Handel mit China: Deutsche Unternehmen so pessimistisch wie nie

Bernd Heim
By Bernd Heim / 3. Dezember 2019

Über Jahre hinweg waren die Vertreter der deutschen Industrie bester Stimmung, wenn sich die Gespräche um China und die im Reich der Mitte gegebenen Möglichkeiten drehten. Die Geschäfte liefen gut und wenn auch der Umgang mit den chinesischen Partnern nicht immer ganz einfach war, so überwog dennoch die Zuversicht.

Von dieser ist momentan jedoch nur noch wenig zu verspüren. China liegt den Managern momentan eher schwer im Magen. Insbesondere die in der Volksrepublik aktiven Unternehmen sind derzeit so pessimistisch wie nie. Das zeigt eine Anfang November veröffentlichte Umfrage der Deutschen Handelskammer in China.      

Befragt wurden 526 Unternehmen. Nur noch ein Drittel von ihnen rechnet damit, die zu Beginn des Jahres gesetzten Geschäfts- und Umsatzziele für 2019 noch erreichen oder gar übertreffen zu können. Im Vorjahr war die Zuversicht im dritten Quartal deutlich größer. Damals zeigte sich mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen überzeugt, die eigenen Ziele erreichen oder übertreffen zu können.

Unzufrieden sind derzeit insbesondere die Vertreter der Automobilindustrie und des Maschinenbaus. Sie leiden ganz besonders unter dem nicht enden wollenden Thema des Handelskrieges. Aber im Grunde sind nahezu alle in China aktiven Firmen betroffen. Nur 17 Prozent gaben an, vom Handelskonflikt zwischen Washington und Peking direkt oder indirekt nicht betroffen zu sein. Im Vorjahr hatten noch 66 Prozent der Unternehmen angegeben, nicht unter dem Streit zu leiden.

Die Folgen sind bereits deutlich spürbar

Dass eine derartige Belastung nicht ohne Folgen bleibt, liegt auf der Hand. Wer nicht weiß, wie es weitergeht und verunsichert ist, der hält sich mit langfristigen Entscheidungen und kostspieligen Investitionen zurück. Gegenüber 2018 hat die Neigung, Investitionen zu tätigen, stark nachgelassen.

Auch die Aussichten für 2020 werden eher pessimistisch eingeschätzt. Aus dem Bereich der Automobilproduzenten und ihrer Zulieferer gehen 69 Prozent der Befragten davon aus, dass die Dynamik auch im kommenden Jahr nicht nur schwach bleiben, sondern sogar noch weiter nachlassen wird.

Längst passe sind die Zeiten, in denen es für die deutsche Wirtschaft egal war, ob in China der sprichwörtliche Sack Reis umfiel. Bei über der Hälfte der befragten Firmen stellt die Volksrepublik inzwischen einen der Top-3-Märkte dar. Volkswagen verkauft beispielsweise heute jeden zweiten Neuwagen in China. Einbußen, die hier zu verzeichnen sind, werden deshalb zwangsläufig ihre Spuren in den Bilanzen hinterlassen.

Es war das starke Chinageschäft, das die deutsche Industrie in der Vergangenheit davor bewahrte, in eine Rezession abzugleiten. Die Kehrseite dieser Medaille ist, dass in den vergangenen Jahren neue Abhängigkeiten entstanden sind.

Kein einfaches Pflaster

Beklagt wird, dass es noch immer Einschränkungen beim Marktzugang gibt. Auch regulatorische Unklarheiten machen den chinesischen Markt zu einem schwierigen Pflaster. Noch immer sind die Spielregeln für chinesische und ausländische Unternehmen nicht die selben.

Hält die Regierung in Beijing hingegen Wort und erfüllt ihr Versprechen, den chinesischen Markt weiter öffnen zu wollen, dürften neue Investitionen nicht lange auf sich warten lassen. 53 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, in diesem Fall weitere Investitionen tätigen zu wollen.

Abhilfe könnte das bilaterale Investitionsabkommen schaffen, dass die Europäische Union seit 2012 mit China aushandelt. Die Verhandlungen sind sehr weit gediehen und könnten 2020 zu einem Abschluss gebracht werden. Dies könnte dazu beitragen, dass sich der derzeit zu beobachtende Investitionsstau langsam auflöst.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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