate einer immer größeren Beliebtheit erfreuen. Nach Angaben des Datenanbieters Morningstar hat sich ihr Volumen in Europa seit 2016 versiebenfacht.

Den Megatrends ist gemeinsam, dass sie alle einen Bereich abdecken, der in Zukunft eine größere Bedeutung einnehmen wird. Ihre Auswirkungen werden langfristiger Natur sein und das macht die Erwartung, es sei eine gute Idee, in Unternehmen zu investieren, die mit diesen Trends viel Geld verdienen werden, sehr plausibel.

Der Teufel steckt wie so oft aber im Detail. Ein Blick zurück auf die späten 1990er Jahre zeigt warum: Niemand wird heute bestreiten, dass das Internet unser modernes Leben stark verändert hat. Vieles, von dem was wir heute als völlig normal erleben, war damals noch nicht einmal vorstellbar. Das Potential war also wirklich gigantisch. Dennoch haben nur wenige der damals gehypten Unternehmen überlebt.

Für das Überleben gibt es auch in den Boomsektoren keine Gewähr

Googlen Sie ihre Suchbegriffe im Internet oder verwenden Sie immer noch die in den 1990er Jahren führende Suchmaschine Yahoo? Das Beispiel zeigt, wie leicht sich Präferenzen verschieben können und wie schnell selbst in einem stark wachsenden Markt auch die Stars der Branche in Schwierigkeiten geraten und untergehen können, wenn wichtige Entwicklungen verschlafen werden oder die Konkurrenz einfach einen Tick besser und pfiffiger agiert.

Hinterher sind wir bekanntlich alle schlauer. Deshalb ist es sinnvoll auch bei den Themen, die an der Börse gerade heiß diskutiert und entsprechend wild gehandelt werden, immer wieder einen Schritt zurückzutreten und sich mit der Möglichkeit auseinanderzusetzen, dass diese Technologien oder Unternehmen scheitern könnten.

Wer als Anleger nicht unmittelbar die Aktien der jeweiligen Unternehmen kauft, sondern in Themenprodukte investiert, der hat zudem schnell ein Problem mit dem Timing, denn diese Produkte werden immer erst dann aufgelegt, wenn der Trend schon eine gewisse Bekanntheit hat.

Fragen Sie immer nach dem handlungsleitenden Interesse

Mehr noch: Die Entscheidung, ein neues Themenprodukt aufzulegen, treffen nicht Analysten oder Fondsmanager, die chancenreiche Investments identifiziert haben, an denen sie uns Anleger teilhaben lassen wollen.

Es sind vielmehr die Manager in den Marketingabteilungen, die entscheiden, was gerade aufgelegt wird und anschließend vom Schalterpersonal in den Banken und dem Heer der Vertriebsmitarbeiter verkauft werden soll.

Dort fällt die Entscheidung, was gemacht wird, aber nicht danach, was dem Kunden am meisten nützt, sondern es geht allein um die Frage, was sich am besten verkauft. Es geht also um nichts anderes als das Verkaufsinteresse des Emittenten.

Wer als Anleger diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, wird jedem neuen Trend und der ihn begleitenden Werbung für Anlageprodukte mit dem nötigen Abstand und einer gesunden Skepsis begegnen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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