Gold und Silber sind viel konstanter als gemeinhin angenommen wird

Wenn es um die Preise von Gold und Silber geht, dann starrt die Masse der Anleger wie gebannt auf den in US-Dollar oder in Euro notierten Preis. Sätze wie: „Gold ist wieder um 14 Dollar gestiegen“ oder „Der Silberpreis hat heute 50 Cent verloren“, sind dann zu hören.

Sie suggerieren uns, dass Gold und Silber die schwankenden Güter sind, der Maßstab US-Dollar oder Euro aber stets gleich bleibt. Nichts könnte falscher sein, als diese Annahme, denn es sind Gold und Silber, die stabil bleiben, während die Menge des Papiergeldes beständig vermehrt wird.      

Jetzt kann man natürlich zurecht einwenden, dass auch die Menge des Goldes steigt. Das tut sie, wenn man nur das oberirdisch verfügbare Gold betrachtet. Innerhalb der Erdkruste verändert sich rein gar nichts, es sei denn, ein mit Gold und anderen Edelmetallen „belasteter“ Meteorit stürzt aus dem All auf die Erde.

Aber auch überirdisch sind die Veränderungen, die der Goldbestand Jahr für Jahr erfährt, vergleichsweise gering. Natürlich sind die 2.600 Tonnen Gold, die im Schnitt jedes Jahr gefördert werden, kein Pappenstiel. Aber im Vergleich zum Gesamtbestand nimmt sich diese Menge dennoch verhältnismäßig gering aus, denn der überirdisch verfügbare Goldbestand wächst pro Jahr um lediglich 1,5 Prozent.

Gold ist die Konstante

Wenn man das einmal vergleicht mit den anderen Rohstoffen, die wir Menschen seit Jahrhunderten fördern und der Explosion der Geldmenge, die wir uns seit rund 100 Jahren leisten, dann ist das Gold die Konstante, nicht das Kupfer, nicht das Eisenerz und ganz bestimmt auch nicht der Euro oder der US-Dollar.

Einige interessante Beobachtungen lassen sich machen, wenn man einmal den gewohnten Maßstab ignoriert und das Gold zum Vergleichsmaßstab macht. Wir werden dann plötzlich feststellen, dass man für das weitestgehend konstant bleibende Gold im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Rohstoffe kaufen konnte.

Mehr noch: Gegenüber dem Gold sind die Preise anderer Rohstoffe regelrecht kollabiert. Seit den Napoleonischen Kriegen lässt sich der Wertverlust der Rohstoffe gegenüber dem Gold im Durchschnitt auf etwa 0,8 Prozent pro Jahr beziffern. Während die Rohstoffe gegenüber dem Gold verlieren, werden sie in US-Dollar gerechnet immer teurer.

Gold ist damit über lange Zeiträume einer der besten, wenn nicht sogar der beste Weg, um Kaufkraft zu sichern. Man kauft heute mit einer Unze Gold mehr Rohstoffe als zu Beginn des 19. Jahrhunderts und auch die Rohstoffe ermöglichen uns heute einen größeren Zugriff auf Konsumprodukte als noch vor 200 Jahren.

Inflation trifft immer in das Herz einer Gesellschaft

Wir neigen heute dazu, die Inflation primär als ein monetäres Phänomen zu betrachten. Das ist sie ganz gewiss. Aber die Wirkung der Teuerung reicht weit über das Finanzsystem hinaus. Inflation trifft immer in das Herz einer Gesellschaft. Sie macht aus einer gesunden Gemeinschaft einen kranken Volkskörper, der viel von seiner Stärke und Stabilität verliert.

Sehr schnell auf der Strecke bleibt die Motivation zum Sparen. Wenn das Geld seinen Wert immer schneller verliert, macht Sparen keinen Sinn mehr. Unser Geld ist in diesen Fällen kein Mittel mehr, um Kaufkraft für zukünftige Anschaffungen verfügbar zu machen, sondern ein Synonym für einen ebenso schnellen wie unaufhaltsamen Wertverlust.

Das führt zwangsläufig zu falschen Kaufentscheidungen, denn es wird nicht mehr allein das gekauft, was aktuell notwendig ist, sondern auch darüber hinaus werden Anschaffungen getätigt, die allein dem Zweck dienen, vorhandene Kaufkraft nicht verkommen zu lassen.

Auf der Strecke bleibt auch das Vertrauen, zunächst das Vertrauen, auch morgen noch das Gleiche für sein Geld kaufen zu können wie heute. In einem zweiten Schritt nimmt das Vertrauen in das Finanzsystem selbst ab. Am Ende des Prozesses wird der Gesellschaft als Ganzes kein Vertrauen mehr entgegengebracht.

Der Erosionsprozess ist bereits weit fortgeschritten

Dass wir auf dem Weg in eine Gesellschaft ohne jedes Vertrauen sind, zeigen die zahlreichen populistischen Bewegungen. Sie erhalten fast überall auf der Welt großen Zulauf. Ihr „Erfolgsrezept“ ist, dass sie die Angst der Menschen adressieren, um von ihr in der einen oder anderen Weise zu profitieren.

Es erschreckt immer wieder, dass Menschen diesen Fensterrednern überhaupt Glauben schenken. Dass es geschieht, hat auch damit zu tun, dass es nicht mehr viel gibt, auf das man sich bedingungslos verlassen kann. Verträge und Abmachungen werden nach Belieben gebrochen und unser Geld ist auch alles andere als ein Hort der Stabilität, und weil es so ist, will man uns einreden, dass wir noch viel, viel mehr von diesem schwindsüchtigen Geld benötigen, um endlich glücklich zu werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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